

Das Pixel Fold 11 Pro verschenkt sein Potenzial
Das Foldable von Google hat sich in den letzten zwei Jahren kaum verändert. Mit dem kleineren Akku wirkt es zudem wie ein Downgrade und der grosse Bildschirm bietet wenig Vorteile.
Das Pixel 11 Pro Fold sieht nahezu aus wie sein Vorgänger – und Vorvorgänger. Google hat sich immerhin beim neuen Scharnier mächtig ins Zeug gelegt. Nennenswert sind ansonsten nur eine neue Kamera und der effizientere Chip. Dabei könnte das Foldable noch etwas weniger Gewicht und Hardware-Stärke vertragen.
Hier die Spezifikationen vorab zum Vergleich:
Design und Display: same same but different
Mein Testgerät, das ich von Google geliehen habe, hat ein schlichtes, schwarzes Design, matt mit einem glänzenden Scharnier. Optische Neuerung: Google hat die Kameraleiste etwas ausgedünnt und die schwarze Färbung nun durchgezogen.

Zum Vorgänger, dem Pixel 10 Pro Fold und sogar zum Modell von vor zwei Jahren gibt es äusserlich ansonsten keine Unterschiede bis auf je einen trivialen Millimeter in der Dicke. Aufgeklappt misst es 15,5 × 15 × 0,5 Zentimeter. Geschlossen ist es mit 15,5 × 7,6 × 1 Zentimetern nahezu ein reguläres Phone mit einem gestauchten Display. Immerhin ein bisschen leichter ist es geworden: Neu wiegt es 240 Gramm statt knapp 260.
Google hat dem Foldable dafür sein neues Pro-Feature spendiert: das «HiLight». Eine LED in der oberen Kameraleiste, die anzeigt, wenn dich wer anruft oder du mit Gemini sprichst. Mehr ist damit bisher nicht möglich. Auch wenn Google verspricht, dass künftig beispielsweise auch Textnachrichten über die LED angezeigt werden, wirkt das Feature noch mager.

Google hat das Scharnier des Foldables überarbeitet. Als Material dient laut Hersteller hochfester Stahl, der in der Luftfahrt zum Einsatz kommt. Dieser soll extremen Beanspruchungen standhalten und das Foldable dreimal resistenter machen als das Vorgängermodell. So etwas zeigt sich allerdings erst in der Langzeitnutzung – und so lange darf ich das Gerät nicht behalten.

