
Ratgeber
Fensterputzroboter im Vergleich: Welcher Winbot lohnt sich?
von Lorenz Keller

Der Hutt DDC55PRO ist der günstigste Putzroboter, den ich bisher ausprobiert habe. Ich bin skeptisch, ob das Fenster sauber wird – erst recht, weil er nur mit Wasser putzt.
Bisher hat erst ein Roboter-System die Fenster so geputzt, dass ich zufrieden war. Die Messlatte setzt Hersteller Ecovacs mit seinen Winbot-Modellen. Sie reinigen Glasflächen nicht perfekt, aber gut genug, um mir die lästige Arbeit abzunehmen.
Die Roboter saugen sich mit Unterdruck ans Fenster und fahren mit zwei Raupen die gesamte Fläche ab. Dabei bespritzen sie das Glas mit Reinigungsflüssigkeit und wischen mit einem quadratischen Tuch.
Das Modell von Hutt setzt auf eine andere Technik. Der Roboter fährt nicht auf Raupen, sondern hat nur zwei Mopps, die sich drehen. Darunter stecken jeweils Lufteinlässe, damit sich das Gerät am Fenster festsaugen kann.

Beim Auspacken stelle ich erstaunt fest, dass der Roboter kleiner ist als gedacht: rund 30 Zentimeter lang und 15 Zentimeter breit. Er wiegt ohne Flüssigkeit rund ein Kilogramm. In der Verpackung finde ich ausserdem vier Ersatzbezüge für die Mopps, eine Fernbedienung und eine Plastikflasche. Statt Reinigungsflüssigkeit befindet sich darin: nichts.
Was soll ich bloss mit der leeren Flasche anfangen? Die Bedienungsanleitung schafft Klarheit. Die Flasche hilft einfach beim Einfüllen von Wasser in den Putzroboter. Richtig gelesen: Das Fenster wird nicht wie bei der Konkurrenz mit einem speziellen (und teuren) Reinigungsmittel geputzt, sondern einfach mit normalem Wasser.
Auf Anfrage sagt der Hersteller, dass als Alternative auch ganz normaler Glasreiniger genutzt werden kann. Aber nur im Verhältnis 1:10 verdünnt – sonst verstopfen die Düsen.

Ich fülle also Flüssigkeit ins Fläschchen und dank der dünnen Spitze kann ich damit den kleinen Wassertank am Roboter füllen – ohne eine Sauerei zu machen. Schade nur: Die Öffnung des Fläschchens ist nicht besonders gross und der Kunststoff nicht transparent. Das richtige Mischverhältnis zu treffen ist mühsam – ich sehe ja nicht, wieviel drin ist.
Das ist nicht ganz so schlimm, wie der Test zeigt. Denn die Resultate sind mit Glasreiniger nur wenig besser als mit purem Wasser. Aber dazu später mehr. Ich lege nach dem Befüllen direkt los. Anders als bei der Konkurrenz muss ich die Mopps nicht bei jedem Fenster anfeuchten. Die Flüssigkeit aus dem Wassertank reicht zur Reinigung aus.
Das Gerät hat zwar einen kleinen Akku eingebaut, der hält aber das Gerät nur im Notfall für rund 20 Minuten am Fenster. Für den laufenden Betrieb schliesse ich den DDC55PRO an den Strom an. Das mitgelieferte Kabel ist leider kurz. Nur wenn es direkt neben dem Fenster einen Stromanschluss hat, kann ich auf ein Verlängerungskabel verzichten. Bei mir kommt direkt eine Kabelrolle zum Einsatz.

Der Hutt hat ein Sicherungsseil eingebaut. Es muss ich irgendwo befestigen, damit der Roboter nicht über mehrere Stockwerke aussen in die Tiefe fallen kann. Bei mir führen alle Fenster und Türen auf Balkone führen Daher kann der Roboter nirgendwo abstürzen – das Seil wäre also überflüssig. Leider lässt es sich nicht abmontieren. Da ich weder Stromkabel noch Sicherungsseil irgendwo aufwickeln kann, muss ich sie immer wieder entwirren. Das nervt.
Die Bedienung ist zum Glück kinderleicht. Ich halte den Roboter ans Fenster und drücke lange auf den grossen Knopf. Sofort saugt er sich fest. Drücke ich den Knopf ein zweites Mal, startet er die Reinigung.
Die Bewegung des Hutt DDC55PRO sieht lustig aus. Jeweils dreht nur ein Mopp, der damit eine Seite des Roboters nach vorne schiebt. Danach dreht der zweite Mopp kurz, und die andere Seite wird nach vorne geschoben. Und so weiter und so fort. Alle paar Umdrehungen spritzt die Düse Flüssigkeit auf die Scheibe.
Zuerst fährt der Putzhelfer nach oben an den Rand der Scheibe, danach reinigt er von links nach rechts und verschiebt sich jeweils ein wenig nach unten. Schritt für Schritt – und gemächlich.
Die runden Mopps haben dabei Vor- und Nachteile. In die Ecken kommen sie nicht, dort bleibt rund ein Quadratzentimeter ungeputzt. Da sie leicht über den Roboter hinausgehen und zudem ein Zentimeter dick sind, kommt das Textil aber bis an den Rand und putzt sogar die Kante des Fensterrahmens. Zumindest teilweise.

