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Produkttest

Soundcore Nebula X1 Pro im Test: absurd unnötig, absurd geil

Luca Fontana
12.9.2026
Kamera: Nico Bernasconi, Davide Arizzoli
Schnitt: Davide Arizzoli
Regie: Davide Arizzoli

Ein 33-Kilo-Rollkoffer mit 4K-Beamer, Dolby Vision, Subwoofer und vier Lautsprechern für Dolby Atmos? Klingt verrückt und ist es irgendwie auch. Trotzdem hatte ich mit einem Beamer selten so viel Spass.

Wer zum Geier denkt sich sowas aus!? Nicht zum ersten Mal in meinem Leben als Techredaktor habe ich mir beim Auspacken eines Testprodukts ernsthaft diese Frage gestellt. Der Nebula X1 Pro von Soundcore, Ankers Heimkino-Marke, gehört definitiv in diese Kategorie. Ein Rollkoffer als Heimkino. Klingt nach einer Schnapsidee. Ist aber, wie sich zeigen sollte, gar nicht so dumm.

Getestet habe ich den X1 Pro gleich zweimal: einmal klassisch im Wohnzimmer und einmal draussen im Garten mit Pizza, Bier und Film. Genau dieser zweite Test hat mir gezeigt, wofür das Ding eigentlich gebaut ist.

Handgepäck? Von wegen.

Also. Rollkoffer. Das klingt erstmal easy. Aber mit 32,8 Kilogramm Gesamtgewicht ist der X1 Pro eher ein Möbelstück auf Rädern als ein Reisebegleiter. Zum Vergleich: Das ist etwa so schwer wie ein 30-Liter-Bierfass. Hast du sowas schon mal vier Dörfer weit gerollt? Ich schon. Egal, andere Geschichte. In diesem Fass hat es kein Bier, sondern einen 4K-Beamer, einen Subwoofer, vier Lautsprecher und zwei Mikrofone für den gepflegten Karaoke-Abend.

Ja, Karaoke. Ich sagte doch: «Wer zum Geier denkt sich sowas aus?»

Zwei Mikrofone sind dabei. Ob das ein Feature oder eine Drohung für den nächsten Filmabend ist, liegt ganz bei dir.
Zwei Mikrofone sind dabei. Ob das ein Feature oder eine Drohung für den nächsten Filmabend ist, liegt ganz bei dir.
Quelle: Davide Arizzoli

Dazu kommen ein HDMI-Anschluss, zwei USB-C-Eingänge (fürs Aufladen der Mikrofone) und ein USB-A-Port. Alles in allem klingt das schon nach vollem Koffer. Und sobald das Ding mal rollt, macht die Koffer-Analogie sogar noch mehr Sinn: Der ausziehbare Griff, die zwei Rollen, das kompakte Format, in dem alle Komponenten fein säuberlich verstaut sind – das alles ist ein überraschend durchdachtes Transportkonzept. Fast wie ein Schweizer Sackmesser, nur eben für dein Heimkino.

Zwei Dinge trüben den ersten Eindruck aber sofort. Erstens: Da ist kein Akku. Ohne Steckdose, Powerstation oder Stromgenerator bleibt das Kino für unterwegs auch unterwegs dunkel. Zweitens: Das 2-Meter-Stromkabel ist viel zu kurz. Bei einem Gerät, das explizit für den mobilen Einsatz gebaut ist, finde ich das schwach.

Einrichten in wenigen Minuten

Nun denn, Zeit für den ersten Test zu Hause. Hinstellen, Strom dran, fertig. So verspricht's Soundcore. Tatsächlich richtet der X1 Pro sein Bild automatisch an der Leinwand aus, übernimmt Autofokus, Trapezkorrektur und sogar Farbkalibrierung, falls du keine Leinwand, sondern nur eine mehr oder weniger weisse Wand zur Verfügung hast. Dazu kommt eine elektrische Neigung von bis zu 25 Grad, die den Beamer auch auf unebenem Boden geradebiegt.

