
K-Pop erobert die Gaming-Welt
K-Pop ist überall: Im Radio, in der Modeindustrie und im Game-Bereich. Der südkoreanische Exportschlager findet sich mittlerweile in unzähligen Spielen. Das jüngste Beispiel heisst «Call of Duty: Modern Warfare 4», das die Erfolgswelle reitet und das Geschehennach Südkorea verlegt.
Kunterbunter K-Pop und der Ernst des Krieges in «Call of Duty»: Das passt auf den ersten Blick nicht zusammen. Doch so fern liegt der Gedanke gar nicht, denn K-Pop ist mehr als nur witzige Frisuren und knuddelige Maskottchen.
«Wir befinden uns in der dritten ‹Hallyu›-Welle. K-Pop ist so gross wie nie. Koreanische Filme wie ‹KPop Demon Hunters› und ‹Parasite› gewinnen Oscars. Und wir selbst sind mittlerweile grosse Fans von koreanischem Rap. Wir sind Fans der koreanischen Popkultur und finden es spannend, diese Eindrücke in einem ‹Call of Duty›-Spiel zu verarbeiten.»
Dieses Zitat stammt von Game Director O’Hara, der in der [Vorschau meines Kollegen Domagoj] viel über die Kampagne in «Call of Duty: Modern Warfare 4» und deren Entstehung verrät. Dabei schlüpfen die Fans in die Rolle eines südkoreanischen Soldaten, der sich während einer nordkoreanischen Invasion in den Süden der Halbinsel beweisen muss.
Bei der Konzeption und Entwicklung von «Modern Warfare 4» verschmelzen persönliches Interesse mit dem Wissen darüber, was gerade im Marketing hervorragend funktioniert. Das Ergebnis ist ein «Call of Duty», das seine Fans in eine immersive Story über einen Krieg auf der koreanischen Halbinsel zieht. Weit weg von glitzernden K-Pop-Stars und einstudierten Tänzen, die gerade über die ganze Welt schwappen.
K-Pop hat die besten Voraussetzungen, um Grenzen zu sprengen
«Ganz viele Leute kennen nicht nur K-Pop, sondern wissen aus Serien und Filmen, wie es in Korea aussieht. Ich kann mir vorstellen, dass gerade Gamer in diese Welt reingezogen werden und diese Andockpunkte merken.», erklärt mir der freie Redakteur Daniel Koch und Experte auf dem Gebiet K-Pop.
Er schreibt unter anderem für Diffus, Musikexpress, Rolling Stone und Tagesspiegel und berichtet seit fünf Jahren über K-Pop. Korea sei sehr stolz auf seinen Kulturexport und setze so wenig Grenzen wie möglich, um die Welt zu erobern. Angesprochen auf die Frage, wie sich K-Pop in der westlichen Welt entwickelt hat, erklärt er:
«Korea und die K-Pop-Industrie wollten schon früh die USA knacken und sie haben deshalb bereits vor vielen Jahren Brücken zur westlichen Popkultur geschlagen. In Südkorea gab es seit geraumer Zeit Künstler, die musikalisch den großen Sprung in die westliche Welt gewagt haben. (…) K-Pop ist eine Wirtschaftsmacht und die ganze K-Pop-Szene wird als Dienstleistung gesehen, was dabei hilft, das Ganze weltweit in verschiedenen Bereichen zu vermarkten.
Wenn man sich anschaut, von was K-Pop geprägt wurde, dann ist das ganz viel skandinavischer Pop. Der westliche Klang fliesst auch in die Struktur der Songs ein, was sie zugänglicher macht. Bands wie ‹Big Bang› und ‹Girls Generation› waren vor 20 Jahren die ersten K-Pop-Stars. (...) Einen weltweiß großen Bekanntheitsgrad haben zuerst ‹BTS› erreicht. Dann kamen auch Bands wie ‹Blackpink› und ‹Stray Kids› dazu. Der große Erfolg scheint daher zu kommen, dass man insgesamt viel offener und werbender mit der ganzen (K-Pop)-Kultur umgeht.»

Quelle: Universal Music
Seiner Einschätzung nach ist Offenheit in Sachen Musikstil und Vermarktung der K-Pop-Stars eine gute Strategie, um auch in andere Bereiche einzutauchen. Dass das funktioniert, sehen wir in der Gaming-Industrie. Hardware, Ingame-Kollaborationen und thematisch passende Spiele wie das «KPop Demon Hunters»-«Roblox»-Minispiel und der «K-Pop Idol Simulator»: K-Pop ist längst in der Gaming-Szene angekommen.
Wenn K-Pop-Stars die Gaming-Industrie zum Tanzen bringen
Der «Dualsense Wireless Controller – Lisa Limited Edition» entstand in Zusammenarbeit mit der K-Pop-Künstlerin Lisa. Er ist mit ihrem charakteristischen Pony und ihren Augen als Zeichnung auf dem Touchpad gestaltet. In einem Interview auf dem Playstation-Blog beschreibt «Lisa» ihre Zusammenarbeit mit Playstation und ihre Verbindung zum Gaming folgendermaßen:
«Gaming ist etwas, das ich mache, wann immer ich Zeit zum Entspannen finde. Deshalb war es sehr aufregend, diese Kollektion mit Playstation zu kreieren. Es hat mir großen Spaß gemacht, kleine Details einzubauen, von denen ich wusste, dass sie meinen Fans auffallen würden, und ich wollte, dass die Fans etwas haben, mit dem sie sich verbunden fühlen. Ich habe es schon immer geliebt, mich durch Musik und Mode auszudrücken, daher bot mir diese Zusammenarbeit eine neue Möglichkeit, kreativ zu sein und eine andere Seite von mir zu zeigen. Ich hoffe, alle haben daran genauso viel Freude wie ich.»

