
Razer Prio im Test: Controller für die Hosentasche
Der Razer Prio Smartphone-Controller passt in die Hosentasche. Das Faltkonzept geht auf, und mit 2D-Sidescrollern wie «Dead Cells» macht das Teil richtig Spass. Dafür laufen gewisse Games gar nicht, bei anderen sind mir die Sticks zu klein und der Preis ist hoch.
Wer auf dem Handy mehr spielt als «Candy Crush», kennt das Problem: Gute Controller sind gross, sperrig und landen nur selten in der Hosentasche. Razer geht mit dem Prio einen anderen Weg. Der Controller lässt sich zusammenklappen und passt in dieselbe Tasche wie das Portemonnaie. Ich habe ihn zwei Wochen im Einsatz und spiele dabei unter anderem «Dead Cells», «Asphalt Legends», «Racing Master» und «Neverness to Everness». Das Konzept ist clever, perfekt ist der Prio aber nicht.
Klein, flach, robust
Schon beim Auspacken wirkt der Prio unscheinbar, aber solide. Zusammengeklappt misst er 10,7 × 6,7 × 2,3 Zentimeter. Er ist also ungefähr so gross wie eine Kreditkarte, nur dicker, und wiegt 101 Gramm. Er könnte glatt als Hardcase-Portemonnaie durchgehen. Das matte Schwarz mit dezentem Branding ist für Razer-Verhältnisse schlicht. Super, so stören auch potenzielle Kratzer von Schlüsseln und Co in der Hosentasche wenig.

Der Aufbau ist einfach, aber schwierig zu erklären. Ein Gummiband hält die linke und die rechte Seite des Controllers zusammen. Ich kann diese leicht auseinander schieben und dann aufklappen. So «fallen» sie auseinander. Die eine Seite mit USB-C-Stecker schwenkt dabei um 180 Grad um. Zum Schluss stecke ich das Smartphone dazwischen. Klingt kompliziert? Ist es am Anfang auch. Aber mit der Zeit geht es intuitiv von der Hand und macht sogar Spass. Am besten schaust du das Video dazu:
Der Prio nimmt Smartphones bis sieben Zoll auf. Laut Razer passen auch grosse Modelle wie das iPhone 17 Pro Max oder das Galaxy S26 Ultra samt dünner bis mittelstarker Hülle hinein. Die Aufsätze für das Handy lassen sich austauschen, je nach Grösse des Geräts und der Hülle wähle ich andere Gummis. Bei dicken Hüllen, vor allem um den USB-C-Port, kann es eng werden. Die müssen dann für den Spielspass weg.
USB-C statt Bluetooth: kein Akku nötig
Der Prio verbindet sich per USB-C direkt mit dem Handy. Das hat Vorteile: Die Eingabeverzögerung ist geringer als bei Bluetooth-Controllern, das Koppeln entfällt, und es braucht keinen eigenen Akku, weil der Strom vom Handy kommt. Beim Akku des Smartphones fällt das kaum ins Gewicht, die Spiele selbst ziehen deutlich mehr.

Der Controller läuft mit iPhones ab iOS 18 und mit Android-Geräten ab Android 14. Zusätzlich gibt es die App «Razer Cortex». Ist sie installiert, öffnet sie sich beim Anstecken automatisch und listet kompatible Spiele. Pro Spiel lassen sich Einstellungen festlegen, und eine eigene Taste am Controller bringt mich direkt in die App. Diese funktioniert, ist für Neulinge aber nicht intuitiv.
Kompakte Steuerung: gutes Steuerkreuz, kleine Sticks
Die geringe Grösse hat ihren Preis. Face-Buttons und Sticks sind klein, richtige Griffe fehlen. Wer von grossen Controllern oder Handhelds kommt, muss sich umgewöhnen. Für kurze Sessions geht das in Ordnung, für stundenlanges Zocken ist der Prio nur mit kleinen Händen gemacht. Wer mit Bärenpranken gesegnet ist, wird bestimmt nicht glücklich. Ich trage zwar auch Handschuhgrösse L, komme aber dennoch gut klar.

Es gibt zwei Bumper, zwei analoge Trigger, ein Steuerkreuz und vier Aktionstasten. Letztere sind leise, damit sich Mitreisende in Bus und Bahn nicht gestört fühlen, haben aber dennoch einen gut spürbaren Druckpunkt. Das Steuerkreuz ist überraschend angenehm, mit leichter Mulde und klaren Richtungseingaben. Bei den Sticks setzt Razer auf kontaktlose, kapazitive Sensoren. Das soll Drift und mechanischen Verschleiss minimieren. Gross sind sie nicht, haben aber genug Grip, um brauchbar zu sein.

In der Praxis: «Dead Cells» top, «Neverness to Everness» flop
Am meisten Spass habe ich mit «Dead Cells». Das 2D-Rogue-lite habe ich damals verpasst und auf dem Smartphone mit dem Prio spielt es sich hervorragend. Ich zocke mit dem Steuerkreuz und werde hier noch viele Stunden verbringen.
Auch «Asphalt Legends» ist eine gute Erfahrung. Das Rennspiel ist einfach gestrickt, verlangt den kleinen Tasten nicht viel ab, und dank automatischem Gas muss ich die Trigger kaum bemühen.
Mit «Racing Master» funktioniert der Prio bei mir dagegen nicht, weil er nicht erkannt wird. Das ist ärgerlich, ein Controller sollte nicht an einzelnen Spielen scheitern. Beim Open-World Hack-and-Slash «Neverness to Everness» sind mir die Sticks schlicht zu klein. Wenn in der dritten Dimension Präzision gefordert ist, habe ich mit dem Prio Mühe.

Diese Funktionen fehlen
Haptisches Feedback gibt es nicht, ebenso wenig Rückseitentasten. Die Trigger sind zwar analog, aber nicht gebogen. Razers grössere Handy-Controller wie der Kishi V3 bieten das alles. Im Alltag habe ich es kaum vermisst. Ein faltbarer Controller für unterwegs muss nicht alles können, aber bei diesem Preis fällt es auf.
Der Prio ist seit Anfang September erhältlich. Razer hat mir den Controller für Testzwecke zur Verfügung gestellt.
Fazit
Cleveres Konzept mit Einschränkungen
Der Razer Prio ist toll gemacht: Er passt in die Hosentasche, ist in Sekunden aufgebaut und dank USB-C auf keinen Akku angewiesen. Das Steuerkreuz ist richtig gut, und mit «Dead Cells» und «Asphalt Legends» bereitet mir der Controller viel Freude.
Getrübt wird der Eindruck durch die kleinen Sticks, die mir bei «Neverness to Everness» zu fummelig sind, und die Tatsache, dass «Racing Master» bei mir nicht funktioniert. Dazu kommt ein hoher Preis von rund 100 Franken (Stand: 15. Oktober 2026) für einen Controller, dessen Ausstattung und Einsatzzweck eher klein sind. Für lange Sessions ist der Prio ohnehin nichts.
Wer vor allem Wert auf Platzsparen und ein gutes Steuerkreuz legt, wird mit dem Prio zufrieden sein. Vor dem Kauf lohnt sich ein Blick darauf, ob die eigenen Lieblingsspiele funktionieren.
Pro
- passt in die Hosentasche
- schneller Aufbau mit cleverem Mechanismus
- gutes Steuerkreuz
- kein Akku nötig dank USB-C
Contra
- kleine Sticks
- wenig Komfort bei langen Sessions
- nicht jedes Spiel funktioniert
- hoher Preis
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.
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