Nothing Phone (1) im Test: Das Glühwürmchen unter den Smartphones

Jan Johannsen
Hamburg, am 04.08.2022

Das Nothing Phone (1) sticht mit seiner transparenten und blinkenden Rückseite aus der Masse der Smartphones hervor. Davon abgesehen erweist es sich als gelungenes Mittelklasse-Modell.

Die Hardware bei Smartphones lässt sich kaum noch signifikant verbessern. Da erscheint es nur logisch, dass Nothing bei seinem ersten Smartphone vor allem mit dem Design für Aufmerksamkeit sorgt. Die Ausstattung gibt darüber hinaus keinen Anlass zur Kritik, aber das Kamerasystem bietet noch Verbesserungspotential.

Blinkende Rückseite: das Glyph Interface

Das Nothing Phone (1) wirkt wuchtig. Dazu trägt der Aluminium-Rahmen seinen Teil bei. Verstärkt wird der Effekt dadurch, dass der Rahmen nicht an den langen Seiten abgerundet ist. Die Rückseite aus Gorilla Glass 5 ist transparent und gibt zumindest etwas den Blick auf das Innenleben des Smartphones frei. Optisch setzt es sich bereits dadurch von der Masse an Smartphones ab. Wirklich einzigartig wird es durch das Glyph Interface. Es umfasst insgesamt fünf LED-Elemente auf der Rückseite. Neben Tönen und Vibrationen sind die Glyphen ein visueller Weg, dich über eingehende Anrufe oder Benachrichtigungen zu informieren.

In den Einstellungen stehen zehn Leuchtmuster für Anrufe und Benachrichtigungen zur Auswahl. Du kannst auch verschiedenen Kontakten unterschiedliche Muster zuweisen. Zudem kannst du aktivieren, dass das Phone (1) exklusiv auf Glyph-Benachrichtigungen umstellt, sobald du es auf sein Display legst. Den unteren LED-Streifen kannst du außerdem beim Aufladen als Anzeige des Akkustands nutzen.

Die Einstellungen für die Glyph-Anzeige.
Die Einstellungen für die Glyph-Anzeige.

Das Glyph-Interface ist auf jeden Fall eine spannende Ergänzung zu Tönen und Vibrationen. Ich gehöre allerdings zum Team «lieber dezent als laut» und habe die Sorge, dass ein ständig blinkendes Smartphone auf Dauer nerven kann. Natürlich eher, wenn es herumliegt und sich nicht in einer Tasche befindet und in Abhängigkeit der Frequenz der ankommenden Benachrichtigungen. Aber Personen, bei deren iPhone bei jeder eingehenden Nachricht der Kamerablitz aufleuchtet, würde ich gerne blickdichtes Panzertape auf ihr Smartphone kleben.

Nothing OS ohne Bloatware

Im März hat Firmengründer Carl Pei das Phone (1) als Grundlage eines neuen Ökosystems angepriesen. Dabei soll Nothing OS eine große Rolle spielen. Jetzt, mit dem Smartphone in den Händen, erscheint das als ein großes, nicht erfülltes Versprechen. So sehr unterscheidet sich das Nothing OS nämlich nicht von anderen. Aber bisher hat Nothing auch nur noch die Ear (1) als Teil des Ökosystems im Angebot.

Nothing OS kommt ohne Bloatware aus.
Nothing OS kommt ohne Bloatware aus.

Trotzden bin ich mit dem neuen OS sehr zufrieden. Es setzt optisch mit der Dot-Matrix eigene Akzente bei einem insgesamt zurückhaltenden Design. Auch bei der Benutzeroberfläche ist, wie bei der Hardware von Nothing, weniger beim Design mehr. Dazu kommt der komplette Verzicht auf nervige Bloatware. Nur die von Google vorgeschriebenen Apps sind mit Android 12 vorinstalliert. Die Kamera- und die Rekorder-App sind die einzigen eigenen Entwicklungen.

Das Phone (1) soll drei Jahre Android-Updates und vier Jahre lang Sicherheitsaktualisierungen erhalten. Das ist in Ordnung, aber nicht das langfristigste Versprechen unter den Android-Geräten.

Eine Dualkamera ist genug

Das Nothing Phone (1) verfügt über zwei Kameras auf der Rückseite. Das erscheint inzwischen wenig, ist aber für die meisten Motive völlig ausreichend. Hinter beiden Kameras befindet sich ein 50-Megapixel-Sensor. Unterschiede zwischen der Haupt- und der Ultraweitwinkelkamera gibt es bei der Blende, der Sensorgröße und der Pixelgröße:

  • Hauptkamera: f/1,9, 1/1,56 Zoll, 1,0 µm
  • Ultraweitwinkelkamera: f/2,2, 1/2,79 Zoll, 0,64 µm
Polly sieht immer niedlich aus.
Polly sieht immer niedlich aus.