Quelle: Sony
«Playerunknown’s Battlegrounds» (kurz «PUBG») lässt sich immer wieder etwas Neues einfallen, wenn es um (musikalische) Kooperationen geht. «Blackpink» war die erste Band, die in «PUBG Mobile» ein virtuelles Konzert gegeben hat. Das über zwei Wochenenden verteilte Konzert-Event hat insgesamt 15,7 Millionen Spielerinnen und Spieler angezogen.
Viele Bands sind auf diesen Gaming-Zug aufgesprungen und entwickeln gemeinsam mit Krafton – dem Studio hinter «PUBG» – diverse Events für das Spiel. «PUBG x Aespa» bietet Fans beispielsweise ausgefallene Outfits, die von der Girlgroup inspiriert sind, eigene Stages sowie Bereiche auf den beliebtesten Karten im Game.

Quelle: Krafton
Der K-Pop-Hype in «PUBG» reißt nicht ab. Bald steht die nächste Kollaboration an: «PUBG x Ive». Was genau ab dem 4. November auf dem PC und ab dem 15. November 2026 auf Konsolen passiert, ist aktuell unter Verschluss.
K-Pop-Bands stürmen Musik- und Rhythmusspiele
Man könnte meinen, dass K-Pop erst mit der weltweiten Erfolgsgeschichte von «BTS» in die Gaming-Welt geschwappt ist. Dabei finden sich deutlich frühere Beispiele. Bereits vor sieben Jahren konntest du in «Just Dance 2019» zum Song «Bang Bang Bang» der K-Pop-Band «Big Bang» Tanzmoves nachmachen .
Ich war selbst dabei, als 60 000 Menschen im Pariser Stade de France vor wenigen Wochen zu diesem Song von «Big Bang» tanzten. Und ich bin sicher nicht die Einzige, die sich an die Choreografie aus «Just Dance» erinnert.

Quelle: Franziska Behner-Thang
Das Rhythmus-Game «Beat Saber» bietet mit zahlreichen Add-ons die Möglichkeit, weitere Musikstücke von Künstlern aus der ganzen Welt zu kaufen. Neben Bands wie «Linkin Park» und «Fall Out Boy» sind auch Songs der erfolgreichen K-Pop-Band «BTS» verfügbar.
«KPop Demon Hunters» bei Netflix und «Roblox»
Um das Netflix-Original «KPop Demon Hunters» ist 2025 kaum jemand herumgekommen. Der ikonische Song «Golden» läuft im Radio, wird unzählige Male gecovert und zum Liebling vieler Abonnenten des Streaming-Dienstes. Dieser Erfolg schwappt auch in die Gaming-Welt über: Netflix hat ein eigenes Minispiel zum Film herausgebracht, in dem man Rhythmusaufgaben lösen muss. Bei «Roblox» findet sich ein offizielles «KPop Demon Hunters»-Spiel, das von Netflix und Twin Atlas zur Verfügung gestellt wird.

Quelle: Roblox
Die Zukunft von K-Pop in Vidospielen
Der Einfluss von K-Pop auf die Videospielwelt steht noch am Anfang. Mit steigender Bekanntheit der Musik werden Musik- und Rhythmusspiele auch in Zukunft (vermehrt) auf K-Pop setzen. Die knallbunte Optik und die modischen Outfits der Stars lassen sich in viele Spielkonzepte integrieren, sodass ich von weiteren Kollaborationen in Games wie «Playerunknown’s Battlegrounds» ausgehe.
Es ist schön zu sehen, dass die Popularität eines Musikgenres, das sich in so viele Branchen ausweitet, für Interesse am Land und der Kultur sorgt. Spiele wie «Call of Duty: Modern Warfare 4» lassen sich von historischen Begebenheiten inspirieren und Filme wie «K-Pop Demon Hunters» bringenSpieleadaptionen auf große Plattformen wie «Roblox». Wenn der Hype um K-Pop und anderen koreanischen Exporten bestehen bleibt, erwarte ich noch viele Brücken zur Gaming-Welt.
Ich hatte als Kind weder einen Gameboy noch einen Super Nintendo. Darum stieg ich erst mit fünfzehn Jahren in die Welt des Gamings ein. Seither versuche ich, den Rückstand mit allen Mitteln gutzumachen. Schaue ich mir die jährlich steigende Zahl der Game-Releases an, scheint sich aber die gesamte Branche gegen mich verschworen zu haben.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
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