Was du beim Kauf einer Bohrmaschine beachten solltest
Kaufratgeber

Was du beim Kauf einer Bohrmaschine beachten solltest

Carolin Teufelberger
Carolin Teufelberger
Zürich, am 20.08.2021
Nachdem du schon Hammer, Schraubenzieher und einen Meter hast, willst du dir endlich eine Bohrmaschine kaufen. Aber welche ist die richtige? Akkuschrauber, Schlagbohrer oder doch lieber eine Tischbohrmaschine? Und wie geht eigentlich das mit der Drehzahl?

Zur ersten eigenen Wohnung habe ich damals einen Akku-Bohrschrauber von meinem Vater bekommen. So einer gehöre zur Grundausstattung eines jeden Haushalts, meinte er. Das sieht wahrscheinlich nicht jede:r so, auch ich war etwas skeptisch. Blumen hätten es auch getan. Unterdessen stimme ich meinem Vater zu. Spätestens beim ersten Heimwerk-Projekt wäre ich bei ihm oder Freund:innen als Bittstellerin vor der Tür gestanden. Und auch sonst brauche ich das Ding regelmässig, sei es um Bilder aufzuhängen, Regale zusammenzuschrauben oder fürs Zügeln.

Der Akku-Bohrschrauber ist aber nur eine Unterkategorie der Bohrmaschine. Trifft sie auf Beton oder Mauerwerk, muss sie sich geschlagen geben. Es fehlt ihr an Schlagkraft. Da wäre dann der eingangs erwähnte Schlagbohrer angebracht. Aber gehen wir doch kurz die gängigsten Typen durch, denn sie alle bedienen ein etwas anderes Bedürfnis.

Wer sich das nicht alles einzeln durchlesen mag, kann zum Zwischentitel «Kurz zusammengefasst». Dort erfährst du kurz und knapp, was in welchem Fall empfehlenswert ist.

Schrauber

Der Schrauber ist keine Bohrmaschine, sondern bloss ein elektrischer Schraubenzieher. Deshalb hat er auch kein Bohrfutter, sondern nur eine Sechskant-Aufnahme für die verschiedenen Metallstifte mit Schraubenkopfprofilen, Bits genannt. Ganz einfache Geräte gibt’s schon relativ günstig, dafür musst du sie vielleicht wie den Bosch IXO über Mikro-USB aufladen. Der Schrauber reicht aus, wenn du nicht vorhast, damit zu bohren, sondern nur ab und zu ein paar Regale zusammenbauen willst. Ansonsten greifst du lieber zur nächsten Variante.

DCF620P2K-QW Akku-Magazinschrauber (18 V, 5000 mAh)
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DeWALT DCF620P2K-QW Akku-Magazinschrauber (18 V, 5000 mAh)

Bohrschrauber

Wie der Name vermuten lässt, kann mit dem Bohrschrauber gebohrt und geschraubt werden. Ihn gibt es mit Kabel oder Akku. Mit Akku bist du flexibler, dafür ist er bei gleicher Leistung meist schwerer als sein kabelgebundenes Pendant. Zudem kommen die Akku-Modelle nicht ganz an die maximale Leistung von verkabelten heran. Die meisten Bohrschrauber verfügen über zwei Gänge (schneller und langsamer) oder eine Drehmomentregelung sowie die Möglichkeit, die Drehbewegung zu ändern (links und rechts). Dazu im Kapitel «Aber was ist denn diese Kraft?» mehr.

Schlagbohrmaschine

Sie bohrt sich nicht nur ins Material, sondern schlägt auch zu. Diese Funktion wird mechanisch mit einer verzahnten Scheibe an der Antriebswelle ausgelöst. So kannst du auch in härteres Material wie Gasbeton oder Lochziegel bohren – mit Druck von dir. Schalte die Funktion aber erst ein, wenn du durch den Putz durch bist. Für üblichen Beton greifst du lieber zum Bohrhammer, sonst wird's ziemlich anstrengend. Bei den meisten Schlagbohrmaschinen lässt sich die Schlagfunktion auch ausschalten, um in Holz oder Metall zu bohren.

Bohrhammer

Im Gegensatz zur Schlagbohrmaschine arbeitet der das Schlagwerk des Bohrhammers (elektro)pneumatisch, wodurch er viel mehr Power hat. Du musst kaum selber Druck ausüben, um den Bohrer in die Wand zu bekommen, sondern musst dich eher darauf konzentrieren, die Maschine in Position zu halten.

Winkelbohrmaschine

Die Winkelbohrmaschine ist eine spezielle Form des normalen Bohrschraubers oder auch einer Schlagbohrmaschine. Ihr Kopf kann bis zu einem Winkel von 90 Grad verstellt werden, sodass du auch an schwer zugängliche Stellen gelangst.

Bohrmaschine + Schlagbohrmaschine
Winkelbohrmaschine (Netzbetrieb)
Bosch Professional Winkelbohrmaschine (Netzbetrieb)

Manuelle Bohrmaschine

Kein Akku, kein Stromkabel, nur deine Muskelkraft sorgt hier für den Antrieb. Du kannst dir vorstellen, dass du damit eher durch weiches Holz als Beton kommst. Besonders geeignet sind die manuellen Bohrmaschinen für feinmechanische Arbeiten wie im Modellbau. Oder auch für Kinder, denen du nicht gleich die grossen Maschinen in die Hand geben willst.

