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GPTrack50
Hintergrund

«Stupid Never Dies» Vorschau: Zombies, Leichen, Liebe und Punkrock

In «Stupid Never Dies» killst du keine Zombies, sondern bist selbst einer. Das Erstlingswerk des japanischen Studios GPTrack50 ist eine bunte Reizüberflutung – und entsteht unter der Leitung einiger namhafter Veteranen der Gaming-Branche.

«Stupid Never Dies» ist eines dieser Spiele, die sich kaum in Worte fassen lassen. Das neueste Baby von «Resident Evil 6»-Director Eiichiro Sasaki ist spielbarer Punkrock – bunt, chaotisch und unvorhersehbar.

Ich habe den Fiebertraum vor dem Release im Oktober bereits angezockt und mich mit Sasaki über Zombies, Liebesgeschichten und die Inspirationen des noch jungen Studios GPTrack50 unterhalten.

Director Eichiro Sasaki (rechts) und Art Director Genseki Tanaka (links) stehen Rede und Antwort.
Director Eichiro Sasaki (rechts) und Art Director Genseki Tanaka (links) stehen Rede und Antwort.
Quelle: GPTrack50

Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte

Die Menschheit wurde von Monstern ausgelöscht. Werwölfe, Vampire, Echsenmenschen und allerlei weitere mythische Wesen haben ganze Zivilisationen zerstört und sich danach unter die Erde verkrochen. Auf der Erdoberfläche sind mehrheitlich Zombies übrig geblieben – und ich schlüpfe in die Rolle eines dieser Untoten.

Sasaki erklärt: «Zombies sind beliebte Gegner in Games – bei uns sind sie spielbare Charaktere.» In der Welt von «Stupid Never Dies» geniessen die Untoten jedoch einen schlechten Ruf. Gemäss Sasaki sind es die niedrigsten Kreaturen in der Monster-Rangliste. «Und unser Protagonist Davy ist der niedrigste und dümmste unter den Zombies. Ein kompletter Loser.»

Ich muss laut loslachen. Noch nie habe ich einen Game-Director so über seinen Helden reden hören. Armer Davy.

Eines Tages findet der Loser-Zombie auf einem seiner hirnlosen Streifzüge in einem Einkaufszentrum etwas ganz Besonderes. Die gefrorene Leiche der bildhübschen Studentin Julia. Der Untote verliebt sich in die eiskalte Tote. Julia ist während des «Grossen Krieges» – so der Name für den Untergang der Menschheit – in einer Tiefkühlabteilung erfroren.

Sasaki meint, man solle diese Liebesgeschichte ernst nehmen, auch wenn sie zunächst merkwürdig erscheint. «Ein Zombie verliebt sich in eine Leiche. Ja, unsere Story ist absurd. Aber aus Davys Perspektive ist es seine erste grosse Liebe. Als Mensch hatte er keine romantischen Beziehungen. Für ihn ist Julia etwas Spezielles.»

In einer Tiefkühlabteilung liegt sie. Julia, Davys erste grosse Liebe.
In einer Tiefkühlabteilung liegt sie. Julia, Davys erste grosse Liebe.
Quelle: GPTrack50

Kurz nach seiner schicksalhaften Begegnung trifft Davy auf den verrückten Wissenschaftler Dr. Frank. Er verspricht Davy, dass er Julia retten und wiederbeleben kann. Alles, was Davy dafür tun muss? In die Unterwelt reisen, Monster verkloppen und am Ende seines Abenteuers den «KOM» – King of Monsters – töten, der für die ganze Misere verantwortlich ist.

Natürlich willigt Davy ein und wird unweigerlich zum Helden der Menschheit. Sasaki resümiert: «Davy kämpft nicht, um die Welt zu retten. Er kämpft nur aus egoistischen Gründen. Um seine gefrorene Liebe zu retten.»

Dr. Frank verspricht Davy die Rettung seiner grossen Liebe.
Dr. Frank verspricht Davy die Rettung seiner grossen Liebe.
Quelle: GPTrack50

«Ich liebe Punkrock»

Wie sich Davy in Julia verliebt, so verliebe ich mich von der ersten Sekunde an in die abstruse Welt von «Stupid Never Dies». Die Charaktere sind allesamt verrückt, laut und lustig geschrieben. Der einzigartige Artstyle erschlägt mich mit satten Farben und einer wilden Mixtur zahlreicher Einflüsse. Ich fühle mich an abgedrehte Suda-51-Titel wie «Lollipop Chainsaw Massacre» und «No More Heroes» erinnert. Das macht einfach Spass!

