Neue Nomaden: Tipps vom Camping-Profi für Camping-Neulinge
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Neue Nomaden: Tipps vom Camping-Profi für Camping-Neulinge

Gerd Blank
am 29.04.2021
Wenn du heute einen Camping-Ausflug planst, ist das nicht gleichbedeutend mit dem Verzicht auf Komfort. Was zu deiner Basis-Ausstattung gehören sollte, verrate ich dir hier.

Ob Wohnmobil, Caravan oder Zelt: Camping wird immer populärer. Dabei ist der Trend gar nicht mal so neu. Bereits unsere Großeltern gingen mit Zelt auf Landpartie oder fuhren mit ihrem Anhänger im Sommer zu Campingplätzen in Italien. Und im Prinzip hat sich seitdem nur wenig geändert. Bei der Ausstattung allerdings darf es ruhig modern zugehen. Ich habe ein paar nützliche Dinge zusammengestellt, mit denen der Start ins Campingglück garantiert gelingt.

40 Jahre Camping-Erfahrung

Seit mehr als 40 Jahren bin ich Camper, für mich ist Campen längst kein Reisen mehr, sondern ein Lebenskonzept. Wenn ich auf Tour gehe, muss ich gar nicht mehr darüber nachdenken, was ich dafür brauche, denn mein Wohnmobil ist bereits gepackt und steht bereit. Dennoch weiß ich, dass aller Anfang schwer ist. Und ich treffe häufig Neucamper, die zum ersten Mal mit Zelt oder Campervan unterwegs sind. Der Wagen ist dann vollgepackt mit vermeintlich wichtigen Dingen, dafür fehlt manchmal essenzielles Zubehör. Natürlich muss jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln und sich seinen Campingtraum selbst zusammenbauen – denn auch das ist Camping: Alles geht, nichts muss. Aber ganz gleich, wie man reist, wer unterwegs ist und wohin die Reise führt – es gibt ein paar praktische Dinge, die auf jeder Packliste stehen sollten.

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In den nächsten Wochen gebe ich in mehreren Artikeln Tipps für praktische Mitnahmeobjekte und verrate ein paar Kniffe, mit denen der nächste Campingtrip noch schöner wird. Es wird gekocht werden, wir machen es uns bequem, und auch digitale Helferlein für mobiles Arbeiten und Entertainment kommen nicht zu kurz. Aber nun soll die Reise erst einmal losgehen – und dafür habe ich eine praktische Grundausstattung zusammengestellt.

Das richtige Zelt: Der Stoff, aus dem die Träume sind

Los geht es mit dem Zelt, schließlich ist es für die meisten Camper die erste Unterkunft. Es gibt verschiedene Zeltarten, inzwischen haben sich vor allem Iglu- oder Kuppel-Zelte durchgesetzt, da sie recht einfach aufzubauen sind. Wanderer greifen eher auf Kriech- und Tunnelzelte oder sogar nur auf ein Tarp zu, da sie leicht und kompakt sind und man sie besser transportieren kann. Familien wählen dagegen größere Zelte mit mehreren Schlafkammern und vielleicht sogar einem Gemeinschaftsbereich für Tisch und Stühle. Magst du es luxuriös, greifst du zu einem Pagodenzelt und zelebriert das Glamping. Bei allen Varianten dient eine dünne und imprägnierte Stoffbahn als einzige Abschirmung nach draußen. Und je nach Qualität hält die ganz schön was aus. Den Begriff Wassersäule hast du vielleicht schon einmal gehört, doch nur die wenigsten können erklären, was das bedeutet. Dabei ist das beim Zelten ein wichtiger Indikator dafür, unter welchen Bedingungen es im Inneren noch trocken bleibt. Um die Wassersäule zu messen, wird die Außenseite des Materials bei einem Labortest unter steigendem Druck Wasser ausgesetzt. Sobald der dritte Tropfen durch das Material kommt, endet der Test. Eine komplizierte Rechnung aus der bis dahin abgelaufen Zeit und des Drucks ergibt als Ergebnis die Wassersäule. Merken muss man sich eigentlich nur: je höher der Wert, desto dichter das Material. Beim Zeltboden gilt eine Wassersäule von 5.000 mm als guter Wert, bei der Außenhaut sind es 3.000 mm. Allerdings gibt eine hohe Wassersäule nur ausreichend Schutz, wenn das Material gut vernäht oder verklebt wurde und kein Wasser durch die Nähte dringt.