Was mir bisher auffällt: Das Scharnier ist dünner als sein Vorgänger und das Foldable lässt sich etwas strenger öffnen, was ich angenehm finde. Das zahlt sich aus, wenn ich das Gerät im 90-Grad-Winkel platzieren möchte, damit es nicht ungewollt wieder zuschnappt.
Bei den Displays greift Google zu den OLED-Panels des Vorgängers. Das passt gut, sie sind schick, klar und kontrastreich. Die Auflösung des äusseren Displays mit 6,5 Zoll beträgt 2342 × 1080 Pixel, innen sind es 8 Zoll mit einer Auflösung von 2152 × 2076 Pixeln. Einen Tick grösser geworden ist das Aussendisplay dank eines etwas schmaleren Randes. Beide Displays liefern eine Bildrate von 1-120 Hertz, zuvor lieferte das Aussendisplay 60-120 Hertz. Innen und aussen, sind sie heller geworden. Der Spitzenwert liegt neu bei 3600 Nits statt 3000 Nits. Das reicht gut auch bei strahlendem Sonnenschein. Der Falz ist aber äusserst dominant, auch im Vergleich zur Konkurrenz. Ich sehe teils auch mit Frontalblick, dass das Display leicht gewellt ist.
Hardware: besserer Chip, kleinerer Akku
Google spendiert seinem Foldable den neuesten Chip aus eigenem Haus: den Tensor G6. Dieser zeigt in meinem Benchmark mit «Geekbench 6» kaum bessere Ergebnisse als sein Vorgänger, der Tensor G5. An Samsungs Galaxy Z Fold 8 mit Snapdragon 8 Elite Gen5 kommt er nicht ran, er reicht aber problemlos für alltägliche Aufgaben: rasch zwischen Apps wechseln, zocken und multitasking. Auch das Wechseln zwischen Aussen- und Innendisplay klappt reibungslos.
Der Mehrwert des neuen Chips zeigt sich im Akkutest. Obschon Google einen etwas kleineren Akku verbaut, 4800 mAh statt 5000 mAh beim Vorgänger, kommt die Akkulaufzeit am Ende ähnlich raus. Google gibt eine Laufzeit von 24 Stunden an – wie beim Vorgänger. Damals hielt das Pixel 10 Pro Fold bei mir 15 Stunden durch. Auch beim aktuellen 11 Pro Fold kommen diese 15 Stunden etwa hin.
Aufladen kann ich das Foldable anschliessend über Schnellladung mit bis zu 30 Watt, oder dank Qi2.2 mit bis zu 25 Watt kabellos. In der Regel ist der Akku in 1,5 Stunden am Kabel vollständig geladen. Das ist in Ordnung.
Praktisch an der Qi-Technologie ist, dass Google einen Magneten dazu verbaut. So kann ich drahtlose Powerbanks mit Magnetfunktion nutzen oder anderes, magnetisches Zubehör aufs Foldable packen, ohne dass ich eine extra Magnethülle dafür brauche.
Das Pixel 11 Pro Fold verfügt über 16 Gigabyte RAM. Der grosszügige Arbeitsspeicher kommt den ganzen KI-Funktionen zugute. Ausserdem ist das Foldable auf dem aktuellen Stand mit 5G, Wi-Fi 7 und Bluetooth 6.
Kameras: Der neue Sensor bringt Licht ins Dunkel
Google hat der Weitwinkelkamera einen etwas grösseren Sensor verpasst als beim Vorgängermodell. Die restlichen Kameras bleiben gleich – zum dritten Jahr in Folge, da Google nämlich auch im Pixel 9 Pro Fold die gleichen Kameras verbaut hat. Deshalb vergleiche ich meine Fotos damit.
- Weitwinkel mit Makro: 48 MP, f/1,7, 1/1,56 Zoll
- Ultraweitwinkel: 10,5 MP, f/2,2, 1/3,4 Zoll
- Tele: 10,8 MP, f/3,1, 1/3,2 Zoll, 5-fach optischer Zoom
- Front: 10 MP, f/2,2
- Innen: 10 MP, f/2,2
Die reguläre Weitwinkelkamera erledigt wie gehabt einen guten Job. Die Fotos haben einen natürlichen Touch und sind nicht überschärft. So, wie es sein soll. Bei bewölktem Himmel bemerke ich etwas mehr Körnung, aber auch da ist das Foto schick.

Den Vorteil des grösseren Sensors spielt das Pixel 11 Pro Fold in dunklen Räumen aus. Bei meiner Wandlampe, einem goldenen Strauss, kommen die Details besser hervor als beim Pixel 9 Pro Fold. Insgesamt ist das Foto zudem heller.
Der fünffach optische Zoom erledigt ebenfalls einen guten Job. Der zweifache Zoom gefällt mir viel weniger, dort verschwinden die Ziffern und Zeiger der fotografierten Uhr fast völlig.


Neu ist statt eines 20-fachen digitalen Zooms ein 30-facher möglich. Zusätzlich hilft ein digitaler Bildstabilisator beim Abfotografieren. Diesen kann ich ab dem 20-fachen Zoom manuell aktivieren. Beim Ergebnis sehe ich allerdings keinen Unterschied, ob mit oder ohne Stabilisation.

Die Weitwinkelkamera verbirgt zudem eine Makrofunktion. Allzu nah darf ich nicht ans Objekt, die Details kommen aber gut raus:

Beim Pixel 11 Pro Fold herausragend im Vergleich zu einem regulären Phone ist das Feature «Instant View». Damit kann ich beim Weiterknipsen parallel auf der linken Screenhälfte bereits gemachte Fotos vergleichen. Das gibt es zwar schon seit der letzten Generation, ich finde die Funktion praktisch.

Software für Multitasking und KI – weniger für den grossen Screen
Google liefert das Pixel 11 Pro Fold mit Android 17 und eigener Benutzeroberfläche aus. Hinzu kommen mindestens sieben Jahre Software- und Sicherheitsupdates. Zudem sind viele Apps auf den grossen Screen angepasst, wie beispielsweise Mail und Kalender.

