
Produkttest
Flach gebaut, hoch geklettert: der Roborock Saros 20X im Test
von Lorenz Keller

Der Roborock Qrevo Curv 2 FlowX wischt und saugt wie ein Topgerät – kostet aber nur halb so viel. Drei Schwächen entscheiden über Kauf oder Verzicht.
Zuerst einmal bin ich beeindruckt: Der Roborock Qrevo Curv 2 FlowX verspricht Features aus der Oberklasse für wenig Geld. So gehört das Modell bei einem Preis von rund 650 Franken oder 749 Euro zu einem der günstigsten Geräte mit selbstreinigender Wischrolle.
Doch der Test zeigt, dass der Roboter Schwächen hat, die du vor einem Kauf kennen solltest.
Die grösste Schwäche ist für mich die Bauhöhe. Das Gerät ist zwölf Zentimeter hoch – und damit höher als die meisten Saugroboter, die ich in den letzten Jahren getestet habe. Viele Konkurrenten mit Rolle oder Walze messen um die zehn Zentimeter. Aber es sind durchaus auch nur acht Zentimeter möglich, etwa beim Roborock Saros 20, den ich kürzlich getestet habe.
Mit seiner Höhe kommt der Roborock Qrevo Curv 2 FlowX bei mir nicht unters Sofa und nicht unters Bett. Die meisten Konkurrenten schaffen das problemlos. Für mich käme das Modell nicht infrage, da es zwei grosse Flächen nie putzt, die selbst mit dem normalen Staubsauger nur schwer zu erreichen sind.

Der Roboter hat keine Zusatzbeine oder ausfahrbare Räder, um über Schwellen und höhere Hindernisse zu steigen. Wer Absätze von rund zwei Zentimetern oder mehr in der Wohnung hat, wird sich nach anderen Modellen umschauen müssen. Aktuelle Topgeräte schaffen vier bis fünf Zentimeter. Für mich wäre das nicht so schlimm, weil ich keine Schwellen in der Wohnung habe.
Eine weitere Funktion fehlt dem FlowX: Er kann die Bürsten nicht zur Seite ausfahren. Sie schauen nur etwas seitlich heraus. Das reicht für Kanten, aber nicht für Ecken. Das Resultat: Die Ecken der Räume sind schlecht geputzt.

Im Alltag mag das auf den ersten Blick nicht so wichtig sein. Schaue ich aber mit dem Laserlicht eines Dyson-Staubsaugers nach der Reinigung den Boden an, ist die Wahrheit brutal: Flächen und Kanten sind sauber, Ecken nicht. Das ist schade angesichts der sonstigen Qualitäten.
Seine grosse Stärke spielt der Roborock Qrevo Curv 2 FlowX bei der Nassreinigung aus. Die 27 Zentimeter lange Wischrolle gehört zu den breitesten auf dem Markt und kann so viel aufs Mal reinigen. Der Roboter befeuchtet den Textilbezug mit Frischwasser und zieht das Schmutzwasser jeweils direkt wieder ab. So ist der Mopp immer sauber. Dank dieser Technik sind Hartböden bei regelmässiger Reinigung immer schön sauber.

Die Saugleistung beträgt 20 000 Pascal. Das ist ein mittelmässiger Wert, aktuelle Topmodelle schaffen auch das Doppelte. Auf Hartböden spielt das aber im Alltag keine Rolle. Der Qrevo Curv 2 FlowX saugt Staub und Schmutz problemlos auf, so wie ich das von einem Topgerät erwarte.
Für die zwei kleinen Teppiche, die ich besitze, reicht die Saugleistung auch problemlos. Der Roboter deckt die Wischrolle mit einer Klappe ab, sodass der Teppich nicht feucht wird. Zudem kann die Rolle um 1,5 Zentimeter angehoben werden, sodass hochflorige Unterlagen störungsfrei gesaugt werden können.
Mir gefällt auch die zweigeteilte Bürste gut. Die langen Haare auf dem Boden (nicht von mir…) verfangen sich darin nicht. Auch nach sechs Wochen Testbetrieb muss ich kein einziges verwickeltes Haar rausschneiden.

Das Gerät mit Sensoren, Lidar-Scanner und Kamera liefert eine Navigation auf Topniveau. Das zeigt sich bereits bei der Installation. Der Qrevo Curv 2 FlowX braucht nur zehn Minuten, um die gesamte Wohnung zu kartieren. Kein Roborock-Saugroboter war bisher so schnell – und auch insgesamt gehört das Gerät damit zu den schnellsten, die ich bisher getestet habe.
Der Roboter ist nicht nur schnell, sondern auch genau – was ich noch wichtiger finde. Er hat jedes Zimmer erkannt und auch den Flur abgetrennt. Ich muss nur die Grenze zwischen Wohnzimmer und offener Küche etwas verschieben sowie allen Räumen den richtigen Namen geben, schon ist der Plan fertig.

Bei der täglichen Reinigung erreicht das Gerät die Präzision von Topgeräten: Der Roboter findet alle Zimmer, verliert nie die Orientierung und weicht Hindernissen aus. Er hat sich im Test nie irgendwo festgefahren. Das System erkennt potenzielle Stolpersteine wie Kabel oder Katzenspielzeug und vermeidet, dass sich etwas in die Bürste verwickelt oder sie blockiert.
Ich sehe, wie er auch komplizierte Bereiche mit Tischbeinen und vielen Hindernissen gewissenhaft von allen Seiten abfährt und sich in jede Lücke schiebt, in die er hineinkommt. Das kann ich auch gut in der App nachvollziehen.
Mit 62 Dezibel, gemessen in einem Meter Abstand, liegt der Roborock im Mittelfeld der von mir getesteten Modelle. Die gemessenen Werte liegen bisher zwischen 57 und 67 Dezibel – ein Unterschied von 10 Dezibel nimmt das menschliche Ohr als eine Verdoppelung der Lautstärke wahr. Gefühlt ist der Qrevo Curv 2 FlowX nicht laut, aber auch nicht leise.
Ich messe einen Stromverbrauch von 1,9 Wattstunden (Wh) – im Standby-Betrieb, wenn der Roboter nichts macht und bereits voll geladen ist. Das ist im Vergleich mit der Konkurrenz ein akzeptabler Wert. Ein Standby-Verbrauch von unter einem Watt wäre aber wünschenswert und technisch problemlos möglich. Mit dem durchschnittlichen Schweizer Strompreis gerechnet zahle ich übrigens für die 16,6 kWh im Jahr knapp fünf Franken.
Deutlich höher liegt der Stromverbrauch direkt nach dem Wischen, wenn die Rolle mit heissem Wasser gewaschen und danach mit warmer Luft getrocknet wird: Dann zieht der Roboter während mehrerer Stunden 80 bis 90 Watt.
Hast du primär Hartböden, keine Schwellen und Möbel mit viel Bodenfreiheit, dann ist der Roborock Qrevo Curv 2 FlowX eine gute Wahl. Er saugt, wischt und navigiert wie ein Topgerät, kostet aber nur halb so viel. Einzig die Ecken erreicht er nicht sauber – das ist nervig.
Gehörst du nicht zu dieser Zielgruppe, dann solltest du dir die Schwächen des Roboters genau anschauen. Denn je nach eigener Situation sind diese so gravierend, dass sich ein Kauf nicht lohnt.
Pro
Contra
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