Davys Gang. Der Typ mit dem Scheinwerfer ist eigentlich ein sprechender Chihuahua.
Davys Gang. Der Typ mit dem Scheinwerfer ist eigentlich ein sprechender Chihuahua.
Quelle: GPTrack50

Das Leitmotiv für die visuelle Identität des Spiels: Punkrock. Sasaki meint: «Ich liebe Punkrock. Unser Spiel ist Punkrock, visuell und im Geiste.» Für die künstlerische Gestaltung verantwortlich zeigt sich Genseki Tanaka, der zuvor bei Ubisoft an Games wie «Far Cry» und «XDefiant» gearbeitet hat. Neben Tanaka und «Resident Evil 6»-Director Sasaki finden sich bei GPTrack50 weitere bekannte Namen aus der Gaming-Industrie.

Das japanische Studio wurde 2022 von Hiroyuki Kobayashi gegründet, der zuvor bei Capcom 27 Jahre lang an Spielreihen wie «Resident Evil», «Devil May Cry» und «Dragon's Dogma» arbeitete. Ebenfalls mit an Bord: «Resident Evil 4 Remake»-Level-Designer Koji Kakae und «Sengoku Basara»-Veteran Sinya Shigeyoshi.

Um in die Unterwelt zu gelangen, sitzt Davy auf eine magische Kloschüssel und spült sich hinunter.
Um in die Unterwelt zu gelangen, sitzt Davy auf eine magische Kloschüssel und spült sich hinunter.
Quelle: GPTrack50

Mit «Stupid Never Dies» lösen sich die erfahrenen Entwickler von allen Fesseln, die mit der Arbeit an langjährigen Spielreihen verbunden sind. Sie starten bei Null.

Sasaki ist sich bewusst, dass ein Neuanfang nicht leicht ist: «Es ist immer ein Risiko, Neues zu erschaffen. Aber das wollen wir tun – und Spass daran haben.» Selbstbewusst fügt er hinzu: «Wir vertrauen unserem Können und unseren Erfahrungen, die wir während unserer Karrieren sammeln konnten.»

Immer tiefer in die Unterwelt

GPTrack50 beschreibt «Stupid Never Dies» als Action-Rollenspiel. Das ist nicht falsch, aber auch nicht die ganze Wahrheit. Im Kern ist das kunterbunte Abenteuer nämlich ein Roguelike. Mein Ziel ist es, die tiefsten Tiefen der Unterwelt innerhalb eines Zeitlimits zu erreichen. Natürlich schaffe ich das nicht beim ersten Anlauf. Auch nicht beim zweiten, dritten oder zwanzigsten.

Nach jedem Run setze ich Ressourcen, die ich in der Unterwelt gesammelt habe, für permanente Upgrades ein, die ich im Einkaufszentrum erwerbe. Mit diesen levelt Davy in den Untergrund-Dungeons schneller hoch, vermöbelt einfacher Monster und erreicht immer tiefere Welten. Hinzu kommen temporäre Upgrades, die ich im Untergrund finde und die sich bei jedem Run unterscheiden.

Welche Upgrades dürfen's sein?
Welche Upgrades dürfen's sein?
Quelle: GPTrack50

Der Einstieg in das Game ist zäh. Ich werde mit unzähligen Tutorials überhäuft und Davys erste Runs sind langweilig. Der Zombie verfügt über keine spannenden Fähigkeiten und entwickelt sich nur langsam weiter.

In einem späteren Spielabschnitt fühle ich den Unterschied zum Anfang deutlich: Davy sammelt mit Lichtgeschwindigkeit XP, schaltet alle paar Minuten neue Perks frei und prügelt sich mit Leichtigkeit durch grosse Gegnerhorden.

Das Game wird mit zunehmender Spielzeit schneller, spektakulärer und besser. Wie ein Schneeball, der einen Hügel herunterrollt. Ein spannender Ansatz – der jedoch mit Nachteilen kommt, die ungeduldige Gamer abschrecken könnten.

Um gegen die späteren harten Brocken zu bestehen, werde ich viele Upgrades benötigen.
Um gegen die späteren harten Brocken zu bestehen, werde ich viele Upgrades benötigen.
Quelle: GPTrack50

«Wieso sollte sich ein Zombie um seine Defensive kümmern?»

Beim Kampfsystem verfolgt das Studio ebenfalls einen unkonventionellen Ansatz, frei nach dem Motto: Blocken und Ausweichen ist für Weicheier.

