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Meinung

Darum ist die IFA die schlimmste Techmesse der Welt

Stell dir vor, es ist Messe und niemand hat den Stand fertig gebaut, im Hintergrund piept und hämmert es und man versteht kaum sein eigenes Wort. Auf der IFA ist das an den Pressetagen die Realität. Eine Abrechnung mit der schlechtesten Techmesse der Welt.

Ich stehe vor der Halle 8.2 und muss zur Pressekonferenz von Roborock in Halle 9. Wo ist der Durchgang? Den gibt es nicht, obwohl die Hallen direkt nebeneinander liegen. Ein Blick auf den Plan hilft. Ich muss aus der Halle 8, rund um Halle 9 herum und finde dort einen Hintereingang. Später realisiere ich, dass es von Halle 8.1 einen Durchgang gegeben hätte – angeschrieben steht das aber nirgends.

Das Messegelände in Berlin, auf dem die Internationale Funkausstellung (IFA) jeden September stattfindet, ist ein Irrgarten. Über 40 Hallen unterschiedlicher Grösse und Bauart stehen auf einem riesigen Gelände, in der Mitte liegt der Sommergarten, in dem Konzerte von Stars wie Bryan Adams, Pink, Herbert Grönemeyer oder Ski Aggu stattfinden.

Wimmelbild: Finde den Eingang zur Halle 9.
Wimmelbild: Finde den Eingang zur Halle 9.

Zwischen den Hallen stehen oft Treppenhäuser mit Zwischengeschossen. Auch die Hallen selbst sind manchmal dreistöckig, manchmal zweistöckig und manchmal haben sie auch nur einen Stock. Nach über zehn Jahren IFA stehe ich immer mal wieder vor Rätseln beziehungsweise geschlossenen Türen.

Geschlossen – such dir einen anderen Weg!
Geschlossen – such dir einen anderen Weg!

Pressekonferenz im Baulärm

Vor dem offiziellen Start der IFA jeweils am Freitag finden zwei offizielle Pressetage statt. Die meisten Artikel, Fotos und Videos der neuen Gadgets, die du bei uns und überall sonst lesen und sehen kannst, entstehen an diesen zwei Tagen. Dutzende Pressekonferenzen finden jeden Tag statt, oft auch mehrere gleichzeitig.

Baustelle und Abfall: So sieht es an der IFA an den Pressetagen in vielen Hallen aus.
Baustelle und Abfall: So sieht es an der IFA an den Pressetagen in vielen Hallen aus.

Anders als bei allen anderen Messen wie dem Mobile World Congress in Barcelona oder der CES in Las Vegas ist die IFA an diesen Tagen aber noch eine riesige Baustelle. Typisch dafür war die Roborock-Pressekonferenz in Halle 9 dieses Jahr. Während der Hersteller neue Saugroboter und Mähroboter auf dem überfüllten Stand vorstellt, dengeln andere Brands in der Halle gerade ihren Messeauftritt zusammen – wortwörtlich.

Vorne die Pressekonferenz von Roborock, hinten fährt laut piepsend die Hebebühne hoch.
Vorne die Pressekonferenz von Roborock, hinten fährt laut piepsend die Hebebühne hoch.

Im Hintergrund ist lautes Hämmern und Bohren zu hören, als würde eine neue Autobahn gebaut, mehrmals fällt irgendwas mit einem Knall um, auf einem Stand saugen die Mitarbeiter den Boden und auf dem anderen fährt ein Mitarbeiter mit einer Hebebühne zu den Scheinwerfern hoch. Diese piepst dabei laufend. Trotz Mikrofon und Lautsprechern sind die Features der neuen Modelle schwer zu verstehen.

Das Idealbild.
Das Idealbild.
Treppe ins Nirgendwo.
Treppe ins Nirgendwo.
Und noch ein Zwischengeschoss.
Und noch ein Zwischengeschoss.

Stand nicht fertig, Chance verpasst

Das ist kein Einzelfall. Die meisten Hersteller haben den Stand wirklich erst Freitagmorgen fertig, wenn die Messe offiziell auch fürs breite Publikum öffnet. An den Pressetagen bauen die Aussteller noch bis tief in die Nacht hinein. Andere timen die Standeröffnung genau auf ihre Keynote, die irgendwann von Mittwochmorgen bis Donnerstagabend stattfinden kann. Gerne schliessen die Hersteller nach der Presseveranstaltung auch gleich wieder. Im schlechtesten Fall sind alle Durchgänge einer Halle fest verschlossen und die Journalistenschar muss sich einen Weg aussenrum suchen – zwischen Lastwagen, Gabelstaplern und angelieferten Kisten.

