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Pia Seidel
Hintergrund

Das Kabel als Designelement – warum es Zeit wird, es nicht mehr zu verstecken

Pia Seidel
9.6.2026
Bilder: Pia Seidel

Material, Schirm, Sockel – und dann? Das Kabel kommt zuletzt oder gar nicht. Dabei ist es manchmal das interessanteste Element.

Designschaffende, die Hardware ästhetischer denken, sind selten. Umso mehr hat mich gefreut, dass mir an der Milan Design Week und den Design Days in Lausanne gleich mehrere Projekte begegnet sind, die das Kabel nicht verstecken, sondern zeigen.

Wer so aussergewöhnliche Leuchten gestaltet …
Wer so aussergewöhnliche Leuchten gestaltet …
… sollte auch das Kabel nicht dem Zufall überlassen.
… sollte auch das Kabel nicht dem Zufall überlassen.
Die Installation The Waiting Room von Sema Topaloğlu an der Alcova, Mailand.
Die Installation The Waiting Room von Sema Topaloğlu an der Alcova, Mailand.

Ob das ein Trend ist, weiss ich nicht. Aber es ist ein Signal – und ein längst überfälliges.

Das Kabel als weiches Material

Napalosa aus Antwerpen baut Leuchten, bei denen das Kabel von Anfang an mitgedacht ist. Die Lampe, die ich an der Deoron-Ausstellung der Milan Design Week gesehen habe, hat eine flauschige, pelzige Schnur statt eines normalen Kabels. Der Lampenkopf schwingt, wenn du ihn berührst.

Hellblau oder Orange – bei Napalosa ist sogar die Farbwahl des Kabels eine Entscheidung.
Hellblau oder Orange – bei Napalosa ist sogar die Farbwahl des Kabels eine Entscheidung.
Die pelzige Schnur ist Teil des Objekts, nicht Anhängsel.
Die pelzige Schnur ist Teil des Objekts, nicht Anhängsel.
Handgefertigt in Antwerpen: die «Cozy Curious Light» von Napalosa.
Handgefertigt in Antwerpen: die «Cozy Curious Light» von Napalosa.

Das Kabel wird zum haptischen Versprechen: Wenn die Lampe kuschelig ist, soll auch das Kabel kuschelig sein.

Das Kabel als Zeuge eines verschwundenen Handwerks

«The Last Bead» widmet sich den Perlen von Murano – einem Handwerk, das billigere Importware zunehmend verdrängt. Cécile Feilchenfeldt und Adrien Rovero stiessen auf das Atelier eines der letzten Perlenmacher der Insel, mit einem aussergewöhnlichen Bestand an seltenen, teils nicht mehr herstellbaren Stücken. Daraus entstanden Leuchten und Accessoires, bei denen die Glasperlen das sichtbare Herzstück sind. Sie waren an den Design Days Lausanne zu sehen.

Drei Leuchten, drei Charaktere – verbunden durchs Perlenmotiv, …
Drei Leuchten, drei Charaktere – verbunden durchs Perlenmotiv, …
… bei der auch das Kabel zentral ist.
… bei der auch das Kabel zentral ist.
Jede Murano-Perle ein Unikat.
Jede Murano-Perle ein Unikat.

Das Kabel gehört dazu. Es ist nicht versteckt, sondern Teil der nautischen Bildsprache, die sich durch das Projekt zieht. LED und USB-C treffen auf ein jahrhundertealtes Handwerk.

Das Kabel als Verlängerung einer Architektur

Anna Dawson aus New York entwarf für die Ausstellung von Playinghouse an der Alcova eine Wandleuchte eigens für die Villa Pestarini in Mailand – ein rationalistisches Haus von Franco Albini. Die «Calle Pestarini»-Leuchte zitiert die geometrischen Ornamente der Treppe und das Glas in verschiedenen Transparenzstufen im Erdgeschoss: Bernsteinfarbene und klare Glasstreifen überlagern sich zu einem organischen Plaid.

Eigens für die Villa Pestarini entworfen: die «Calle Pestarini»-Leuchte von Anna Dawson – mit weissem, transparentem Stoffkabel.
Eigens für die Villa Pestarini entworfen: die «Calle Pestarini»-Leuchte von Anna Dawson – mit weissem, transparentem Stoffkabel.

Das Kabel ist weiss, leicht transparent und aus Stoff. Dawson behandelt es als Teil des Objekts, das sich nicht bloss als Anhängsel versteht, sondern als Abschluss.

Es wäre Zeit

Drei sehr unterschiedliche Projekte, drei sehr unterschiedliche Antworten. Was sie verbindet: Das Kabel ist nicht das Problem, das es zu lösen gilt. Es ist Teil des Objekts.

Wer eine Lampe entwirft, sollte auch das Kabel entwerfen – oder zumindest bewusst wählen. Nicht weil es niemand sieht. Sondern weil es jeder sehen soll.

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Wie hältst du es mit Kabeln zuhause?

Titelbild: Pia Seidel

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Wie ein Cheerleader befeuere ich gutes Design und bringe dir alles näher, was mit Möbeln und Inneneinrichtung zu tun hat. Regelmässig kuratierte ich einfache und doch raffinierte Interior-Entdeckungen, berichte über Trends und interviewe kreative Köpfe zu ihrer Arbeit. 


Hintergrund

Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.

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