Davy geht bei jeder Begegnung All-In. Seine Angriffe füllen eine «Bite Gauge». Ist diese voll, kann ich Gegner beissen und ihnen Lebensenergie abzapfen. Attackiert ein Feind, lohnt es sich, mit einem «Stupid Parry» (ich liebe diesen Namen!) in den Angriff zu springen und für maximalen Schaden zu kontern. Wie gesagt: Blocken und Ausweichen ist für Weicheier.

In den Kämpfen ist ganz schön was los.
In den Kämpfen ist ganz schön was los.
Quelle: GPTrack50

Sasaki nennt diesen offensiven Kampfstil «Funky Zombie Action». Er erklärt, wie dieser ungewöhnliche Ansatz entstanden ist: «Von Anfang an war klar: Wir wollen einen spielbaren Zombie haben. Dann haben wir uns überlegt, über welche Fähigkeiten Zombies verfügen.» Er lächelt und fährt fort: «Das Wichtigste an einem Zombie ist: Er ist schon tot. Er kann nicht mehr sterben. Also, wieso sollte sich ein Zombie um seine Defensive kümmern?»

Sterben? Fehlanzeige. Wird Davy bei einem Untergrundausflug besiegt, landet er wieder unbeschadet im Einkaufszentrum bei Dr. Frank.
Sterben? Fehlanzeige. Wird Davy bei einem Untergrundausflug besiegt, landet er wieder unbeschadet im Einkaufszentrum bei Dr. Frank.
Quelle: GPTrack50

Besonders cool: Davy kann die Kampfstile starker Elite-Gegner mit Beissangriffen kopieren. So verwandelt sich der Untote temporär in einen Werwolf, eine Fee oder eine Harpie. Ich kann jederzeit zwischen den Stilen hin- und herwechseln und sie pro Run temporär upgraden. Sasaki verrät, dass es im fertigen Game insgesamt 11 kopierbare Stile geben wird.

Je nach Stil ändert sich der Flow der Kämpfe drastisch.
Je nach Stil ändert sich der Flow der Kämpfe drastisch.
Quelle: GPTrack50

In meiner begrenzten Zeit mit dem Spiel werde ich leider nicht richtig warm mit dem Kampfsystem – auch wenn ich den offensiven Ansatz und die kopierten Stile auf Papier spannend finde.

Selbst nach dem gefühlt tausendsten vermöbelten Gegner macht es bei mir noch nicht «Klick». Davys Attacken fühlen sich zu träge und unpräzise an. Ich vermisse zudem schmerzlich ein Lock-On-System. Besonders Feinde in der Luft kann ich ums Verrecken nicht verlässlich treffen. Verdammt nochmal, Davy! Gib dir mal Mühe. Du kämpfst schliesslich für Julia!

Mein Liebling: der Werwolf.
Mein Liebling: der Werwolf.
Quelle: GPTrack50

Mit einigen Kampfstilen freunde ich mich mehr an als mit anderen. So gefällt mir der brachiale Werwolf, der mit seinen Wirbelattacken mehrere Gegner gleichzeitig weghaut. Die Harpie erweist sich in meinen Runs als nervige Bestie, die ich partout nicht kontrollieren kann. Ich treffe Gegner nicht, bin zu langsam und fliege wie besoffen durch die Levels.

Für die Harpie bin ich zu blöd. Oder zu wenig blöd?
Für die Harpie bin ich zu blöd. Oder zu wenig blöd?
Quelle: GPTrack50

Aus positiver Perspektive betrachtet ist das Spielgefühl von «Stupid Never Dies» einzigartig – ich kann dir kein Game nennen, das sich ähnlich steuert und so konsequent auf defensive Moves pfeift.

Ich werde dem lauten Punkrock-Fiebertraum zum Launch auf jeden Fall eine Chance geben. Vielleicht muss ich mein Muskelgedächtnis vergangener Action- und Hack-and-Slash-Spiele bewusster unterdrücken, um das Kampfsystem zu fühlen. Defensive, Präzision und Schnelligkeit vergessen. Kurzum: selbst zum Zombie werden und einfach hirnlos drauflos attackieren.

«Stupid Never Dies» erscheint am 22. Oktober für PS5 und PC. GPTrack50 hat mich zu einem Vorschau- und Interviewtermin an der Gamescom eingeladen.

Titelbild: GPTrack50

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Meine Liebe zu Videospielen wurde im zarten Alter von fünf Jahren mit dem ersten Gameboy geweckt und ist im Laufe der Jahre sprunghaft gewachsen.


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