Beste Smartphone-Kamera! Daran gibt es nach diesem niedlichen Foto von Bürohund Polly keine Zweifel. Ich habe trotzdem noch weitere Bilder gemacht, um mich nicht nur auf die gute Darstellung von Tierhaaren zu stützen.

Farben und Detailgenauigkeit lassen sich bei Graffitis meist gut einschätzen.
Farben und Detailgenauigkeit lassen sich bei Graffitis meist gut einschätzen.

Hinter natürliche Farbwiedergabe und hohe Detailgenauigkeit kann ich nach diesem Foto beim Phone (1) einen Haken setzen. Bei genauer Betrachtung lässt sich allerdings eine Tendenz zu Unschärfe in den Ecken erkennen.

Starke Kontraste gleicht die HDR-Funktion aus.
Starke Kontraste gleicht die HDR-Funktion aus.

Starke Kontraste sind für die Kamera des Phone (1) kein Problem. Die HDR-Software gleicht die Unterschiede zwischen schattigen und sonnigen Bereichen gut aus.

Die Ultraweitwinkelkamera, die Hauptkamera und der in der Kamera-App angebotene zweifache Zoom im Perspektivenvergleich. Theoretisch bietet das Phone (1) sogar einen 20-fachen Digitalzoom, der ist aber bereits bei zehnfacher Vergrößerung so schlecht, dass du ihn dir gar nicht anzuschauen brauchst.

Ultraweitwinkelkamera.
Ultraweitwinkelkamera.
Hauptkamera.
Hauptkamera.
2x Zoom.
2x Zoom.

Bei der Aufnahme der Ultraweitwinkelkamera fällt zudem wieder eine Unschärfe auf – in der oberen rechten Ecke. Sie lässt sich auch nicht damit erklären, dass die Bäume sich im Vordergrund befinden und der Hintergrund scharf gestellt wäre. In anderen Bereichen sind die Blätter im Vordergrund schärfer.

Das liefert die Automatik bei Dunkelheit.
Das liefert die Automatik bei Dunkelheit.
Der Nachtmodus hellt das Bild auf, könnte bei ganz hellen Bereichen aber noch mehr Details liefern.
Der Nachtmodus hellt das Bild auf, könnte bei ganz hellen Bereichen aber noch mehr Details liefern.

Das Nothing Phone (1) blendet bei Dunkelheit einen Halbmond im Sucherbild ein. Mit einem Klick auf diesen aktivierst du den Nachtmodus. Dieser erhöht die durchschnittliche Detailgenauigkeit der Automatik nicht, sorgt aber für stärker erhellte Bilder und etwas besser abgestimmte Kontraste in sehr hellen Bereichen. Andere Nachtmodi bekommen das aber besser hin. Zum Beispiel erwarte ich, dass die Zielanzeige auf der S-Bahn auf der Brücke lesbar ist.

Auf dem Smartphone sieht das Selfie gut aus, vergrößert aber nicht mehr.
Auf dem Smartphone sieht das Selfie gut aus, vergrößert aber nicht mehr.

Die Frontkamera nimmt Selfies mit einer Auflösung von 16 Megapixel auf. Die sehen im ersten Moment auch gut ausgeleuchtet und vorzeigbar aus. Vergrößere ich allerdings die Ansicht auf 100 Prozent, fällt auf, wie wenig Details die Bilder Frontkamera bieten. Bei Dunkelheit solltest du keine Selfies machen. Die sind selbst auf dem Smartphone nicht vorzeigbar. Das ist selbst für ein Mittelklasse-Smartphone enttäuschend. Daran ändert auch der Nachtmodus nichts, der bei Selfies zu keiner längeren Belichtungszeit führt.

Die Hauptkamera des Nothing Phone (1) sortiert sich zwischen gut bis sehr gut ein. Die Ultraweitwinkelkamera und die Frontkamera ziehen die Gesamtbewertung beim Fotografieren allerdings herunter.

Mehr Hardware ist nicht nötig

Mit seiner Ausstattung kann und will das Nothing Phone (1) gar nicht mit den schnell doppelt so teuren Top-Smartphones mithalten. Muss es auch nicht, es lässt trotzdem nichts vermissen.

Das 6,55 Zoll große OLED-Display ist bei Sonnenschein hell genug. Die maximale Bildwiederholrate von 120 Hertz entspricht der von Top-Modellen und die Auflösung von 2400 × 1080 Pixeln sorgt für ein scharfes Bild. Der Fingerabdrucksensor unter dem Display entsperrt das Phone (1) zuverlässig.

Das Phone (1) ist zwar ein wenig transparent, sein Innenleben sieht man trotzdem nicht.
Das Phone (1) ist zwar ein wenig transparent, sein Innenleben sieht man trotzdem nicht.

Für die Leistung im Inneren ist mit dem Snapdragon 778G+, ein Prozessor der Mittelklasse, zuständig. Bei meinem Testgerät stehen ihm acht Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite. Nothing bietet aber auch Varianten mit zwölf Gigabyte an. Der Unterschied ist im Alltag aber kaum spürbar und kommt erst bei sehr aufwändigen Aufgaben zum Tragen.

