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Wie hältst du es mit Kabeln zuhause?

Material, Schirm, Sockel – und dann? Das Kabel kommt zuletzt oder gar nicht. Dabei ist es manchmal das interessanteste Element.
Designschaffende, die Hardware ästhetischer denken, sind selten. Umso mehr hat mich gefreut, dass mir an der Milan Design Week und den Design Days in Lausanne gleich mehrere Projekte begegnet sind, die das Kabel nicht verstecken, sondern zeigen.



Ob das ein Trend ist, weiss ich nicht. Aber es ist ein Signal – und ein längst überfälliges.
Napalosa aus Antwerpen baut Leuchten, bei denen das Kabel von Anfang an mitgedacht ist. Die Lampe, die ich an der Deoron-Ausstellung der Milan Design Week gesehen habe, hat eine flauschige, pelzige Schnur statt eines normalen Kabels. Der Lampenkopf schwingt, wenn du ihn berührst.



Das Kabel wird zum haptischen Versprechen: Wenn die Lampe kuschelig ist, soll auch das Kabel kuschelig sein.
«The Last Bead» widmet sich den Perlen von Murano – einem Handwerk, das billigere Importware zunehmend verdrängt. Cécile Feilchenfeldt und Adrien Rovero stiessen auf das Atelier eines der letzten Perlenmacher der Insel, mit einem aussergewöhnlichen Bestand an seltenen, teils nicht mehr herstellbaren Stücken. Daraus entstanden Leuchten und Accessoires, bei denen die Glasperlen das sichtbare Herzstück sind. Sie waren an den Design Days Lausanne zu sehen.



Das Kabel gehört dazu. Es ist nicht versteckt, sondern Teil der nautischen Bildsprache, die sich durch das Projekt zieht. LED und USB-C treffen auf ein jahrhundertealtes Handwerk.
Anna Dawson aus New York entwarf für die Ausstellung von Playinghouse an der Alcova eine Wandleuchte eigens für die Villa Pestarini in Mailand – ein rationalistisches Haus von Franco Albini. Die «Calle Pestarini»-Leuchte zitiert die geometrischen Ornamente der Treppe und das Glas in verschiedenen Transparenzstufen im Erdgeschoss: Bernsteinfarbene und klare Glasstreifen überlagern sich zu einem organischen Plaid.

Das Kabel ist weiss, leicht transparent und aus Stoff. Dawson behandelt es als Teil des Objekts, das sich nicht bloss als Anhängsel versteht, sondern als Abschluss.
Drei sehr unterschiedliche Projekte, drei sehr unterschiedliche Antworten. Was sie verbindet: Das Kabel ist nicht das Problem, das es zu lösen gilt. Es ist Teil des Objekts.
Wer eine Lampe entwirft, sollte auch das Kabel entwerfen – oder zumindest bewusst wählen. Nicht weil es niemand sieht. Sondern weil es jeder sehen soll.
Wie hältst du es mit Kabeln zuhause?
Wie ein Cheerleader befeuere ich gutes Design und bringe dir alles näher, was mit Möbeln und Inneneinrichtung zu tun hat. Regelmässig kuratierte ich einfache und doch raffinierte Interior-Entdeckungen, berichte über Trends und interviewe kreative Köpfe zu ihrer Arbeit.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
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