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Vom Emmental in die NHL

Patrick Bardelli
Patrick Bardelli
Zürich, am 20.01.2020
Video: Manuel Wenk
Mitarbeit: Armin Tobler
Explosiver Antritt, gute Schusstechnik, herausragende Übersicht – Finn Naber ist eine der grossen Nachwuchshoffnungen des Schweizer Eishockeys. Ein Besuch im Emmental beim Ausnahmetalent.

Freitagmittag, Ilfishalle in Langnau. Finn Naber, 15 Jahre alt, ist eben aus der Schule in Bern zurück in Langnau. Zeit fürs Mittagessen im Stadionrestaurant. Fleisch und Teigwaren liegen auf seinem Teller. Protein und Kohlenhydrate bringen die Energie für das Spiel am Abend gegen seinen alten Verein. Ob die SCL Young Tigers dieses gewinnen werden, siehst du im Video oben.

Von Basel nach Langnau

Es muss im Winter 2017 gewesen sein. An einem Samstagabend war ich damals auf der alten Kunsteisbahn Margarethen in Basel zum Schlittschuhlaufen. Bei einer heissen Schoggi wärmten sich meine Tochter und ich im Beizli auf und trafen dort ihre Primarlehrerin Andrea Naber. Der übliche Smalltalk. «Hallo, wie geht's und was machen sie denn hier?» Sie schaue ihrem Sohn beim Hockeyspielen zu. Auf meine Bemerkung, dass auf dem Eis doch gar kein Spiel laufe, zeigte Andrea auf den Fernseher an der Wand. «Mein Sohn spielt heute in Kanada an einem Einladungsturnier für europäische Nachwuchstalente.»

Damals gehört Finn Naber zu den Junioren des EHC Basel und den Besten seines Jahrgangs in der Schweiz. Sein Talent bleibt nicht unentdeckt. Im Sommer 2019 wechselt er mit einem Fünfjahresvertrag nach Langnau zu den SCL Young Tigers. Auch andere Vereine sind am 15-Jährigen interessiert, doch Finn entscheidet sich für das Emmental.

Finn Naber, Hockeytalent aus Basel.
Finn Naber, Hockeytalent aus Basel.

Rundumbetreuung

Das Emmental ist Hockeyland. Der schnelle Mannschaftssport ist Religion, hier wird Hockey geatmet, gelebt, gearbeitet. Und der Teenager aus Basel scheint bestens aufgehoben. Er wohnt einen Puckwurf vom Stadion entfernt in der Spieler-WG. Die Geschäftsstelle der SCL Tigers befindet sich gleich die Treppe runter. Die Schlummermutter sorgt für frische Wäsche und mehr. Der Verein kümmert sich um alles andere. Finn besucht in Bern halbtags die Handelsschule, der Rest ist Hockey.

Rundumbetreuung? Okay, der Platz in der Garderobe gehört nicht dazu.
Rundumbetreuung? Okay, der Platz in der Garderobe gehört nicht dazu.

«Wir sind überzeugt von Finns Fähigkeiten», sagt Jürg Aeschbach, Geschäftsführer der Young Tigers. Und auch der Trainer der U17-Elite, Samuel Balmer, ist voll des Lobes. Der langjährige Nationalspieler muss es wissen. Schliesslich spielte er in seiner Karriere unter anderem bei Fribourg Gottéron mit den legendären Bykow und Chomutow im selben Block. «Finn hat einige herausragende Eigenschaften. Sein Antritt, seine Schusstechnik und vor allem sein Auge fürs Spiel sind überdurchschnittlich.»

Der nächste Josi?

Explosiver Antritt, feine Schusstechnik und Spielmacherqualität? Rosige Perspektiven. Wächst im Emmental gar der nächste Roman Josi heran? Der Verteidiger der Nashville Predators hat auf diese Saison hin seinen Vertrag in Tennessee vergoldet. Geschäftsführer Aeschbach und Coach Balmer winken ab. Es sei zu früh, um solche Prognosen zu wagen. Zu viel könne auf dem Weg zum Profi schiefgehen. Schliesslich sei Finn gerade mal 15 Jahre alt. Eine schwere Verletzung könne schon reichen und eine ganze Karriere sei vorbei, bevor sie begonnen habe.

Puck und Mitspieler im Blick.
Puck und Mitspieler im Blick.

Und Finn selber, wo sieht er sich in fünf Jahren? «Am liebsten in der National Hockey League. Das wünschen sich wohl alle Jungs hier in der Garderobe.» Und bei welchem Verein? «Bei den Toronto Maple Leafs», kommt die prompte Antwort. «Mein Lieblingsspieler ist Auston Matthews.» Die Nummer 34 der Kanadier ist zwar im Gegensatz zu Finn Naber Stürmer, macht aber nichts. Schliesslich verbucht Finn gegen seinen Ex-Verein an diesem Abend ein Tor und ein Assist. Am Ende steht es 7:0. Und der Bebbi hat wesentlichen Anteil am Sieg. Einige Tage später erhält Finn das Aufgebot für die U16-Nationalmannschaft und vertritt die Schweiz im Januar an den Youth Olympic Games in Lausanne.

Schöne Aussichten für einen 15-Jährigen aus Basel, der sich im Emmental auf den langen Weg in die NHL macht.

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Patrick Bardelli

Senior Editor, Zürich

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