Wie sich das Phone (1) bei Geekbench 5 im Vergleich mit anderen guten Mittelklasse-Smartphones schlägt, siehst du in folgender Tabelle:

Geekbench 5Single-CoreMulti-CoreOpen CLVulkan
Nothing Phone (1)816 Punkte2970 Punkte2402 Punkte2476 Punkte
Samsung Galaxy A53450 Punkte1806 Punkte2611 Punkte2571 Punkte
OnePlus Nord 2T500 Punkte2868 Punkte4896 Punkte4687 Punkte

So hängt das Nothing Phone (1) zum Beispiel das Samsung Galaxy A53 bei der Leistung ab. Bei der Grafikberechnung liegt dessen Exynos 1280 aber mit dem Snapdragon 778G+ etwa gleichauf. Deutlich besser performt bei der Grafik dagegen der Mediatek Dimensity 1300 des OnePlus Nord 2T. Im Multi-Core-Test liegt er mit dem Phone (1) etwa gleichauf, schneidet aber mit nur einem Rechenkern schlechter ab. Für alltägliche Anwendungen sind aber alle drei genannten Smartphones gut geeignet. Du wirst allerdings nicht jedes Spiel auf den höchsten Grafikeinstellungen spielen können. Solltest du Videos auf deinem Smartphone rendern wollen oder ähnlich rechenintensive Dinge mit ihm veranstalten, fährst du mit einem Top-Smartphone besser.

Mit dem 4500-mAh-Akku des Phone (1) komme ich gut über den Tag. Mit dem nicht im Lieferumfang enthaltenen 45-Watt-Netzteil, das Nothing optional anbietet, ist es nicht superschnell, aber sehr zügig geladen. Eine halbe Stunde, wie bei anderen Smartphones reicht nicht, aber mit etwa einer Stunde Ladezeit bekommst du die Batterie gefüllt.

Auch ohne leuchtende LEDs eine bisher einzigartige Rückansicht.
Auch ohne leuchtende LEDs eine bisher einzigartige Rückansicht.

Der interne Speicher des Nothing Phone (1) ist 128 oder 256 Gigabyte groß und lässt sich nicht mit einer microSD-Karte erweitern. Dafür kannst du zwei SIM-Karten in das Smartphone einlegen.

Erfrischender Neuling mit Optimierungsbedarf beim Kamerasystem

Design ist immer Geschmackssache. Das gilt auch für das Nothing Phone (1). Ich freue michüber die Abwechslung, die es in die Masse der Smartphones bringt. Das Glyph Interface wirst du lieben oder hassen. Das aufgeräumte Nothing OS ist für mich bisher ein großer Pluspunkt.

Die verbaute Hardware kann und will nicht mit den Top-Smartphones mithalten, hat aber keine echten Schwachpunkte und macht das Phone (1) sehr gut nutzbar. Die Hauptkamera liefert gute bis sehr gute Bilder, die Ultraweitwinkelkamera und vor allem die Frontkamera muss Nothing aber noch verbessern. Legst du großen Wert auf Selfies, solltest du vorerst zu einem anderen Smartphone greifen. Das Nord 2T von OnePlus, der letzten Firma von Nothing-Gründer Carl Pei, wäre eine Option, die bessere Selfies liefert und etwas weniger kostet – dafür nicht leuchtet.

Phone (1) (8GB) (128 GB, Schwarz, 6.55 ", Dual SIM, 50 Mpx, 5G)
469,–
Nothing Phone (1) (8GB) (128 GB, Schwarz, 6.55 ", Dual SIM, 50 Mpx, 5G)
137
Phone (1) (8GB) (256 GB, Weiss, 6.55 ", Dual SIM, 50 Mpx, 5G)
499,–
Nothing Phone (1) (8GB) (256 GB, Weiss, 6.55 ", Dual SIM, 50 Mpx, 5G)
137
Phone (1) (8GB) (256 GB, Schwarz, 6.55 ", Dual SIM, 50 Mpx, 5G)
499,–
Nothing Phone (1) (8GB) (256 GB, Schwarz, 6.55 ", Dual SIM, 50 Mpx, 5G)
137
Phone (1) (12GB) (256 GB, Weiss, 6.55 ", Dual SIM, 50 Mpx, 5G)
548,99
Nothing Phone (1) (12GB) (256 GB, Weiss, 6.55 ", Dual SIM, 50 Mpx, 5G)
137
Phone (1) (12GB) (256 GB, Schwarz, 6.55 ", Dual SIM, 50 Mpx, 5G)
548,99
Nothing Phone (1) (12GB) (256 GB, Schwarz, 6.55 ", Dual SIM, 50 Mpx, 5G)
137

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Jan Johannsen
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jan.johannsen@galaxus.de

Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Galaxus.de. 


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