Die vier kabellosen Speaker haften magnetisch am Gehäuse und laden sich dort gleich mit auf. Du kannst sie einfach dranlassen, dann kommt der Sound nur aus dem Beamer selbst. Oder du nutzt sie so, wie es sich für ein anständiges Heimkino gehört, und nimmst sie raus: Die Front-Speaker seitlich wegziehen, die Rear-Speaker kurz reindrücken, worauf sie dir förmlich entgegenspringen. Danach verteilst du sie frei im Raum. Beim Einschalten startest du dann entweder gleich die Einmessung oder wechselst auf ein bereits gespeichertes Sound-Profil.

Vier Lautsprecher irgendwo hinstellen und auf Magie hoffen? Fast. Den Rest erledigt die automatische Einmessung.
Vier Lautsprecher irgendwo hinstellen und auf Magie hoffen? Fast. Den Rest erledigt die automatische Einmessung.
Quelle: Davide Arizzoli

Das alles nennt sich FlexWave. Klingt nach Marketing-Sprech, funktioniert aber. Das Soundsystem hat nämlich satte 400 Watt Gesamtleistung, verteilt auf den im Turm verbauten Subwoofer sowie auf die vier Bluetooth-Speaker. Dolby Atmos wird ebenfalls unterstützt, umgesetzt über Upfiring-Treiber, die den Ton Richtung Decke schicken. So kommt das 7.1.4-System zustande.

Echten Sound von oben, wie im Kino mit tatsächlichen Deckenlautsprechern, kriegst du damit trotzdem nicht. Dafür bräuchte es Speaker, die wirklich an der Decke hängen. Was du aber merkst, ist die Vertikalität im Sound – der Klang wirkt weniger flach und «füllt» den Raum gut auf. Und weil sich die vier Speaker frei im Zimmer verteilen lassen, entsteht ein Umhüllungsgefühl, das eine klassische Soundbar alleine so nicht hinkriegt. Geschweige denn ein Beamer ohne dieses System.

3500 ANSI-Lumen sehen auf dem Datenblatt abstrakt aus. Als Lichtschwert durchs Wohnzimmer schon deutlich weniger.
3500 ANSI-Lumen sehen auf dem Datenblatt abstrakt aus. Als Lichtschwert durchs Wohnzimmer schon deutlich weniger.
Quelle: Davide Arizzoli

Und das Bild? Dafür sorgt ein Triple-Laser. Sprich: drei separate Laserquellen für Rot, Grün und Blau, statt einer einzelnen Lichtquelle mit Farbrad, wie du sie von vielen anderen Beamern kennst. Der technische Vorteil ist, ganz knapp gesagt, dass du pro Grundfarbe drei saubere Wellenlängen kriegst, was nicht nur für mehr, sondern auch für kräftigere und präzisere Farben sorgt.

Wie kräftig, habe ich beim Test mit «Our Planet» auf Netflix gemerkt. Die Szene mit dem Korallenriff vor Australien – das satte Türkis des Wassers, dazwischen giftgrüne und orange Korallen – haut mich fast vom Sofa. Kein bisschen Aquarell-Look. Eher so knallig, dass ich einen Moment brauchte, um zu realisieren: Das ist keine übertriebene Bildmodus-Spielerei, das kommt einfach so aus dem Gerät raus.

Bei knapp drei Metern Bilddiagonale werden selbst Heuschrecken plötzlich zu Kreaturen, denen ich lieber nicht persönlich begegnen möchte.
Bei knapp drei Metern Bilddiagonale werden selbst Heuschrecken plötzlich zu Kreaturen, denen ich lieber nicht persönlich begegnen möchte.
Quelle: Davide Arizzoli

Dazu kommen 3500 ANSI-Lumen, was den X1 Pro ordentlich hell macht für einen Heimkino-Beamer, sowie Unterstützung für HDR10, HLG und Dolby Vision. Heisst in der Praxis: Auch bei etwas Raumlicht bleibt das Bild immer noch recht knackig, und der dynamische Kontrast von 56 000:1 verhindert, dass dunkle Szenen komplett absaufen.

