«Nicht durch die Rosen!» So finden sich Mähroboter im Garten zurecht

«Nicht durch die Rosen!» So finden sich Mähroboter im Garten zurecht

Stefanie Enge
Hamburg, am 08.07.2021

Wie schafft es ein Mähroboter eigentlich nur den Rasen zu stutzen und das Blumenbeet stehenzulassen? Überraschenderweise ist die beste Navigationshilfe ein simples Kabel. Noch vor GPS und anderen Sensoren.

Wie viel Aufwand macht es ein Kabel zu verlegen? Mit einem Gardena Minimo und entsprechendem Equipment bewaffnet, begebe ich mich in meinem kleinen Garten auf die Suche nach Antworten. Zudem werfe ich einen kurzen Blick auf ähnliche, aber doch anders funktionierende Systeme der Konkurrenz.

Stromkabel statt Lichtsensoren

In Innenräumen nutzen Staubsauger- und Wischroboter Licht- oder Infrarotsensoren, um den Weg zu finden. Mähroboter nutzen draußen eine andere Technologie: Stromkabel, die entweder flach auf der Erde mit Rasennägeln verankert oder ein paar Zentimeter in den Boden eingebuddelt sind. Angeschlossen werden die sogenannten Begrenzungskabel direkt an der Ladestation. Die Kabel bilden einen Stromkreis, dessen Signal der Roboter beim Überfahren des Kabels durch einen Sensor erkennt (Induktion). Dieses Signal sagt ihm «Bis hierher und nicht weiter!», sodass er seine Richtung wechselt.

Mit Abstand zu Hindernissen und Rändern befestige ich das Kabel mit Befestigungshaken.
Mit Abstand zu Hindernissen und Rändern befestige ich das Kabel mit Befestigungshaken.
Das Kabel liegt eng am Boden an und wird so durch den Roboter nicht beschädigt.
Das Kabel liegt eng am Boden an und wird so durch den Roboter nicht beschädigt.

Der Roboter fährt innerhalb des Begrenzungskabels kreuz und quer über die Rasenfläche. Durch die zufälligen Zick-Zack-Wege kann es passieren, dass er die Wiese unterschiedlich mäht, da er manche Bereiche in einem Durchgang – also mit einer Akkuladung – nicht erwischen kann. Fährt der Mähroboter aber häufiger, ist das kein Problem. Nach dem Zufallsprinzip und der mathematisch zu erwartenden Gleichverteilung bleibt kein Halm ungemäht. Nach diesem Prinzip mähen zum Beispiel die Geräte von Gardena und Wolf.

Bosch setzt bei seinem Indego S+ 500 Modell auf eine andere Lösung. Beim ersten Fahren zeichnet er eine Karte vom Garten auf und weiß ab da, wo er sich befindet. Die nächsten Mähvorgänge laufen dann komplett geordnet ab: Zuerst wird der gesamte Rand des Gartens gemäht, dann der Innenbereich in parallelen Bahnen. Er arbeitet so, wie du das vielleicht auch machen würdest. Ein bisschen intelligenter ist er allerdings dann doch: Damit keine Ackerfurchen entstehen, nimmt er nicht immer den gleichen Weg.

Indego S+ 500 (500 m²)
–6%
867,82statt 922,06
Bosch Indego S+ 500 (500 m²)
4

In der Regel erkennen Roboter das Begrenzungskabel zuverlässig. Doch wie das eben mit Technik so ist, kann auch mal etwas schieflaufen und der Roboter verlässt den gewünschten Bereich. Hast du zum Beispiel das Kabel in die Erde gebuddelt, ist es vielleicht über die Zeit tiefer gerutscht und das Signal kommt nicht mehr durch. Hersteller raten dazu, um Teiche oder ebenerdige Pools trotz Begrenzungskabel einen kleinen Zaun zu errichten. Sicher ist sicher.

Auf Knien um den Rasen herum

Für meinen Mini-Garten brauche ich vom Auspacken bis zum Losfahren des Roboters etwa 60 Minuten. Und ganz ehrlich: Spaß macht das Kabelverlegen auch bei nur zehn Quadratmetern Rasen nicht. Youtube-Videos zeigen immer fröhliche Leute, die im Handumdrehen riesige Gärten verkabeln. Doch die Realität ist eben, dass du auf Knien einmal um deinen Rasen herum rutschst und alle etwa zehn Zentimeter einen Nagel in den Boden schlägst. Ich halte mich ans Handbuch und messe alle paar Zentimeter den richtigen Abstand zum Beet oder anderen Hindernissen.

Dann habe ich ein großes Fragezeichen im Gesicht: Wenn ich das Kabel 20 bis 30 Zentimeter vom Beet entfernt verlege, mäht der Roboter diesen Bereich dann nicht mit? Muss ich den Rand trotzdem noch von Hand schneiden?

