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Ferien mit Kindern: Pack die Badehose ein – und ganz viel Nerven

Katja Fischer
Katja Fischer
Zürich, am 15.07.2022

Familienferien sind etwa so erholsam wie eine Festival-Nacht im Zelt. Mit der Zeit werden sie jedoch entspannter: Weil die Kids älter werden. Und du weiser. Ein paar Ferien-Hacks.

Die ersten Ferien mit Kind sind ein Schreck. Ausschlafen, ein Buch lesen, in den Tag hinein leben – alles, was deine Ferien bislang ausgemacht haben, kannst du ab sofort vergessen. Es herrschen neue Regeln, zumindest mit einem kleinen Kind. Damit hast du zwar gerechnet, das Ausmass trifft dich trotzdem mit voller Wucht. Willkommen im Familienferienwahnsinn! Genau wie zu Hause stehst du früh morgens (und nachts) auf und planst sämtliche Aktivitäten um den Schlaf- und Essrhythmus deines Kindes herum. Und erst die Packerei im Vorfeld: Egal, ob du nur für drei Tage oder für drei Wochen verreist – du verbringst mindestens einen halben Tag damit, deinen halben Haushalt einzupacken. Im Prinzip könntest du also genauso gut daheim bleiben. Wäre weniger anstrengend.

Trotzdem entscheidest du dich für den aufwändigen Tapetenwechsel. Weil er ab und an einfach dringend nötig ist. Weil er sich am Ende immer lohnt. Und weil erst die Übung den Meister macht. Aus eigener Erfahrung kann dir versichern: Mit wachsendem Alter der Kinder einerseits (Tschüss Windeln und Mittagsschlaf) und wachsender Routine andererseits werden die Ferien nicht nur entspannter, sondern auch richtig grossartig. Ich habe mir in den letzten Jahren einige Hacks angeeignet und Prinzipien gelernt, die mir die Vorbereitungen erleichtern und mich das Ferienleben geniessen lassen.

Vor der Abreise

Die Einkaufsliste wird zur Packliste

Etwa zwei Wochen vor der Abreise starte ich mit dem Packen. Keine Angst, bloss auf dem Papier: Immer, wenn mir etwas einfällt, das mit muss, erfasse ich’s sogleich in in meiner Packliste auf dem Smartphone. Damit meine ich nicht die Unterhosen oder Zahnbürsten, sondern die vielen Kleinigkeiten, die nicht auf der Hand liegen und bei Reisen mit Kindern doch essentiell sind. Die Mini-Nagelschere zum Beispiel, die Zinkcreme oder Tupperdosen. Für jedes Kind habe ich eine Liste, die ich in meiner Einkaufslisten-App «Bring!» erstelle. Das Praktische: Ich kann damit eigene Artikel mit Icon generieren, die dann für künftige Ferien gespeichert und wieder verfügbar sind. Und ich kann sie mit meinem Mann teilen. Sobald ein Gegenstand im Koffer liegt, entfernen wir ihn mit einem Fingertap von der gemeinsamen Liste.

In einem früheren Artikel habe ich schon mal ein Loblied auf das digitale Helferlein gesungen:

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Pack ‘n’ Roll

Noch so praktische Ferien-Helferlein sind Packwürfel, auch Packing Cubes genannt, mit denen du die Kleidung kategorisierst und Ordnung im Koffer oder in der Tasche schaffst. Es gibt sie in verschiedenen Grössen und in unterschiedlichen Farben, sodass du sie den einzelnen Familienmitgliedern zuweisen kannst. Ob sie auch platzsparender sind, ist unter den Packing-Nerds im Netz umstritten. Als erwiesen scheint aber, dass gerollte Kleidung weniger Raum einnimmt als gefaltete. Drum: Roll den Rock in den Packwürfel. Mich kostete das einige Überwindung, bis ich überrascht feststellte, dass die Kleidung mit der Rollmethode sogar weniger zerknittert wird als mit der Stapelmethode.

Kleider am besten in Packwürfel rollen.
Kleider am besten in Packwürfel rollen.

Schieb dir was in die Schuhe

Das Innere deiner Schuhe ist vernachlässigter Stauraum. Stopfe auch in die Kinderschuhe Socken rein, um selbst diese Kubikzentimeter zu nutzen. Anschliessend packst du die Treter in Duschhauben, die du bei uns im Shop oder in fast jedem Hotel findest, und verteilst sie in den Zwischenräumen. In Plastiksäcken beanspruchen die Schuhe zu viel Platz.

Während den Ferien

Schlafend aus dem Bett ins Auto

Den Flugplan deiner Airline kannst du nicht beeinflussen. Den Fahrplan deines Autos aber sehr wohl: Leg die Abfahrt auf die Nacht oder die frühen Morgenstunden. Wir hieven die Kinder jeweils schlafend aus ihren Betten direkt ins Auto – als allerletzte Amtshandlung vor der Abreise. Wenigstens für die Kinder können wir so die lange Anreisezeit etwas verkürzen. Wir Eltern wiederum sparen Nerven und ersparen uns bestenfalls den Stau.

