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Anja Knabenhans
Produkttest

Hoverboard im Test: viel Spass, wenig Alltagstauglichkeit

Das CHIC Smart-S überzeugt in vielen Punkten. Trotzdem hat das Hoverboard gewisse Tücken.

Elternsein ist eine Aneinanderreihung von simplen Problemen und klaren Lösungen. Drum lässt sich die Frage «Soll ich dem Kind ein Hoverboard kaufen?» ganz einfach beantworten: jein.

Ja, das Kind möchte sicherlich ein Hoverboard, sobald es irgendwo so ein Gefährt erblickt. Ja, es wird grossen Spass daran haben, durch die Gegend zu schweben. Aber: Nein, ein sinnvolles Geschenk ist es nicht.

Fahren mit dem Hoverboard: viel einfacher, als es aussieht

Wir besitzen das CHIC Smart-S schon seit einigen Monaten und haben es intensiv getestet. Meine grösste Sorge im Vorfeld betraf die Benutzung. Kann ein Kind im Primarschulalter in nützlicher Frist mit dem Hoverboard fahren? Aus meiner eigenen Kindheit weiss ich, dass nicht jedes coole Fahrzeug einfach zu nutzen ist. Mit dem Einrad, das ich mir als Schülerin so sehnlich gewünscht hatte, konnte ich nie wirklich fahren. Ob einradeln unfassbar schwierig ist oder meine Geduld unglaublich gering: Es bleibt ein Mysterium.

Doch der erste Fahrversuch des Zehnjährigen mit dem Hoverboard klappte einwandfrei. Gerät einschalten, mit elterlicher Unterstützung draufstehen, einige Meter vorwärts und rückwärts schweben – schon hatte das Kind die essenziellen Bewegungen gelernt und fuhr allein.

Natürlich schwebt das Hoverboard nicht richtig – es fährt auf zwei breiten Rollen. Aber diese gleiten so sanft dahin, dass es sich fast wie Schweben anfühlt. Eine automatische Stabilisierung sorgt für festen Stand auf dem Brett. Die Bewegungsrichtung steuert man durch leichtes Kippen der Füsse: Gewichtsverlagerung nach vorne erzeugt Vorwärtsfahren, Gewicht auf die Fersen Rückwärtsrichtung. Dreht man den Körper leicht nach rechts oder links, folgt das Board – oder dreht sich sogar im Kreis.

Das CHIC Smart-S reagiert auf feinste Bewegungen und lässt sich dadurch toll steuern. Für diese Art der Bedienung braucht es ein gutes Körpergefühl. Als Mindestalter nennt der Hersteller acht Jahre. Aber auch unser Siebenjähriger hatte das Board schnell im Griff.

Sicherheit dank Tempolimit

Wird ein Gefährt erst mal beherrscht, muss man alle Möglichkeiten ausreizen – das ist ein Kindergesetz. Das CHIC Smart-S bietet zum Glück ein Tempolimit: Es ist auf 10 km/h beschränkt und verhindert so waghalsige Fahrten oder Wettrennen. Eine Helmpflicht für Hoverboards besteht nicht. Bei diesem Tempo halte ich sie auch nicht für notwendig.

Einzig beim Hinauf- und Hinabfahren auf steilen Strassen zeigen sich Tücken: Kippt man mit zu weit nach vorne oder hinten, touchieren Fussspitzen oder Fersen irgendwann den Asphalt. Hier ist Vorsicht geboten. Gleichzeitig bin ich überrascht, wie gut das Board steile Strecken meistert.

Die meisten Steigungen sind für das Board kein Problem.
Die meisten Steigungen sind für das Board kein Problem.

Ein Hoverboard-Akku hält lange – nur nützt das nicht so viel

Natürlich kostet das Erklimmen von Steilhängen ordentlich Akkupower. Grundsätzlich hält der Akku aber sehr lange. Der Hersteller verspricht bis zu 20 Kilometer Reichweite pro Ladung.

Entwickelt und vertrieben wird das CHIC Smart-S von der Hangzhou Chic Intelligent Technology Co. Ltd. Ein chinesisches Hightech-Unternehmen, das seit über 15 Jahren erfolgreich Elektroscooter herstellt. Seit 2014 führt das Unternehmen auch Hoverboards und zählt heute zu den verbreitetsten Anbietern in diesem Segment.

All dies deutete darauf hin, dass die Akkulaufzeit kein leeres Versprechen ist. Und wirklich: Bei einem Test auf einer mehrheitlich geraden Strecke hielt das Hoverboard beeindruckende 15 Kilometer durch. Ein weiterer Vorteil: Innert 3 Stunden ist der Akku vollständig geladen.

Der Haken: die Alltagstauglichkeit

All dies hat mich positiv überrascht. Ebenso die robuste Verarbeitung. Die Kinder finden ausserdem die LED-Beleuchtung toll.

Die LED-Beleuchtung ist ein cooles Feature, mehr aber auch nicht.
Die LED-Beleuchtung ist ein cooles Feature, mehr aber auch nicht.

Man könnte das Hoverboard theoretisch für längere Strecken nutzen, sicher und genüsslich dahinschweben. Doch unterwegs lauern unüberwindbare Hindernisse in Form von Randsteinen, groben Kieswegen oder hohen Gullydeckeln. Meistert man mit einem Kickboard, Skateboard oder mit Rollschuhen solche Hürden spielend, so muss man das Hoverboard immer hochheben. Da es sieben Kilogramm wiegt und zum Tragen unhandlich ist, wird das für Kinder rasch mühsam.

Manche Familien nutzen das Board in den eigenen vier Wänden. Angeblich helfen Kinder dann viel lieber beim Abräumen des Tisches. Ich glaube nicht, dass die Mithilfe im Haushalt dank dem Hoverboard längerfristig klappt. Und auch zu Hause gibt es Hindernisse am Boden: Legosteine, Comics, Stifte und so weiter. Ob die Kinder diese eher aufräumen, weil sie sonst das Hoverboard behindern? You dreamer, du.

Deshalb ist nach einigen Monaten mit dem Hoverboard klar: Es ist ein hochwertiges Spassgerät, das wegen seiner Alltagsuntauglichkeit oft unbenutzt rumsteht.

Fazit

Hochwertig, aber unpraktisch

Ein Hoverboard passt gut für lustiges Herumcruisen auf der Quartierstrasse. Die Fortbewegung macht Kindern Spass, sie beherrschen das Gerät schnell – und dieses hält einiges aus. Doch als Fortbewegungsmittel von A nach B taugt es wegen seines Gewichts und der Schwierigkeit mit kleinsten Hindernissen nicht.

Pro

  • einfache Bedienung
  • schnell zu erlernen
  • sicher (unter Beachtung der Grundregeln)
  • robuste Bauweise
  • langanhaltender Akku

Contra

  • schwer
  • Probleme bei Unebenheiten
Titelbild: Anja Knabenhans

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Liebt das Tieftauchen, einfach im Trockenen, auf der Suche nach Infos rund um Elternthemen und Freizeitsport. Hat weder Sprechhemmung noch Schreibstau und macht drum seit über 20 Jahren was mit Medien. Beherrscht Schlafmangel und Selbstironie und arbeitet drum seit über 10 Jahren als Mutter. 


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