Aufgelöst wird mit 3840 × 2160 Pixeln – wobei «aufgelöst» das entscheidende Wort ist. Wie die meisten Beamer in dieser Preisklasse nutzt auch der X1 Pro keinen physischen 4K-Chip, sondern verschiebt einen Full-HD-Chip mehrfach pro Sekunde so schnell, dass daraus ein 4K-Bild entsteht. Mit blossem Auge unterscheidest du das nicht von echtem 4K.

Projizieren kannst du damit Bilder zwischen 50 und satten 300 Zoll Diagonale, wobei Soundcore selbst bis 200 Zoll empfiehlt. Und weil der X1 Pro einen motorisierten, 1,67-fachen optischen Zoom mitbringt, musst du ihn auch nicht jedes Mal zentimetergenau platzieren – ein bisschen Spielraum bei der Entfernung zur Wand gleicht das Gerät selbst aus.

Der eigentliche Test: raus in den Garten

Im Wohnzimmer liefert der X1 Pro also einen richtig guten High-End-Beamer ab. Nur: Für 5000 Franken ein derart schweres Fass von Beamer kaufen, um ihn dann stationär im Wohnzimmer stehen zu lassen? Dafür gibt es spürbar günstigere, stationäre Alternativen mit vergleichbarer Bildqualität. Zum Beispiel diese hier:

Der eigentliche Witz am X1 Pro liegt eh woanders – nämlich draussen. Und genau dort beginnt normalerweise das Elend: Woher kommt der Ton? Die eingebauten Lautsprecher portabler Beamer sind selten gut. Also schleppst du vielleicht deine Soundbar nach draussen. Die muss natürlich auch an den Strom, dann muss sie noch mit dem Beamer verbunden werden, meistens per Kabel, das im Garten natürlich nirgends lang genug ist, und dann stehst du da und denkst dir: «Ach, ich geb's auf!»

Oder aber du hast direkt zur Ersatzlösung gegriffen: irgendeine Bluetooth-Box, die eigentlich fürs Musikhören am Pool gedacht ist, und die jetzt herhalten muss, um Filmsound daraus zu quetschen. Aus einer einzigen Richtung, mit einem einzigen kleinen Treiber, der nie dafür designt wurde, Explosionen oder Dialoge glaubwürdig rüberzubringen. Geht auch. Ist aber scheisse.

Die Leinwand steht, die Plätze sind reserviert. Jetzt fehlt eigentlich nur noch die wichtigste Zutat: Dunkelheit.
Die Leinwand steht, die Plätze sind reserviert. Jetzt fehlt eigentlich nur noch die wichtigste Zutat: Dunkelheit.
Quelle: Davide Arizzoli

Genau hier lässt der X1 Pro seine Muskeln spielen. Ich rolle den Koffer in den Garten, stelle ihn vor einer mittelteuren Outdoor-Leinwand von Elite Screens auf, nehme die vier Speaker raus, verteile sie im Rasen – und fertig ist das Setup. Keine Soundbar, die ich erst mit Strom und dann mit dem Beamer hätte verkabeln müssen. Keine einzelne Bluetooth-Box, die sich redlich, aber vergeblich an einem ganzen Film abarbeitet. Stattdessen ein richtiges Surround-System mit vier Speakern plus Subwoofer.

Geil!

Sobald ich die Lautstärke dann noch etwas hochdrehe, kommt der Bass mit einer Wucht, die ich so von rollbarem Equipment nicht erwartet hätte. Kombiniert mit den verteilten Speakern ringsum ergibt das diesen einen Oha-Moment, den du fast erlebt haben musst, um ihn mir abzukaufen. Kein Vergleich zur einzelnen Bluetooth-Box, die tapfer versucht, einen ganzen Kinosaal zu ersetzen und dabei krachend (oder eben nicht so krachend) scheitert. Ich schnappe ein Bier, schiebe mir das erste Stück Pizza rein – und geniesse das Leben.

Jetzt, genau jetzt, ergibt der X1 Pro plötzlich Sinn.