Rasenränder vor Hindernissen müssen von Hand geschnitten werden.
Rasenränder vor Hindernissen müssen von Hand geschnitten werden.
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Die Antwort ist ja. Ränder bleiben stehen. Bei Gardena kann ich in der Bluetooth-App einstellen, um wie viele Zentimeter der Roboter das Begrenzungskabel überfahren darf. Das ist aber mit Vorsicht zu genießen, da sich der Roboter unter Umständen dann doch im Beet festfährt. Ich habe zehn Zentimeter eingestellt. Ein Rand wächst, wie auf den Fotos zu sehen ist, dennoch. In einem für Roboter perfekten Garten müsstest du deine Wiese komplett mit ebenerdigen, 30 Zentimeter breiten Steinbegrenzungen umrahmen. Denn auf diese kann der Roboter fahren, dort wenden und das Gras tatsächlich bis zum Rand komplett abschneiden.

Orientierung per Leitkabel

Nachdem ich das Begrenzungskabel verlegt habe, kommt noch weiteres Kabel zum Einsatz. Dieses soll dem Roboter den Weg zur Ladestation weisen, wenn sein Akkustand niedrig ist und er sich automatisch auf den Rückweg macht. Das Leitkabel sendet dafür ein anderes Signal. Es beginnt an der Ladestation und führt mittig einmal komplett durch den Garten. Am Ende trifft es auf das Begrenzungskabel, mit welchem es verbunden wird. So entsteht von der Ladestation aus gesehen ein Kabelweg links um den Garten, einer rechts herum und einer mittig durch. Diese auch «Guide» genannten Suchdrähte führen den Roboter auch in weiter von der Ladestation entfernte Ecken des Gartens.

Durch das Guide-Kabel findet der Roboter eigenständig den Weg zurück zur Ladestation.
Durch das Guide-Kabel findet der Roboter eigenständig den Weg zurück zur Ladestation.

Andere Hersteller nutzen für die Orientierung des Roboters GPS-Systeme oder Kompass-Lösungen, bei denen der Roboter zu jeder Zeit weiß, in welche Richtungen er bereits gefahren ist und wo sich seine Ladestation befindet.

Wie arbeiten Roboter ohne Begrenzungskabel?

Die mühsamste Arbeit bei der Inbetriebnahme eines neuen Mähroboters ist definitiv das Verlegen der Begrenzungskabel. Es dauert lange und Fehler werden damit bestraft, dass du das komplette Kabel unter Umständen noch einmal neu verlegen darfst – ist mir natürlich auch passiert.

Ein paar Tage läuft alles perfekt. Doch dann finde ich den Roboter in einer Ecke meines Gartens mit einer blinkenden Leuchte als Fehlermeldung. Ein Blick ins Handbuch gibt mir die Meldung «Kein Schleifensignal». Neun unterschiedliche Ursachen werden dafür gelistet. Ich gehe Schritt für Schritt alle Tipps des Herstellers durch, finde den Fehler aber nicht. Also alle Rasennägel und Kabel wieder raus aus der Erde und nochmal ganz von vorne beginnen.

Kabel verlegen nervt, aber wenn alles klappt ist es die Mühe wert. Ich hoffe aber trotzdem, dass der Fortschritt dafür sorgt, dass zukünftige Mähroboter sich anders im Garten orientieren.

Alternativen zum Kabel

Es gibt bereits einige wenige Modelle, die sich auch anders orientieren können. Allerdings nur für kleinere Gärten. Bis zu 400 Quadratmeter schaffen Roboter, die ohne Begrenzungskabel auskommen. Sie verfügen über einen Rasensensor, der erkennt, ob die Fläche unter ihnen aus Gras ist oder nicht. Perfekt ist diese Lösung noch nicht, da vor allem grasähnliche Flächen wie Blumenbeete oder Mulch doch überfahren werden können. Am besten funktionieren die kabellosen Roboter, wenn die Wiese komplett mit etwa zehn Zentimeter breiten Rasenkantensteinen umzogen ist.

In die Kategorie der Roboter ohne Kabelfrust fallen die Geräte von Wiper, Zucchetti und Ambrogio. Auch iRobot will demnächst mit dem Terra T7 einen kabellosen Mäher vorstellen.

Ein interessantes Gerät, das bald erhältlich sein soll, könnte Toadi sein. Der kleine Roboter navigiert sich per Kamera und verfügt über eine künstliche Intelligenz für die Bildauswertung, er soll neue Hindernisse wie einen Ball sofort erkennen und immer wissen, wo er sich befindet. Die Technik hat aber auch ihren Preis: Knapp 3000 Euro bzw. 3300 Franken soll er kosten.

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Stefanie Enge
Stefanie Enge

Autorin, Hamburg

Meistens lebe ich irgendwo zwischen Bits und Bytes, probiere alternative Android-Betriebssysteme aus und versuche mein Leben mit Hilfe von Open Source Tech smarter zu machen - immer mit dem Fokus auf Datenschutz und Privacy. Wenn ich gerade mal keine coolen Gadgets teste, entwickle ich Videospiele, schreibe Geschichten und spiele Knopfakkordeon.

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