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Schlafsack: Kuscheln unterm Sternenhimmel

Es ist gar nicht so einfach, den einen und immer perfekten Schlafsack zu finden. Die einen sind nur für den Sommer geeignet, die anderen würden zwar auch am Polarkreis wärmen, sind aber im Italien-Urlaub fehl am Platz. Schlafsäcke werden meistens in vier Kategorien eingeteilt. Winterschlafsäcke sind für Temperaturen bis -18 Grad Celsius geeignet, Sommerschlafsäcke eignen sich auch bei über 10 Grad Celsius. Dann gibt es noch 3-Jahreszeiten-Schlafsäcke für möglichst unterschiedliche Einsätze oder Expeditions-Schlafsäcke für Extrembedingungen. Ein weiterer Indikator sind Norm-Temperaturwerte, die in Forschungslaboren ermittelt werden. Dort werden Werte für Standard-Personen errechnet. Aber auch das sind nur Anhaltspunkte, denn das persönliche Kälteempfinden muss keiner Norm entsprechen. Viel wichtiger bei der Kaufentscheidung sind das Material und die Form, also ob die Füllung zum Beispiel aus Kunstfasern besteht oder Daunen genutzt wurden, ob es ein enganliegender Mumienschlafsack sein soll oder für mehr Bewegungsfreiheit doch lieber ein Deckenschlafsack.

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Isomatten und Luftmatratzen: Ein Bett mit Luft nach unten

Auch beim Zelten möchtest du möglichst bequem schlafen. Statt einem Bett dient dann allerdings eine Isomatte oder eine Luftmatratze als Schlafstätte. Hier gibt es ebenfalls deutliche Unterschiede bei Größe, Gewicht um Komfort. Einigen Campern genügt eine aufrollbare Matte, die kaum dicker als eine Yogamatte ist. Doch so richtig bequem ist das nicht, außerdem wird die Bodenkälte davon kaum abgehalten. Besser sind Isomatten, die zusätzlich zum weichen Material noch mit Luft gefüllt werden. Klassische Luftmatratzen kann man natürlich auch nutzen – wenn man den Platz hat. Denn um den gleichen Komfort einer guten Isomatte zu erreichen, muss für die Luftmatratze eine Menge Material verarbeitet werden. Ein Mittelding sind flache Luftmatratzen mit einem kleinen Packmaß. Durch ein spezielles Gewebe und dank geschickter Anordnung der Luftkammern sorgen sie für großen Komfort. Übrigens profitieren Camper mit Rückenproblemen häufig davon, auf einer hochwertigen Luftmatratze zu schlafen. Da sich keine Druckpunkte am Körper bilden, können Muskeln entspannen. Noch ein Grund mehr für den nächsten Camping-Trip.

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Kabeltrommel: Das sorgt für ordentlich Power

Es hat viele Vorteile, auf einem Campingplatz zu übernachten. Einer davon ist es, dass fast überall Strom zur Verfügung steht – zum Beispiel, um das Handy aufzuladen, die Kühlbox zu versorgen, den elektrischen Wasserkocher zu betreiben oder um an kühlen Tagen einen Heizlüfter anzuschmeißen. Wer allerdings den Platzstrom nutzen will, kommt mit dem heimischen Verlängerungskabel nicht weit; man braucht ein spezielles Stromkabel oder eine Kabeltrommel mit einem CEE-Anschluss. Dabei handelt es sich um einen dreipoligen Schutzstecker, meistens in einem blauen Gehäuse. Der Kabelquerschnitt sollte laut DIN-Norm bei mindestens 2,5 mm2 liegen, und das Kabel darf offiziell nicht länger als 25 Meter sein. Besonders praktisch sind Kabeltrommeln: Das Kabel lässt sich nach der Nutzung wieder platzsparend zusammenrollen und an der Trommel befinden sich häufig mehrere Ausgänge für verschiedene Geräte. Bei der Nutzung sollte das Kabel komplett abgewickelt werden, selbst wenn der Stromkasten ganz nah ist. Der Grund: Wenn mehrere Verbraucher mit hoher Leistung angeschlossen sind, kann das Kabel stark erhitzen. Ist das Kabel aufgerollt, verstärkt sich der Effekt und sorgt für Brandgefahr. Auch wenn du einen heißen Camping-Trip magst – ein Feuer willst du sicher nicht verursachen.

Damit beim Campen nicht dein Magen knurrt, verrate ich dir in der nächsten Folge von «Neue Nomaden» was du beim Kochen beachten musst und welche Gadgets hilfreich sind.

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Gerd Blank

Meine ersten Campingerfahrungen machte ich vor mehr als 40 Jahren mit einem Zelt. Inzwischen lebe und arbeite ich als Journalist in einem VW LT 28 Karmann aus dem Jahr 1990. Seit drei Jahren spreche ich im Podcast “Campermen” mit teils prominenten Gästen über Vanlife, tolle Plätze und praktische Camping-Ausrüstung. Mein Buch «Die Camping Bibel» ist seit Mai 2021 im Handel erhältlich.

Mehr über mich: www.gerdblank.de


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