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DreamWorks Animations
Meinung

Ich hasse den neuen «Shrek 5»-Look

Luca Fontana
18.6.2026

25 Jahre lang war Shrek der Anti-Disney-Held. Jetzt sieht er plötzlich aus wie jede andere Animationsfigur aus dem Konzernbaukasten. Was zur Hölle ist da passiert?

Keine Ahnung, wie’s dir geht. Aber so richtig warm werde ich mit diesem neuen «Shrek»-Trailer nicht. Das liegt nicht mal am Humor oder so. Der «Do you wanna date a snowman»-Gag ist sogar grossartig. Esel mag zwar keine Eiskönigin sein. Aber die Anspielung ist genial.

So weit passt mir noch alles. Als die «Shrek»-Reihe 2001 startete, war sie ja auch schon sowas wie die Antithese zu Disney: Die Figuren waren nicht niedlich, die Welt war nicht perfekt, und die Witze waren respektlos. Die Märchenfiguren waren neurotisch und der Held war ein grummeliger Oger, der lieber allein im Sumpf lebte und im Schlamm furzte als die Welt zu retten. Gerade diese Ecken und Kanten machten den Reiz der Reihe aus.

Genauso wie ihr kantiger Animationsstil. Und just den hat DreamWorks nun komplett über den Haufen geworfen. Das Resultat?

Shreklich.

Badum-tss.

Der Beauty-Filter-Oger

Aber ernsthaft jetzt: Ich kann doch unmöglich der Einzige sein, dem das auffällt?! Ich meine, ja klar, Shrek sieht aus wie Shrek. Esel wie Esel. Fiona wie Fiona. Und trotzdem wirken sie alle, als hätte jemand versucht, die Figuren bloss aus dem Gedächtnis nachzuzeichnen, statt das zu nehmen, was vorher schon da war. So … uncanny. Die Ähnlichkeit ist zwar da. Aber irgendetwas passt nicht zusammen.

Wieso sieht Shrek hier aus wie der erste Live-Action-Sonic aus der Uncanny-Hölle?
Wieso sieht Shrek hier aus wie der erste Live-Action-Sonic aus der Uncanny-Hölle?
Quelle: DreamWorks Animations

Natürlich hat sich die Animationstechnik weiterentwickelt. Das ist es nicht. Zwischen dem ersten «Shrek» von 2001 und heute liegen 25 Jahre. Die Beleuchtung ist besser geworden, die Textur detaillierter, die Gesichtsanimation komplexer. Auch ich erwarte nicht ernsthaft, dass ein Film von 2026 genauso auszusehen hat wie einer von 2001.

Trotzdem: Bei den ersten vier Filmen hatte ich stets das Gefühl, dass dieselben Figuren mit immer besseren Werkzeugen animiert wurden. Bei «Shrek 5» wirkt es eher so, als wären die Figuren ausgetauscht und durch Lookalikes ersetzt worden.

Vergleich das mit dem obigen Bild. Sie sind gleich … und irgendwie sind sie’s doch nicht. Argh!
Vergleich das mit dem obigen Bild. Sie sind gleich … und irgendwie sind sie’s doch nicht. Argh!
Quelle: DreamWorks Animations

Jetzt ist alles runder. Weicher. Glatter. Die Gesichtsausdrücke sind deutlich extremer. Die Augen grösser. Esel und Shrek ziehen Grimassen, die stellenweise wie ein Cartoon auf Steroiden wirken. Was soll das?! Wo sind die Ecken und Kanten der Originale geblieben? Die Imperfektionen? Warum sehen alle so aus, als wären sie durch einen generischen Beauty-Filter gelaufen?

Ich begebe mich auf die Suche nach Antworten – und finde tatsächlich welche.

Das geht weit über «Shrek 5» hinaus

Seit Ende 2023 befindet sich DreamWorks, das Animationsstudio hinter «Shrek», mitten in einer tiefgreifenden Umstrukturierung. NBCUniversal, die Konzernmutter, verfolgt nämlich das Ziel, die Produktionskosten deutlich zu senken. Zunächst verschwanden Dutzende Stellen aus Produktion und Technik, später traf es praktisch alle Bereiche des Studios. Branchenmedien berichteten von Abteilungen, die massiv verkleinert wurden, während DreamWorks gleichzeitig ein neues Produktionsmodell ankündigte, das weite Teile des Animierens outsourcte.

Der Plan: weniger Arbeit im eigenen Haus, mehr externe, günstige Partner.

Ob «Shrek 5» konkret von ausgelagerten Teams mitanimiert wurde, ist derzeit nicht bekannt. Klar ist allerdings, dass der Film mitten in einer Phase entstand, in der DreamWorks seine Arbeitsweise grundlegend veränderte – und das ausgerechnet in dem Moment, als das Studio dank «Puss in Boots: The Last Wish», «The Wild Robot» und «Kung Fu Panda 4» eigentlich gerade recht erfolgreich unterwegs war.

Dazu kommt eine neue Rendering-Engine namens «Moonray», die bei DreamWorks seit «How To Train Your Dragon 3» zum Zug kommt und die im Jahr 2019 ihren Vorgänger, «Moonlight», ersetzt hat. Genaugenommen ermöglicht Moonray physikalisch präzisere Beleuchtungen und weichere Texturen als je zuvor. Darüber hinaus ist die Engine darauf ausgelegt, harte Schatten zu glätten und grobe Unvollkommenheiten zu beseitigen.

Kurz: Alles, was Shrek mal ausgemacht hat, geht verloren.

«Shrek» ist kein Rebranding

Vielleicht wird «Shrek 5» ein grossartiger Film. Dass er’s nicht wird, kann ich nach nur einem Trailer natürlich nicht seriös beurteilen. Aber wenn eine der beliebtesten Animationsfiguren aller Zeiten beim ersten Auftritt eines neuen Abenteuers vor allem eine Reaktion auslöst – nämlich «Was zum Geier ist hier passiert?!» –, dann sollte das zu denken geben.

Nein, DreamWorks, «Shrek» ist keine Marke, die du nach Belieben neu erfinden kannst. Es ist eine der wenigen Filmreihen, deren Charme untrennbar mit ihrer Ästhetik verbunden ist. Mit dieser leicht rauen, erdigen, absichtlich unpolierten Welt. Die neue Version hingegen wirkt, als hättest du entschieden, dass das alles etwas aufgeräumter sein müsste. Etwas konsumfreundlicher. Etwas weniger sumpfig.

Es bleibt ein schaler Beigeschmack.

Titelbild: DreamWorks Animations

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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