Im Test zeigt sich: Präzision ist nicht die grosse Stärke des Hutt DDC55PRO. Auf den ersten Blick wirkt das Fenster sauber, wer genau hinschaut, sieht aber an den Rändern, in den Ecken und manchmal auch zwischendurch gewisse Ungenauigkeiten. Würde ich es manuell machen, wäre das Resultat sicher exakter (aber garantiert auch nicht perfekt).
Die Düse spritzt etwas ungenau und weitflächig. Da kann mal der Fensterrahmen etwas nass werden. Oder es gelangt ein Tropfen auf einen Bereich, den er gar nicht bearbeitet.
Insgesamt bin ich aber mit dem Resultat zufrieden. Blütenstaub, Handabdrücke, die meisten Flecken – alles weg. Das reicht mir. Der Roboter nimmt mir lästige Arbeit ab und liefert zum günstigen Preis ein akzeptables Ergebnis.

Gebe ich dem Wasser einen Teil Glasreiniger hinzu, merke ich nur beim ganz genauen Hinschauen einen Unterschied. Eingetrocknete Verunreinigungen lösen sich etwas besser. Der Unterschied fällt aber nicht besonders auf. Immerhin riecht es danach sauber.
Der Wartungsaufwand hält sich in Grenzen. Ich muss alle 15 bis 20 Quadratmeter Fensterfläche Flüssigkeit nachfüllen und je nach Verschmutzungsgrad die Moppbezüge wechseln. Bei Aussenscheiben mit Blütenstaub ist das nach rund 10 Quadratmetern fällig, innen nach 15 bis 20 Quadratmetern Scheibenfläche. Die Bezüge kann ich in der Waschmaschine reinigen.
Ob so ein Roboter für dich geeignet ist, hängt nicht nur von den Erwartungen an die Reinigungsqualität ab, sondern auch von der Wohnumgebung. Da der Putzhelfer nicht selbst von Fenster zu Fenster springen oder klettern kann, musst du ihn umhängen. Je kleiner die Flächen, je mehr Unterteilungen die Fensterfronten haben, desto öfter bist du gefragt. Ich habe durchgehende, grosse Fensterflächen über die volle Höhe der Räume. Dafür ist so ein Putzroboter ideal.
Die mitgelieferte Fernbedienung habe ich im Alltag kaum genutzt. Mit ihr könnte ich den DDC55PRO manuell steuern, die Düse aktivieren oder deaktivieren, von einem Punkt nur nach unten reinigen oder auf Knopfdruck das Fenster ein zweites Mal putzen. Nützlich könnte die Spotreinigung sein, bei der ein kleiner Bereich intensiv geschrubbt wird.
Was sich schon abgezeichnet hat, lässt sich auch mit Zahlen belegen. Das günstige Modell von Hutt reinigt Fensterflächen besonders langsam. Das Referenzfenster mit etwas über vier Quadratmetern Fläche putzt der Roboter in etwas mehr als 17 Minuten. Die Konkurrenz schafft das doppelt so schnell.
Um alle Fenster in meiner Wohnung zu reinigen, habe ich also statt zwei Stunden rund vier Stunden. Das ist schon massiv länger. Einziger Vorteil: Will ich zwischen dem Umhängen des Roboters von Scheibe zu Scheibe etwas anderes machen, dann kann ein langsamerer Rhythmus angenehmer sein.
Bei der Lautstärke hält sich der DDC55PRO zurück. Ich messe direkt am Gerät 74,6 Dezibel. Das ist weniger als bei den Winbot-Modellen. Das Geräusch ist zwar nicht unangenehm, klingt aber ungefähr so laut wie ein Staubsauger.
Die Putzroboter sind für klassische Scheiben mit Rahmen gemacht. Aus der Community taucht aber auch immer wieder die Frage auf, ob die Modelle nicht auch Dachfenster, Wintergärten oder Loggia-Scheiben putzen können.
Der Hersteller sagt, dass der DDC55PRO leicht schräge Flächen bis rund 20 Grad Neigung gut reinigen kann. Bei flachen Glasdächern schreibt Hutt: «schlecht/unzuverlässig».
Wie sieht es in der Praxis aus? Ich habe den Roboter ein paar Extremtests unterzogen. Er kann mehr als gedacht.
Hindernisse: An Scheiben mit einer Katzentüre oder einem Scharnier navigiert er um diese Hindernisse herum. Teilweise braucht er mehrere Anläufe, aber zumindest im zweiten Anlauf schafft er es jeweils, die gesamte Scheibe zu reinigen. Der Roboter handelt jedoch nicht intelligent, sondern nach dem Try-and-Error-Prinzip.
Unebenheiten: Die Kinderzeichnungen mit Fenstermalfarbe mögen süss sein (Eltern kennen es), zum Putzen sind sie nicht ideal. Der DDC55PRO fährt einfach drüber. Bei den Unebenheiten saugt er sich etwas stärker an, er schafft das aber problemlos.
Randloses Glas: Der Roboter fährt leicht über den Rand, erkennt aber, dass er nicht mehr genug Ansaugdruck erzeugen kann und korrigiert. So konnte ich damit auch eine randlose Glastüre zur Dusche reinigen.

