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Auf Kriegsfuss mit dem Yogaboard

Michael Restin
Michael Restin
Zürich, am 29.01.2020
Video: Stephanie Tresch
Bilder: Stephanie Tresch
Mitarbeit: Sabrina Kriesi
Das Balance Board von Strobel & Walter ist ein nachhaltig produziertes Schmuckstück. Es soll Stabilität und Achtsamkeit fördern. Yoga-Lehrerin Sabrina Kriesi verrät dir, was sie von dem Konzept hält.

Am Anfang war das Meer. Die Wellen Kapstadts inspirieren Gründer Dominic Strobel zur Land-Version eines «Wooden Surfboards». Zurück in Deutschland wird er Unternehmer und bricht mit seiner Idee zu neuen Ufern auf. Das Resultat ist 178 Zentimeter lang, elf Kilogramm schwer und ruht auf einer geschwungenen Unterseite. Die Oberfläche sieht mit ihrer Furnierschicht aus Buchenholz edel aus. Hergestellt wird das Yogaboard im bayerischen Wiesenbronn, von wo aus Strobel & Walter es inzwischen in über 30 Länder exportiert.

Auch Sabrina Kriesi braucht einige Reisen, um bei sich selbst anzukommen. In Australien und Neuseeland stürzt sie sich in die Wellen und in ihren stressigen Job als Hotelfachfrau, bevor sie Ausgleich, Erfüllung und eine neue Lebenseinstellung beim traditionellen Haṭha-Yoga findet. Innehalten, den Geist kontrollieren und erden. Darum geht es. Sie zieht Konsequenzen. Absolviert ein Teacher-Training auf Bali, beginnt zu unterrichten und hört selbst nie auf zu lernen.

Sabrina Kriesi. Beruf: *Yogalehrerin**Video
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Sabrina Kriesi. Beruf: Yogalehrerin

Kein Vergnügen für die Knie

In der üppig begrünten Zürcher Pause im Foifi, wo Sabrina «Jungle Yoga» anbietet, probiert sie das Balance Board aus. Es ist eine Premiere für sie, die zwar Surf-Erfahrung hat, aber Yoga bislang klassisch auf der Matte praktiziert. Und daran wird ihre Probesession auf dem Board nichts ändern. «Für die Knie ist es bei gewissen Übungen kein Vergnügen», sagt Sabrina. Die hölzerne Oberfläche kann schmerzhaft sein und bietet verschwitzten Händen wenig Halt.

Wie instabil das Board ist, hängt von der Unterlage ab. Laut Beschreibung eignet es sich sowohl für Anfänger als auch für Profis. Sabrina platziert es auf ihrer normalen Yogamatte und spürt die Anstrengung. «Mein Rumpf muss viel mehr arbeiten als sonst», sagt sie. «Es ist kein Board für Anfänger, man braucht schon eine gewisse Erfahrung.» Über die verfügt Sabrina, aber sie würde das Balance Board aus mehreren Gründen nicht kaufen. Hohlraumkonstruktion hin oder her – es bleibt ein unhandliches Accessoire, das nicht ihrer Philosophie entspricht.

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«Meiner Meinung nach widerspricht das Yogaboard dem Grundsatz des Yoga, das Leichtigkeit und Einfachheit verkörpert.»
Sabrina Kriesi

Im Sinne dieser Lehre braucht es nicht mehr als den eigenen Körper. «Wer seine Stabilität herausfordern will, dem empfehle ich einmal mit verbundenen Augen zu praktizieren, visuelle Ablenkungen auszublenden und seine Achtsamkeit voll und ganz nach innen zu richten», sagt Sabrina. Das sei eine wunderschöne und sehr intensive Erfahrung, um an die eigenen Grenzen zu kommen. Ganz ohne Hilfsmittel. Ihr Fazit: «Da das Board einen Batzen Geld kostet, muss man sich gut überlegen, ob man es wirklich will.» Die Anschaffung muss schliesslich nicht nur zur Philosophie passen, sondern auch zum Portemonnaie.

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Michael Restin
Michael Restin

Editor, Zürich

Sportwissenschaftler, Hochleistungspapi und Homeofficer im Dienste Ihrer Majestät der Schildkröte.

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