Bohrmaschine + Schlagbohrmaschine
Handbohrmaschine (Keine)
Technocraft Handbohrmaschine (Keine)
3
Kinderwerkbank
Handbohrmaschine
Youngworker Handbohrmaschine
1

Tischbohrmaschine

Bis jetzt waren alle aufgeführten Typen handgeführte Maschinen, also solche, die du zum Bohren in der Hand hältst. Dieser Typ aber kommt auf den Tisch. Die Tischbohrmaschine besitzt einen Bohrkopf und einen Bohrtisch, auf dem dein Werkstück liegt. Ihr Bohrkopf wird senkrecht abgesenkt und bohrt so ein perfekt gerades Loch, das du von Hand kaum hinkriegst. Auch musst du das Gewicht der Maschine nicht tragen, was zu weniger Ermüdungserscheinungen führt. Dafür aber muss dein Werkstück zum Bohrer, was ab einer gewissen Grösse zum Problem werden kann.

Tischbohrmaschine
BM-12
Alduro BM-12

Kurz zusammengefasst

Der Schrauber eignet sich für leichte Montagearbeiten, wie das Zusammenschrauben von Möbeln. Der Bohrschrauber kann schrauben und bohren, kommt aber nicht durch festeres Material wie Lochziegel. Dafür brauchst du eine Schlagbohrmaschine. Wird's noch härter, wie mit Beton, dann brauchst du gar einen Bohrhammer. Wenn deine Bohrarbeit an schwer zugänglichen Orten liegt, dann greife zur Winkelbohrmaschine. Arbeitest du fein und filigran, dann brauchst du vielleicht gar keinen elektrischen Antrieb, sondern nur deinen Muskelkraft und eine manuelle Bohrmaschine. Willst du perfekte Löcher im Akkord in Werkstücke bohren und hast genug Platz, dann lohnt sich eine Tischbohrmaschine.

Was ist die Drehzahl?

Die Wahl der richtigen Bohrmaschine ist aber nur die halbe Miete. Drehzahl und Drehmoment spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Drehzahl ist die Geschwindigkeit, mit der die Bohrmaschine den Bohrer dreht. Bewegt sich der Bohrer langsam, hast du eine tiefe Drehzahl. Bewegt er sich schnell, eine hohe. Logisch. Die Drehzahl wird in Umdrehungen pro Minute angegeben. Das erklärt aber alles noch nicht, wie du die richtige Drehzahl wählst. Hierfür gibt es eine relativ einfache Faustregel:

Je kleiner der Bohrer, desto höher ist die Drehzahl. Und je härter das Material, desto tiefer ist sie.

Heisst also: Wenn du einen kleines Loch mit einem kleinen Bohrer bohrst, dann muss die Drehzahl hoch, um eine ordentliche Schnittgeschwindigkeit zu erreichen. Ein Bohrer mit einem grossen Durchmesser hingegen braucht mehr Kraft und deshalb eine geringere Drehzahl, um die gleiche Schnittgeschwindigkeit zu erreichen. Dann gibt’s aber noch einen Unterschied, ob du weiches Holz wie Linde oder hartes wie Buche bearbeiten willst. Für ersteres kann du die Drehzahl und somit die Geschwindigkeit ruhig höher drehen, da die Bohrmaschine nicht viel Kraft braucht, um durchs Material zu bohren. Und wie stellt man sie ein? Bei den meisten Heimwerker-Maschinen gar nicht. Sie regelt sich über den Druck auf den «Abzug». Willst du also langsam bohren, darfst du den Schalter nicht ganz durchdrücken. Mit perfekter Drehzahlberechnung wird’s also nichts.

Aber was ist denn diese Kraft?

Geschwindigkeit alleine reicht noch nicht, die Maschine braucht auch Kraft. Oder Drehzahl und Drehmoment. Sie zusammen ergeben die Leistung deiner Bohrmaschine. Dreht sich der Bohrer schnell und mit viel Kraft, erbringt er eine höhere Leistung als ein sich langsam drehender Bohrer mit wenig Kraft. Aber: Bei der Bohrmaschine geht eine Erhöhung der Drehzahl mit einer Abnahme des Drehmoments einher. Für diese Regelung sind die zwei Gänge zuständig, die deine Bohrmaschine besitzen sollte. Im ersten Gang wird die Drehzahl gedrosselt, dafür ein höheres Drehmoment erreicht. Im zweiten Gang ist es genau umgekehrt. Der Bohrer dreht sich schnell, dafür mit weniger Kraft. Das ist wie beim Autofahren. In den hohen Gängen erreichst du eine höhere Geschwindigkeit, dafür kommst du den Berg (bei der Bohrmaschine wäre das der grosse Bohrer oder das harte Material) nicht hoch.

Umgekehrt willst du aber manchmal auch gar nicht zu viel Kraft. Drehst du zum Beispiel eine Schraube in weiches Lindenholz, soll diese nicht zu tief eingedreht werden. Bei solchen Arbeiten macht es Sinn, das Drehmoment zu begrenzen. Dafür hat die Bohrmaschine hinter dem Bohrfutter einen beschrifteten Ring, der sich drehen lässt. Dabei bedeuten tiefe Zahlen auch ein kleineres Drehmoment.

Die drei Überlegungen

So, nun sollte der Wahl der richtigen Bohrmaschine nicht mehr allzu viel im Weg stehen. Überlege dir, wofür du dein Gerät vor allem einsetzen willst und regle Drehzahl und Drehmoment je nach Grösse des Bohrers und zu bohrendem oder zu verschraubendem Material. Das ist schon alles. So passen die Ergebnisse – ohne Einbezug menschlichen Versagens – und deine Bohrmaschine dankt es dir mit einem langen Leben.

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Carolin Teufelberger
Carolin Teufelberger

Editor, Zürich

Meinen Horizont erweitern: So einfach lässt sich mein Leben zusammenfassen. Ich liebe es, neue Menschen, Gedanken und Lebenswelten kennenzulernen,. Journalistische Abenteuer lauern überall; ob beim Reisen, Lesen, Kochen, Filme schauen oder Heimwerken.

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