
Diese 7 Bücher machen sich optisch gut auf dem Herbst-Lese-Stapel
Jetzt, wo wir uns wieder zu Hause einmummeln, liegt die Herbstlektüre immer griffbereit. Egal ob neben dem Bett, auf der Couch oder dem Küchentisch: Die Cover dieser sieben Bücher sind so hübsch und ästhetisch gestaltet, dass sie quasi zum Deko-Objekt werden.
Derzeit reden ja alle von «Performative Reading». Performatives Lesen beschreibt den Trend, ein Buch in der Öffentlichkeit vor allem als Statussymbol und Accessoire zu inszenieren, statt es tatsächlich zu lesen. Besonders beliebt: intellektuell wirkende Klassiker und Hype-Bücher, die Bildung und Tiefe signalisieren. Männer greifen dafür gerne zu feministischer Literatur – denn so kriegt man die Frauen. Und Frauen? Nun ja, aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Die sind oft ebenso oberflächlich. Ich kaufe für meinen Teil nämlich häufig einfach das Buch mit dem ästhetisch ansprechendsten Look. Dem englischen Sprichwort «Don’t judge a book by its cover», man solle ein Buch nicht nach seinem Einband beurteilen, kann ich wenig abgewinnen.
Ich erfreue mich an einem wohl kuratierten Bücherstapel, der im Wohnzimmer immer weiter wächst und von Exemplar zu Exemplar hübscher wird. Vor allem jetzt, wo wir uns wieder in den eigenen vier Wänden verkriechen, wenn draussen die Blätter wirbeln, möchten wir es doch zu Hause schön haben. Während wir im Sommer die bunten Literaturperlen zu Eiskaffee auf dem Badetuch drapieren, liegen die moody Herbstcover auf schweren Wolldecken. Weil aber auch die inneren Werte zählen: Diese Werke sind grafisch toll gestaltet und noch besser geschrieben. Es folgen sieben Bücher, die nicht nur optisch gut fürs Image sind.
1. Verlustängste und allerlei Rätsel: «Das Leben der M» von Rachel Cusk
Es sollte in deiner Wohnung liegen, weil: der Herbst eine emotionale Berg- und Talfahrt sein kann, ganz wie das geschmeidig geschwungene «M» auf dem Cover des Buchs. Der Herbst ist ja einerseits herrlich kuschelig, die nasskalte Dunkelheit schlägt aber auch schnell aufs Gemüt. Zudem hat Ex-Feuilleton-Journalistin und Autorin Sophie Passmann «Das Leben der M» in ihrem Podcast besprochen – man darf davon ausgehen, es ist Talk of the Town.
Wovon man auch ausgehen darf, ist die Tatsache, dass es sich bei der Figur «M» um Natalie Portman handelt. Unter anderem, weil sich die Schriftstellerin Rachel Cusk und die Schauspielerin tatsächlich kennen. Das melancholisch gestaltete Buch erzählt von einer Frau, deren Herzensmensch erkrankt ist. Und während sie täglich ins Krankenhaus pilgert, beginnt sie, über die berühmte Schauspielerin M zu schreiben, deren Ruhm zu ihrem Spiegel wird. Unerwartet, bedrückend und sprachlich virtuos.
2. In «No Ghosts» von Max Lury spukt’s ganz ohne Geister
Es sollte in deiner Wohnung liegen, weil: es im Herbst auch mal gruselig sein darf. Das Cover erinnert an die Ästhetik eines Stummfilms der 1920er-Jahre. In Max Lurys Debütroman, der bisher nur auf Englisch erschienen ist, sehen sich Kieran und Harlow bei Annies Trauerfeier nach langer Zeit wieder. Dann sucht jeder für sich nach Annie: Harlow findet Splitter der Toten in KI-generierten Videos, Kieran schlittert in eine okkulte Gemeinschaft. Da sind unterirdische Tunnel, Séancen und fehlende Geister. Wer dieses Buch bei sich rumliegen hat, signalisiert, erahnen zu können, welche neuen Formen Spuk in Zukunft annehmen könnte.
3. «Junk» von Ilona Hartmann singt «Material Girl» in allen Tonlagen
Es sollte in deiner Wohnung liegen, weil: es Zeit ist, den Teddy für eine Kuschel-Session aus der Plastikfolie zu befreien. Bestimmt liegt noch einer auf dem Dachboden. Die deutsche Autorin Ilona Hartmann hat ihren vermutlich im Keller gefunden – in selbigen hat sich nämlich auch ihre namenlose Protagonistin zurückgezogen, nachdem sie eine Woche auf einen Arztbefund warten muss.
