Solardach auf dem Velohelm: Der Poc Omne Eternal leuchtet, ohne ans Ladekabel zu müssen
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Solardach auf dem Velohelm: Der Poc Omne Eternal leuchtet, ohne ans Ladekabel zu müssen

Michael Restin
Michael Restin
Zürich, am 27.04.2022

Immer mehr Velohelme haben integrierte Lichter und müssen deshalb Strom tanken. Der Poc Omne Eternal kommt mit dem Umgebungslicht aus, um sich wieder aufzuladen. Damit fällt das nervige Kabelgefummel weg.

Ohne Licht am Helm geht bei mir nichts mehr. Ich bin vom Nutzen der Kopfbeleuchtung überzeugt und schalte sie ein, sobald ich aufs Velo steige. Frontlicht, Rücklicht, Blinker – will ich alles. Dafür nehme ich etwas mehr Gewicht durch den Akku und das gelegentliche Gewurschtel mit dem Ladekabel in Kauf. Denn der grösste Nervfaktor aller Gadgets und Geräte ist, dass sie regelmässig an die Steckdose müssen oder frische Batterien benötigen, um einsatzbereit zu sein. Darüber, wie viel Licht und ob es Blinker am Velohelm braucht, kann man streiten – und wie User durhomme anderer Meinung sein. Was uns alle eint, ist der Ladefrust.

Der Poc Omne Eternal soll das ändern. Zugegeben, er ist längst nicht so üppig beleuchtet wie mein Lumos Ultra, der Unit1 Faro oder der Livall BH51M Neo, dessen Nutzen der Kommentar oben in Zweifel zog. Er hat gar keine Blinker, sondern nur ein kleines rotes Rücklicht. Richtungsweisend ist er trotzdem.

Die LED leuchtet, sobald du den Helm trägst und geht aus, wenn du ihn wieder absetzt. So eine Start-Stopp-Automatik ist nett, aber nicht neu. Das Alleinstellungsmerkmal ist, dass du dich auch ums Aufladen nicht weiter kümmern musst. Du brauchst ihn nicht extra der Sonne auszusetzen, was dem Material des Helms auf Dauer ohnehin nicht guttun würde. Selbst aus Kunstlicht und natürlichem Umgebungslicht in Innenräumen saugt er neue Energie.

Das Besondere am Poc Omne Eternal ist sein «Solardach».
Das Besondere am Poc Omne Eternal ist sein «Solardach».
Bild: Exeger

Während Poc das Helm-Know-How mitbringt, steuert ein anderes schwedisches Unternehmen die Magie bei: Exeger mit seiner «Powerfoyle». Dünn und frei formbar gehören diese farbstoffsensibilisierten Solarzellen zur dritten Generation der Fotovoltaik – und an dieser Stelle will ich mich nicht weiter in Begriffen verheddern, von denen ich wenig bis nichts verstehe. Für Kenner:innen der Materie: So ist «Powerfoyle» aufgebaut.

Ach, so funktioniert das also.
Ach, so funktioniert das also.
Bild: Exeger

Europäischer Erfinderpreis für Exeger

Fakt ist: Die Exeger-Gründer Henrik Lindström und Giovanni Fili haben es geschafft, flexible Solarzellen zu entwickeln, die mit wenig Licht auskommen und marktreif sind. Dafür gab’s 2021 den Europäischen Erfinderpreis. Die Besonderheit sei, dass sich die Elektrode erstmals direkt hinter der lichtabsorbierenden Schicht befinde, wird Technikchef Lindström bei cleanthinking.de zitiert. Das bedeute, dass mehr Licht die Zelle erreicht und mehr elektrischer Strom erzeugt wird. Perfekt, um Alltagsprodukte wie Velohelme oder Kopfhörer damit auszustatten und autark zu machen.

Über «Powerfoyle» und den zu erwartenden praktischen Nutzen wird schon länger diskutiert. Bei digitec ging es 2019 sehr skeptisch, aber interessiert um einen selbstladenden Kopfhörer und überzogene Versprechungen. Und 2021 war man immer noch etwas skeptisch, was das ladebuchsenlose Leben angeht. Das inzwischen erhältliche Modell Los Angeles von Urbanista schlägt sich gut und hat eine rekordverdächtige Ausdauer, auch wenn bei Kunstlicht die Energie noch nicht ewig reicht.

Grosse Oberfläche, kleines Licht

Der Poc Omne Eternal wird es einfacher haben, seinem Namen gerecht zu werden. Grosse Oberfläche, kleines Licht – diese Rechnung sollte aufgehen. Anders als Kopfhörer trägst du den Velohelm selten drinnen, an Lichtzufuhr wird es nicht mangeln. Das macht aus ihm einen Helm mit integrierter LED, bei dem du dich tatsächlich um nichts kümmern musst. Dafür sorgt die Rundum-Automatik, die kaum ins Gewicht fällt. Cyclingnews hat gerade mal einen Unterschied von 25 Gramm zum Basismodell Omne Spin festgestellt und lobt Umsetzung und Idee über den grünen Klee.

Auf jeden Fall ist dieser Helm ein Fingerzeig in eine ladekabellose Zukunft, die hoffentlich hell und möglichst klimaneutral sein sollte. Dazu gehören dann ausserdem Reparatur- und Recyclingmöglichkeiten. Denn selbst wenn das Licht «ewig» halten sollte, kommt ein Velohelm irgendwann ans Ende seiner Lebensdauer. Noch steht er aber ganz am Anfang. Vorerst heisst es abwarten, falls du dich für den Omne Eternal interessierst. Vielleicht lädt er schneller als gedacht, dafür kommt er langsamer auf den Markt als geplant. Ursprünglich sollte er bereits 2021 erhältlich sein, nun wird der Sommer 22 anvisiert.

Der Poc Omne Eternal soll 250 Euro kosten.
Der Poc Omne Eternal soll 250 Euro kosten.
Bild: Poc

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Sportwissenschaftler, Hochleistungspapi und Homeofficer im Dienste Ihrer Majestät der Schildkröte.


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