Der Stand von Miele mag schon offen sein, daneben stehen Hebebühnen und der Teppichboden fehlt auch noch.
Der Stand von Miele mag schon offen sein, daneben stehen Hebebühnen und der Teppichboden fehlt auch noch.

Gemütliches durch die Messe schlendern und Gadgets entdecken – das geht auf der IFA an den Pressetagen nicht, erst wenn die Messe offiziell eröffnet und sich das breite Publikum auf die Give-Aways stürzt. Viel Glück, wenn jemand dann noch Fotos machen oder ein Video drehen will. Schade, mir entgehen spannende Geschichten und den Herstellern fehlt Sichtbarkeit.

Der grösste Presseevent der IFA heisst ShowStoppers. Der Teppichboden fehlt auch hier, obwohl an diesem Abend wohl mehr Fotos und Videos gemacht werden als an der gesamten Messe zusammen.
Der grösste Presseevent der IFA heisst ShowStoppers. Der Teppichboden fehlt auch hier, obwohl an diesem Abend wohl mehr Fotos und Videos gemacht werden als an der gesamten Messe zusammen.

Ich reise seit über zehn Jahren an die IFA. Verändert hat sich in dieser Zeit kaum etwas: Die schlechte Beschilderung, die unübersichtliche Infrastruktur und die chaotischen Pressetage lassen zu wünschen übrig. Einzig das Essensangebot hat sich dank Foodtrucks in den letzten Jahren verbessert.

Die Schwächen haben auch Folgen für die Messe selbst. Manch Hersteller verlegt seine Pressekonferenz in eine schöne Location ausserhalb.. Einige verzichten auch gleich ganz auf den Stand und veranstalten nur Pressevents. Sie profitieren von der Aufmerksamkeit rund um die Messe, ohne wirklich dabei zu sein.

Philips zeigt seine Hue-Leuchten im Artloft Berlin – ganz in Ruhe an einer schönen Location.
Philips zeigt seine Hue-Leuchten im Artloft Berlin – ganz in Ruhe an einer schönen Location.

Barcelona macht es besser

Wie es besser geht, zeigt beispielsweise der Mobile World Congress in Barcelona. Der profitiert einerseits von der modernen Messeinfrastruktur mit grossen, übersichtlich angeordneten Hallen, andererseits vom klaren Konzept. Am Montag öffnet die Messe für Presse und Fachbesucher. Dann sind alle Stände offen und begehbar. Einige Hersteller veranstalten zwar ebenfalls Keynotes: Die finden aber bereits sonntags und ausserhalb der Messe an anderen Veranstaltungsorten statt. Die Tage auf der Messe verlaufen konzentrierter und effizienter – und trotzdem ist die Chance grösser, zwischendurch beim Vorbeischlendern noch Gadgets zu entdecken, die ich gar nicht auf dem Schirm hatte.

Zurück in Berlin zeigt sich, wie weit manche Hersteller inzwischen gehen, um dem Chaos zu entkommen. Dreame zum Beispiel hat für seinen Auftritt gleich eine ganze Halle gemietet. Keine fremden Hebebühnen, kein Hämmern vom Nachbarstand, keine verschlossenen Durchgänge mitten durch die Präsentation. Herrlich.

Dreame hat sich gleich die gesamte Halle gemietet – und daher kein Problem mit fremdem Baustellenlärm.
Dreame hat sich gleich die gesamte Halle gemietet – und daher kein Problem mit fremdem Baustellenlärm.

Vielleicht ist das tatsächlich die effizienteste Art, mit der IFA umzugehen: Wenn du dich schon nicht auf der Messe zurechtfindest, mietest du dir einfach deine eigene. Das löst zwar nicht die Probleme der IFA. Aber immerhin die eigenen.

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Gadgets sind meine Passion – egal ob man sie für Homeoffice, Haushalt, Smart Home, Sport oder Vergnügen braucht. Oder natürlich auch fürs grosse Hobby neben der Familie, nämlich fürs Angeln.


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