Ob es dramatisch ist, sich für den Fall des baldigen Todes schon mal durch sämtliche aussortierte Habseligkeiten und so durch den Ballast des eigenen Lebens zu wühlen? Vielleicht. Aber Ilona Hartmann macht das so schnoddrig wie clever. In «Junk», was so viel heisst wie «Müll», denkt sie mit einer oft herrlich quatschigen und absurd schönen Wortwahl über unsere Konsumgesellschaft nach – und darüber, wie unsere Beziehungen zu uns selbst und anderen Menschen von unseren Vorstellungen von Besitz geprägt sind.
4. Ein bedrohliches Buch, das einen unter die Bettdecke jagt: «Zeit der Monster» von Seyda Kurt
Es sollte in deiner Wohnung liegen, weil: nichts dekorativer ist als eine Arthouse-Hand. Die Eiswürfel an den Fingerspitzen erinnern daran, wie frostig es wäre, draussen umzublättern. Seyda Kurts Debütroman «Zeit der Monster» dagegen brennt zwischen den Buchdeckeln: Roh und lyrisch zugleich erzählt die deutsche Autorin einerseits vom Blick der Leute auf ihr Viertel in Köln, den «Sumpf». Andererseits taucht im Laufe der Handlung eine TikTok-Prophezeiung auf, die das Ende der Welt verkündet. Die sorgt für Chaos, aber auch für Klarheit. Die Erzählfragmente wirbeln wild umher und enden in einem halluzinatorischen Fiebertraum.
5. «Dem Mond geht es gut» erzählt von ambivalenter Bindung und Liebe
Es sollte in deiner Wohnung liegen, weil: der Buchdeckel farblich nach Herbst schreit. Und weil «Dem Mond geht es gut» letztes Jahr in allen Badis herumlag. Es ist also allerhöchste Zeit, sich dem hübschen Ding zu widmen. Im zweiten Roman der Berliner Autorin Paulina Czienskowski ist die junge Protagonistin gerade Mutter geworden. Nach der Geburt überrollen sie komplexe Gefühle und Gedanken – nicht nur über die Liebe zu ihrem Kind, sondern auch über sich selbst und die anderen Frauen in ihrer Familie. Denn jedes Kind hat eine Mutter, jede Mutter war mal ein Kind: Für diese schnöde Erkenntnis findet die Autorin zarte, brutale, aber immer poetische Worte.
6. Du weisst nicht, was Agateophobie ist? Dann solltest du «Botanik des Wahnsinns» lesen
Es sollte in deiner Wohnung liegen, weil: es das teure Blumenarrangement ersetzt. Und du keine Vase brauchst. «Botanik des Wahnsinns» von Leon Engler ist ein bunter Strauss an psychischen Erkrankungen und Abhängigkeiten: Als sich der Ich-Erzähler nach der Wohnungsauflösung seiner Mutter durch den Kram seiner Familie gräbt, tun sich im Stammbaum Abgründe auf – von bipolarer Störung bis zur Depression. Und die ständige Angst, selbst bald irgendwas zu entwickeln (Agateophobie). Schwere Kost? Jein. «Botanik des Wahnsinns» ist ein Roman, der die Krankheiten unserer Zeit und den Umgang mit sehr ernsten psychiatrischen Themen mit viel Humor und noch mehr Feingefühl behandelt.
7. «Anton und Alma»: über die Liebe in Zeiten der Polarisierung
Es sollte in deiner Wohnung liegen, weil: das Cover unsere Sehnsucht nach faulem Rumliegen widerspiegelt. Sich einfach in die Laken kuscheln und mal in andere Welten abdriften. In die von Dana Vowinckel temporeich, humorvoll und überraschend erzählten Romanze von «Anton und Alma» zum Beispiel. Die beiden verlieben sich jung, haben vieles gemeinsam. Was sie trennt, ist ihre Herkunft: Alma ist entfernte Nachfahrin eines NS-Täters, Anton ist Jude und immer wieder mit Antisemitismus konfrontiert. Ihre Familiengeschichten sowie die Diskurse in Deutschland machen ihrer Beziehung Probleme. Aber wie es dem Paar immer wieder gelingt, sich einander zuzuwenden, spürt man als Leserin oder Leser so körperlich, dass es einen tief in die zerwühlten Kissen drückt.
Autorin Linda Leitner liebt es, Pläne zu haben. Sie mag Restaurant-Reservierungen, virtuos komponierte Outfits und Getränke auf Balkonen. Das beste Kompliment, das sie je bekommen hat: Sie wisse sich das Leben schön zu machen. Deshalb ist sie entweder im Urlaub oder mit einem Buch in der Badi.
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