Das vom Vorgänger bekannte Multitasking betreibe ich flexibel über eine Split-Screen-Funktion. Die Position der Grenze zwischen den beiden Apps schiebe ich beliebig hin und her. Die Apps müssen dann jeweils kurz laden. Es ist aber einfacher nutzbar, als beispielsweise bei Samsung, wo ich mehrere Schritte benötige, bis ich zwei Apps nebeneinander offen habe.

Mein Highlight, ebenfalls schon beim Vorgänger vorhanden, ist «Drag & Drop». Will ich ein Motiv oder eine Datei von einer App in eine andere übertragen, ziehe ich die gewünschte Datei aus einer App direkt in die Zielapp. So versende ich ein Bild per Whatsapp oder hänge eine Datei an eine E-Mail an.
Ein praktisches Feature verspricht Google mit der neuen, automatischen Live-Übersetzung für Medien wie Youtube-Videos. Dazu muss ich vorgängig einmalig die jeweilige Ausgangs- und Zielsprache über die Einstellungen auf das Smartphone herunterladen.

Ich spiele «Rick and Morty» auf Youtube ab, einmal in Englisch, einmal in Russisch. Danach sollte automatisch eine Pop-up-Frage erscheinen, ob es auf Deutsch übersetzt werden soll. Bei meinem Testgerät hat das mit beiden Sprachen bisher nicht funktioniert. Womöglich braucht es da noch ein Update seitens Google.
Lesen und Zocken auf dem Grossbildschirm: denkste!
Mit so einem grossen Bildschirm wäre es eine wunderbare Sache, Comics und Bücher zu lesen. Allerdings nutzt die Google-Bücher-App den oberen Rand wegen der Kamera-Aussparung (Notch) nicht. So habe ich beim Lesen kaum ein grösseres Bild auf dem Innendisplay im Vergleich zum Aussendisplay. Das lässt sich auch in den Einstellungen nicht anpassen, obwohl ich «ganzes Display verwenden» wähle.

Beim Zocken profitiere ich vom grossen Screen, allerdings hinkt die Hardware hinterher. Während ich bei Konkurrent Samsung problemlos auch grafisch anspruchsvolle Spiele wie «Genshin Impact» zocke, muss ich die Grafik auf die niedrigste Stufe drosseln – und bekomme trotzdem eine verbuggte, pinke Ansicht.

Da es bei den Vorgängern selbst auf der niedrigsten Grafikstufe geklappt hat, nehme ich an, dass noch noch was bei der Software nicht stimmt, schade. Casual Games machen immerhin keine Probleme.
Fazit
Googles Foldable bringt wenig Neues
Das Pixel 11 Pro Fold ist ein robustes, schickes Foldable. Allerdings ist es lediglich eine sanfte Auffrischung des Vorgängers und immer noch sehr klobig. Schon das Pixel 10 Pro Fold brachte wenig Neuerungen. Nur für einen minimal schnelleren Chip und eine etwas bessere Hauptkamera lohnt es sich nicht, von einem Vorgängermodell auf dieses zu wechseln. Dass ich auch beim Zocken und Manga-Lesen eingeschränkt bin, trübt das Gesamtbild – so kann ich nicht vom grossen Bildschirm profitieren.
Falls du generell auf der Suche nach einem Smartphone mit Faltfaktor bist, würde ich eher die Konkurrenz mit leichteren Geräten und besseren Spezifikationen vorschlagen. Beispielsweise das aktuell dünnste Foldable Honor Magic V6 mit besseren Kameras oder das Samsung Galaxy Z Fold 8 Ultra, das inzwischen sehr dünn und handlich geworden ist.
Pro
- schickes Design
- gut überarbeitete Hauptkamera
- lange Updatezeiträume
- robustes Scharnier
Contra
- Akku ist kleiner geworden
- Smartphone klobig
- teure Anschaffung
- Software zu wenig auf den grossen Screen ausgelegt

Seit ich einen Stift halten kann, kritzel ich die Welt bunt. Dank iPad kommt auch die digitale Kunst nicht zu kurz. Daher teste ich am liebsten Tablets – für die Grafik und normale. Will ich meine Kreativität mit leichtem Gepäck ausleben, schnappe ich mir die neuesten Smartphones und knippse drauf los.
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