Tape fürs Tablet (oder den Mund)

Von unseren familiären Bildschirmzeitregeln verabschieden wir uns in den Ferien. Zumindest für die An- und Rückreise sind sie ausser Betrieb gesetzt. Mein Mann und ich versuchen, die Tablet-Unterhaltung zwar so lange wie möglich herauszuzögern – Pulver nicht zu früh verschiessen! –, aber nach dem fünften (Mal-)Buch, dem zehnten Hörspiel und der zwanzigsten Runde «Ich sehe etwas, das du nicht siehst» schaffen’s nur noch die Paw Patrol und Peppa Pig, unsere Kinder bei Laune zu halten. Die Mädchen teilen sich das Tablet, dafür haben wir uns inzwischen eine Kopfstützenhalterung mit Verlängerungsarm fürs Auto angeschafft. Davor haben wir für eine Ferienfahrt mit Duct Tape improvisiert und das Tablet zwischen die beiden Vordersitze geklebt.

Ein Plastiklätzchen für alle Fälle

Den Latz könntest du nach jeder Mahlzeit deines Kindes in die Waschmaschine schmeissen. Schmutzig zu werden, ist halt auch die Kernaufgabe der Mundschmutzschleuse. Zehn davon in den Koffer packen willst du trotzdem nicht. Ich habe vor Jahren einen etwas teureren Latz aus beschichteter Baumwolle angeschafft: Der ist unzerstörbar und ich kann ihn nach jedem Essen einfach mit einem Lappen oder Feuchttüchern abwischen. Tatsächlich hat mich das gute Stück auch ausserhalb der Ferien immer begleitet. Genau darum ist es auch ein tolles Geschenk zur Geburt.

Kinder als Reiseführer

Zwischen Quengelei und Mahlzeitenplanung geht der Spass manchmal vergessen. Dann ist der Moment da, tief durchzuatmen, sich (mit kühlem Bier oder Sonnenschirmchen-Cocktail) hinzusetzen und sich aufs Wesentliche zurückzubesinnen: Ihr macht Ferien! FERIEN! Und: Kinder sind zwar anstrengende, aber auch grossartige Reisebegleiter. Von ihrer Fähigkeit, die Feriendestination mit kindlicher Begeisterung und in vielen kleinen Dingen Grosses zu sehen, sollten wir uns führen lassen. Der Strand ist ein gigantischer Sandkasten, Muscheln zu sammeln ist genauso spannend wie meditativ und mit der einheimischen Bevölkerung in Kontakt zu kommen, klappt unangestrengt. Eigentlich ist alles kinderleicht.

Box zum Schuhregal umfunktionieren

Zwei Paar Schuhe pro Person – Sneakers und Flipflops – müssen selbst in den Sommerferien mit. Je nach Familiengrösse ergibt das dann einen regelrechten Schuhsalat neben der Tür der Unterkunft. Ordnung schafft eine eine Kiste: Schuhe hineinschmeissen und gut ist. Haben wir einst bei unseren Campingplatznachbarn abgekupfert, seither haben wir immer eine klappbare Aufbewahrungsbox mit dabei.

Eine Box gegen den Schuhsalat vor der Tür.
Eine Box gegen den Schuhsalat vor der Tür.

Happy kids, happy parents

«Niiiemals werden wir eine von diesen Eltern, die mit ihren Kids Bünzli-Ferien auf dem Campingplatz oder im Familienhotel machen», sagten wir uns. Zehn Jahre später: Mein Mann und ich machen Bünzli-Ferien auf dem Campingplatz und im Familienhotel. Und es ist nicht nur völlig okay so, wir haben selbst Gefallen daran gefunden. Sind unsere Kinder beschäftigt und zufrieden, haben auch wir’s viel entspannter. Ihnen gefällt der Hotelpool nun mal besser als das Thermalbad, und das Kinderanimationsprogramm ziehen sie Sightseeing in einer historischen Stadt vor. Brechstangen-Familienpolitik bringt in den Ferien niemandem etwas.

Metime als fixer Progammpunkt

«Happy kids, happy parents» ist wahr. Was bei all dem Kinderprogramm jedoch oft vergessen geht: «Happy parents, happy kids» gilt genauso. Wer aber keine Auszeit einfordert, bekommt sie auch nicht. Mein Mann und ich geben uns jeden Tag je eine Stunde «Freizeit»: Dann kümmert sich der eine Part um die Kinder, der andere macht das, worauf er gerade Lust hat. Sport, Lesen oder einfach nur Strandschlafen. Das bringt ein kleines Stück vom alten Ferienfeeling zurück.

Vom Verschlingen eines kompletten Buches bin ich zwar noch meilenweit entfernt. Trotzdem habe ich mir wie jedes Jahr wieder ein neues für die Sommerferien gekauft, obwohl ich noch einige angefangene zu Hause liegen hätte. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. In diesen Tagen wird es in den Koffer gepackt, dann geht der Familienferienwahnsinn von Neuem los. Und ich freue mich riesig darauf.

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Katja Fischer

Anna-und Elsa-Mami, Apéro-Expertin, Gruppenfitness-Enthusiastin, Möchtegern-Ballerina und Gossip-Liebhaberin. Oft Hochleistungs-Multitaskerin und Alleshaben-Wollerin, manchmal Schoggi-Chefin und Sofa-Heldin.


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