Fliesen: Der Roboter haftet auch auf anderen Materialien. Spiegel sind kein Problem und sogar Badfliesen. Ich habe mit dem DDC55PRO die gesamte Wand im Bad putzen lassen. Über die Fugen fährt er einfach drüber.
Lücken: Ist das Glas nicht durchgehend, wird der Zwischenraum potentiell als Rand erkannt. Bei meinem zweigeteilten Spiegelschrank etwa hat der Roboter jeweils nur die Hälfte geputzt. Die Lücke dazwischen, obwohl nur drei Millimeter breit, wollte er nicht überqueren.
Glasdächer: Mangels Wintergarten oder Glastisch habe ich einen grossen Spiegel flach auf zwei Stühle gelegt. Der Hutt funktioniert sowohl von oben wie von unten. Er hält also auch über Kopf am Glas. Allerdings orientiert er sich waagrecht deutlich schlechter. Mehrmals fuhr er nur einen Teil der Scheibe ab. Hängt er kopfüber, erreicht zudem nicht mehr die gesamte Sprühflüssigkeit das Glas und zerstäubt in der Luft.

Abschliessend lässt sich sagen: Der DDC55PRO reinigt nicht nur klassische Fenster, sondern auch viele andere glatte Flächen und Scheiben. Der Hersteller beschreibt den Einsatzbereich bewusst restriktiv, damit niemand enttäuscht ist. Auch ich kann dir keine Garantie geben, dass er bei deinem Wintergarten problemlos funktioniert. Anhand meiner Tests siehst du aber, dass viel mehr möglich ist als gedacht. Ausprobieren lohnt sich – aber überwache den Roboter zumindest am Anfang genau.
Der Hutt DDC55PRO kostet zum Verkaufsstart rund 180 Franken oder 200 Euro. Damit gehört er zu den günstigeren Fensterputzrobotern auf dem Markt. Aber die Konkurrenz ist hart. So kostet der sehr gute Ecovacs Winbot Mini aus dem Vorjahr in der Schweiz ebenfalls nur knapp 190 Franken. Im Euro-Raum sind es knapp 220 Euro.
Allerdings sind auch die Vorjahresmodelle von Hutt deutlich günstiger geworden.
Der Hutt DDC55PRO kostet nicht viel, liefert aber eine solide Putzleistung. Die Fenster werden sauber – so lange du nicht allzu genau auf Details achtest. Das Verhältnis von Preis und Leistung stimmt.
Der Roboter ist einfach zu bedienen und schnell einsatzbereit. Er zeigt sich im Test von der robusten Seite und hat mit randlosen Scheiben und geteilten Glasflächen keine Mühe. Allerdings moppt er sich nur langsam vorwärts. Wer Geduld und Toleranz mitbringt, bekommt einen sinnvollen Putzhelfer.
Pro
Contra
Gadgets sind meine Passion – egal ob man sie für Homeoffice, Haushalt, Smart Home, Sport oder Vergnügen braucht. Oder natürlich auch fürs grosse Hobby neben der Familie, nämlich fürs Angeln.
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