
Meine Oktober Reads: Vielleicht ist eins für dich dabei?
Ich habe diesen Monat sechs Bücher gelesen. Hier erzähle ich dir, welche sich lohnen, und welche du getrost überspringen kannst.
Der Herbst zeichnet sich auch in meiner Buchwahl ab. Zeitgleich zum ersten Schnupfen, den kalten Füssen und den Hitzewallungen im öffentlichen Verkehr überfällt mich oft auch die Melancholie. Dann sitze ich gedankenversunken im Bus, entweder frierend oder schwitzend, und denke über mein Leben nach. Erst rückblickend fällt mir auf, dass in jedem meiner Bücher jemand den Sinn des Lebens hinterfragt. Darauf habe ich zwar keine Antwort gefunden, aber wenigstens habe ich ein paar gute Geschichten gelesen.
Brüste und Eier – Mieko Kawakami
Letztens hat mich meine Mutter besucht, diesen Titel in meinem Bücherregal gesehen und gefragt, ob das ein Aufklärungsbuch sei. Ich konnte ihr keine Antwort geben, da es schon seit April ungelesen in meinem Regal stand. Nun habe ich die Antwort: Ich wurde zwar aufgeklärt, aber nicht über Brüste und Eier. Sondern über das Leben in Armut und dessen Auswirkungen auf Schönheitsideale. Und darüber, ob und wie alleinstehende Frauen in Japan ein Kind bekommen können.
Wenn man wissen will, wie arm jemand war, fragt man ihn am besten, wie viele Fenster die Wohnung hatte, in der er aufgewachsen ist.
Lesen, wenn:
- du Protagonistinnen aushältst, die unangenehme Dinge sagen und sie nicht zurücknehmen.
- du japanische Gegenwartsliteratur lesen möchtest, die in Japan als Tabubruch gesehen wird.
- dich interessiert, was Armut mit einem Frauenkörper anstellen kann.
Threshing Day – Rebecca Yarros
Rebecca Yarros ist in die Fussstapfen vieler anderer Fantasy-Autorinnen und -Autoren getreten und hat ein kurzes Sidequest-Buch herausgebracht. Als Leserin bietet mir das keinen Mehrwert und ist nur darauf ausgelegt, den Fans ihr Geld abzunehmen. Der Cliffhanger des letzten Buchs wird nicht aufgelöst, die Geschichte geht nicht weiter. Ich bin enttäuscht.
Lieblingszitat (diesmal nicht aus dem Buch, sondern aus einem Review von Goodreads):
«This (book) could have been an email.»
Lesen, wenn:
- du Zeit, Geld und nichts Besseres zu tun hast.
- du es nur lesen willst, um sagen zu können, du hättest es gelesen.
- du zufrieden damit bist, ein bisschen in der «Fourth Wing»-Welt herumzudümpeln.
Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Milan Kundera
Ich hatte vor ein paar Wochen ein Gespräch mit einem Freund, der mir sagte, er hätte noch nie eine Liebesgeschichte gelesen. Er hegt das Vorurteil, sie seien oft nicht wirklich tiefgründig. Ich hab es mir jetzt zur Aufgabe gemacht, eine Liebesgeschichte mit Tiefgang zu finden, die dieses Vorurteil widerlegen kann. Und Milan Kundera hat geliefert.
Lieblingszitat:
Man kann nie wissen, was man wollen soll, weil man nur ein Leben hat, das man weder mit früheren Leben vergleichen noch in späteren korrigieren kann.
Lesen, wenn:
- du ebenso gerne über den Sinn des Lebens nachdenkst, wie du liest.
- du Lust auf ein Buch hast, in dem Politik und Bettgeschichten ähnlich häufig vertreten sind.
- du damit leben kannst, dass der Autor dir alles erklärt, ausser wie es ausgeht.
Hauptsache kein Zeitgeist – Hayat Erdoğan
Dieses Buch hat sich angefühlt, als würde ich im Kopf einer anderen Frau feststecken. Inmitten einer schweren Krise, als ihr Leben in Scherben liegt, blättert sie durch ihr Tagebuch und sucht nach einem Sinn in allem, was geschehen ist. Chaotisch, sprunghaft und voller schöner Wortbilder. Mir hat bei der Protagonistin die Fähigkeit zur Selbstreflexion gefehlt, das kann aber auch eine bewusste Entscheidung der Autorin gewesen sein. Lieblingszitat:
Müll ist auch ein Archiv. Er weiss, wer wir gewesen sind. Wie ein Text ohne Überschrift, ein unauffindbarer Umschlag oder eine Pointe, die sich weigert, ausgesprochen zu werden.
Lesen, wenn:
- du für ein paar Stunden deine eigenen Sorgen vergessen willst.
- du hautnah miterleben willst, wie ein Kopf im Schockzustand funktioniert.
- du Bücher magst, die Roman, Essay und Gedicht gleichzeitig sind (oder zumindest sein wollen).
Bury Our Bones in the Midnight Soil - V.E.Schwab
Ich habe dieses Buch aus sehr oberflächlichen Gründen gelesen: queere Vampirinnen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Es ist wunderschön geschrieben, hat tolle Plot-Twists und eine interessante Charakterentwicklung der Protagonistin. Würde ich nochmals lesen.
Lieblingszitat:
There is no filling it. You will never be sated. It does not matter whether you drink a carafe or drain a city. The hunger will not ease.
Lesen, wenn:
- du dich auf eine neue Art von Fantasy einlassen möchtest.
- du Zeit hast, 544 Seiten zu lesen.
- du einen Slow Burn über 500 Jahre hinweg aushältst.
Was ich liebte - Siri Hustvedt
Kürzlich war ich mit einer Freundin an einer Lesung von Siri Hustvedt, ohne vorher etwas von ihr gelesen zu haben. Ziemlich peinlich, deshalb habe ich das mit diesem Buch nachgeholt. Und wurde ab der ersten Seite in ein Meer von Emotionen geworfen. Ich habe mich durch die Seiten gekämpft und bin am Ende an einem Sandstrand ausgespuckt worden – nass, kalt und hungrig nach mehr. Metaphorisch gemeint, die Geschichte spielt in New York.
Lieblingszitat:
Jede Geschichte, die wir über uns erzählen, kann nur in der Vergangenheit erzählt werden. Sie spult sich von dort, wo wir heute stehen, nach rückwärts ab, und wir sind nicht mehr ihre Akteure, sondern ihre Zuschauer, die sich entschieden haben zu sprechen.
Lesen, wenn:
- du Lust hast, mal wieder so richtig zu heulen.
- du ein Buch lesen willst, das aus der Sicht eines Mannes erzählt wird, aber von einer Frau geschrieben ist.
- du mit ungerechten Schicksalsschlägen umgehen kannst.
Was hast du diesen Monat gelesen? Schreibe es mir in die Kommentare, ich freue mich immer über neue Buchtipps.
Ich liebe Bücher.
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