Wenn der Garten zum Kinosaal wird, fehlen eigentlich nur noch Popcorn, Bier und jemand, der zu spät zur Vorstellung kommt.
Wenn der Garten zum Kinosaal wird, fehlen eigentlich nur noch Popcorn, Bier und jemand, der zu spät zur Vorstellung kommt.
Quelle: Davide Arizzoli

Nicht, dass mir das Bild im Wohnzimmer nicht gefallen hätte. Im Gegenteil. Aber ein guter High-End-Beamer, verbunden mit einer guten Heimkino-Anlage – das kenne ich schon. Ein komplettes, verdammtes Kino-Paket, das sich derart unkompliziert nach draussen nehmen lässt? Das hingegen ist selbst für mich neu.

Trotzdem: Anker verkauft das Konzept für meinem Geschmack etwas gar gross. Auf den Marketingbildern steht der X1 Pro mitten in der Natur am Lagerfeuer neben einem Van. So mobil ist das Ding dann auch wieder nicht. Realistisch bleibt er an eine Steckdose oder eine potente Powerstation gebunden, und mit 32,8 Kilogramm ist er eher ein Fall für den eigenen Garten als für den Waldweg.

Sound-Reflektion von oben unter freiem Himmel. Black magic!
Sound-Reflektion von oben unter freiem Himmel. Black magic!
Quelle: Anker

Und noch etwas: Egal, wie hell ein Beamer strahlt – gegen die Sonne hat er keine Chance. Auch der X1 Pro nicht. Richtig los geht’s deshalb erst nach Sonnenuntergang. Das ist keine Schwäche, sondern schlicht Physik. Selbst professionelle Open-Air-Kinos warten mit ihren viel stärkeren Projektoren, bis die Sonne weg ist. Aus gutem Grund.

Fazit

Der Nebula X1 Pro gehört nach draussen

Wenn du einen Beamer suchst, der fest in deinem Wohnzimmer steht, ist der X1 Pro nicht dein Gerät. Du zahlst dann für Grösse, Gewicht und ein mobiles Soundsystem, das du so nie brauchst – und bekommst für weniger Geld sowieso stationäre Beamer mit vergleichbarem Bild. Sinn ergibt er erst draussen: beim Fussballschauen mit Freunden oder beim spontanen Filmabend im Garten, weil er in Minuten aufgebaut ist, ohne Kabelsalat. Für genau diesen Moment ist er gemacht.

Nur: Je nach Angebot kostet der X1 Pro rund 3500 bis 5000 Franken, während der X1 ohne das mobile Soundsystem für etwas mehr als 2000 Franken zu haben ist. Der Aufpreis steckt also fast komplett im mobilen Gesamtkonzept samt Sound – und den musst du dir leisten wollen, denn die Speaker bleiben, so gut sie auch klingen, Bluetooth-Speaker und kein Heimkino-Soundsystem dieser Preisklasse. Wer den X1 Pro hauptsächlich im Wohnzimmer stehen lassen will, zahlt darum viel Geld für Vorteile, die sie oder er kaum nutzt.

Wer aber genau von diesem unkomplizierten Kinoabend draussen träumt, bekommt eines der spassigsten Testgeräte, die mir seit Langem in die Finger gekommen sind. Kein perfektes Produkt, kein besonders vernünftiges Produkt – aber eines, das mich im Test ehrlich begeistert hat, mit genau jenen Momenten, in denen Technik aufhört, eine Rechnung aus Datenblatt und Preis-Leistung zu sein, und einfach nur noch Spass macht.

Pro

  • helles, farbstarkes Laserbild mit Dolby Vision
  • komplettes 7.1.4-Soundsystem mit Dolby Atmos in wenigen Minuten aufgestellt
  • durchdachte Auto-Einrichtung (Fokus, Trapez, Farbkalibrierung)
  • verwandelt spontane Outdoor-Filmabende in echtes Kino-Feeling

Contra

  • kein Akku – ohne Steckdose kein Kinoabend
  • absurd kurzes Stromkabel
  • mit 32,8 kg alles andere als leicht, handlich und mobil
  • hoher Preis für alle, die ihn primär im Wohnzimmer nutzen wollen
Produktbild Anker Nebula X1 Pro (4K, 3500 lm, 0.90:1 - 1.50:1)
Beamer

Anker Nebula X1 Pro

4K, 3500 lm, 0.90:1 - 1.50:1

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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