

Männer und Yoga: (k)ein Ding der Unmöglichkeit
Machen Männer wirklich seltener Yoga als Frauen? Der Versuch einer Annäherung.
Unmännlich, kein richtiger Sport, zu esoterisch: Wer wissen will, warum «echte Kerle» mit Yoga nichts anfangen können, muss nur das Internet bemühen. In einschlägigen Online-Foren tummeln sich zuhauf Männer, die lieber pumpen gehen, als Asanas zu lernen.
Mich interessiert: Mögen Männer kein Yoga – oder verzerrt hier eine laute Minderheit das Bild?
Starten wir mit der Anatomie. Männer-Hüften sind schmaler und steifer als die von Frauen. Ihre Körper sind muskulöser und größer. Alles keine Top-Voraussetzungen für einen Sport, bei dem es um Gelenkigkeit und Körperbeherrschung geht. Die «schlafende Taube» ist ein halber Spagat und im «gebundenen Drehsitz» verknotest du Arme und Beine, während du die Wirbelsäule um 90 Grad drehst. Das dürfte manchen Menschen schon beim Lesen weh tun.
Und es ist ja nicht so, als würden Männer Yoga nicht ausprobieren. In meine Yogakurse verirrt sich regelmäßig das ein oder andere Exemplar. Nur um nach wenigen Stunden wieder zu verschwinden. Laut Statista sind Männer beim Yoga in der Unterzahl. So machen in Deutschland etwa ein Viertel aller Frauen ab und zu Yoga oder Pilates, aber nur 6 Prozent der Männer.

Quelle: https://www.statista.com/chart/27653/yoga-men-and-women-by-country/
Warum ist das so?
Einer Studie der australischen Deakin University zufolge fühlen sich Männer beim Yoga unwohl, weil sie nicht mit den Frauen mithalten können. Sie kommen sich, nun ja … trottelig vor. «Sie fühlen sich von den vielen super gelenkigen, jungen Frauen eingeschüchtert», während sie selbst kaum in der Lage seien, «im Stehen die eigenen Füße zu berühren», fassen die Forschenden aus Down Under zusammen.
Lösen reine Männerkurse das Problem?
Ein Galaxus-Kollege, der aus Gründen namentlich nicht genannt wird, berichtet Ähnliches. Er habe eine Yoga-Stunde abgebrochen, weil er bei den Asanas nicht mitkam. «Ich mag es nicht, wenn ich nicht weiß, was ich tun muss und alles zu schnell geht. Ich soll vom Hund in die kleine Kobra und wieder in den Hund. Während ich noch meine Füße sortiere, ist die Trainerin schon wieder ganz woanders», gesteht er. Er habe Lust auf Yoga und sehe die Vorteile. Dennoch wünsche er sich ein «auf Männer, ihre Ungelenkigkeit und fehlende Zuhörkompetenz spezialisiertes Angebot.»
Kurzum: einen Anfängerkurs nur für Männer.
Und er ist nicht allein mit dem Wunsch. Die australischen Forschenden fanden heraus, dass ein Männerkurs die Motivation steigern kann. Die Studienteilnehmer sagten, eine reine Männergruppe habe sich wie «ein Safe Space angefühlt», in dem man sich vertraut habe.

Quelle: Unsplash
Als ich das las, musste ich schmunzeln. Genau aus diesem Grund gehe ich so gern zu meinem Yogakurs. Die Gruppe kennt sich seit Jahren, wir waren teilweise schon zusammen im Urlaub. Es gibt kein Konkurrenzdenken, keinen Neid. Im Gegenteil: Wir lachen über uns, wenn wir bei einer Gleichgewichtsübung zum x-ten Mal umkippen und die Nebenperson auch schon wild mit den Armen rudert. Insofern kann ich gut verstehen, warum den Männern in der Studie das Miteinander wichtig ist.
Einzelne Yoga-Studios haben den Bedarf erkannt und bieten inzwischen entsprechende Kurse an. Auch auf Youtube gibt es Anleitungen – von Männern für Männer. Wir bei Galaxus haben sogar Yoga-Bücher extra für Männer im Sortiment.
Yoga war mal eine Männer-Domäne
Was zunächst wie eine clever genutzte Marktlücke wirkt, ist alter Wein in neuen Schläuchen: Yoga war in seiner ursprünglichen Form ein reiner Männersport. In Indien war es Frauen lange Zeit untersagt, Yoga auszuüben. Erst in den vergangenen hundert Jahren hat sich dieses Verbot gelockert. Wegbereiterin war Indra Devi, die Ende der 1930er beim Guru T. Krishnamacharya in Indien Yoga lernte und es anschließend im Westen populär machte. Vielleicht ist das der Grund, warum das heutige Yoga als «Frauensport» gilt.
Dabei sind Konzentration, Balance und Körperbeherrschung nicht nur Yoga-Elemente. In den alten asiatischen Kampfkünsten finden sie sich ebenfalls wieder. Und Karate ist doch nun wirklich ein «Männersport», oder? Um mal ein Klischee als Stilmittel zu bemühen.
Positive Erfahrungen als Verstärker
Zurück zur Gegenwart. Ich hake weiter in der Redaktion nach und siehe da: Ein anderer Kollege von mir (nicht der, der einen reinen Männerkurs möchte) hat sehr wohl positive Yoga-Erfahrungen gemacht. Das habe ihn angespornt. Er macht gezielte Asanas, um sich nach dem Fußballtraining zu stretchen und runterzufahren. Meistens lässt er sich von Fitness-Youtuberin Mady Morrison anleiten.

Quelle: Unspash
Ein weiterer Kollege trainiert mehrmals wöchentlich Yoga gemeinsam mit seiner Frau. Mal für mehr Beweglichkeit, mal anspruchsvollere Posen. Auf seine Atmung achtet er auch.
Vielleicht braucht Yoga für Männer nur eines: einen Raum, in dem (fast) niemand zuschaut.
An die Männer in der Community: Wie sieht es bei dir aus? Machst du Yoga?
Als Kind wurde ich mit Mario Kart auf dem SNES sozialisiert, bevor es mich nach dem Abitur in den Journalismus verschlug. Als Teamleiterin bei Galaxus bin ich für News verantwortlich. Trekkie und Ingenieurin.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
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