Der App-gesteuerte Wasserkocher im Review

Simon Balissat
Simon Balissat
Zürich, am 29.04.2020
Natürlich gibt es einen smarten Wasserkocher bei uns im Sortiment. Der ist teuer, kocht aber auch nur Wasser. Brauche ich den «Smarter iKettle 3.0» wirklich?

In der Liste von Dingen, die ich nie im Leben kaufen würde, liegt ein App-gesteuerter Wasserkocher ganz weit vorne, direkt hinter Wandtattoos und dieser Dosenöffnermaschine.

Am Ende hat die Neugier über die Vernunft gesiegt, also habe ich mir das Schmuckstück in die Küche gestellt und ausgiebig getestet. Und meine Meinung tatsächlich geändert. Ich mag den iKettle.

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Wifi iKettle 3.0 (1.80 l)
smarter Wifi iKettle 3.0 (1.80 l)
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Vor der Lobeshymne kommen die «Hard Facts». Der Wasserkocher bietet Platz für 1.8 Liter Inhalt, einen Knopf zum Öffnen und einen Knopf, um auch ohne App Wasser zu kochen. Das Kabel ist viel zu kurz. Willst du es noch kürzer haben, kannst du es im Sockel aufrollen. Ungünstig ist, dass du den Wasserstand nicht von aussen ablesen kannst. Entweder du öffnest also den Deckel oder schaust in der App nach.

Auf das Grad genau

Dein Smartphone paarst du mit dem Sockel des Wasserkochers. Hast du die App runtergeladen, musst du den Bildschirm unten an den Sockel halten und das Smartphone blinkt eine Art Morsecode. Das ist ungewöhnlich, funktioniert aber fantastisch. Der Wasserkocher ist nun im Wifi und nicht über Bluetooth gekoppelt, weshalb dein Handy lediglich eine Internetverbindung braucht. Es muss nicht einmal im gleichen Netz sein wie der Wasserkocher, du könntest theoretisch aus deinem Urlaub zuhause Wasser aufkochen.

Er kann auch einfach Wasser kochen. Dazu brauchst du nur diesen Knopf zu drücken.
Er kann auch einfach Wasser kochen. Dazu brauchst du nur diesen Knopf zu drücken.

Die App ist der Schlüssel, der die ganze Power aus dem Wasserkocher holt. Grundsätzlich kannst du Wasser damit auf ein Grad genau erwärmen. Damit hat mich der «smarter iKettle 3.0» im Sack. Eine ganze Handvoll Wasserkocher können nur in festgelegten Stufen (zum Beispiel 80° / 90° / 100°) aufkochen, aufs Grad genau ist den Spitzenmodellen vorbehalten. Wozu du das brauchst? Tee, Kaffee oder Babynahrung. Seitdem ich den iKettle im Haus habe, experimentiere ich wieder mit Filterkaffee. Da können bei der Wassertemperatur wenige Grad den Unterschied zwischen gehaltvollem Kaffee und bitterer Plörre ausmachen. Dasselbe gilt für Tee. Für den aus Japan mitgebrachten Fukamushi Sencha haben sich 75 Grad als ideal erwiesen, um den vollen Umami-Geschmack zu extrahieren, ohne dass der Tee übermässig bitter wird.

Frisch gemahlene Kaffeebohnen und perfekt temperiertes Wasser.
Frisch gemahlene Kaffeebohnen und perfekt temperiertes Wasser.

Immer warmes Wasser

Die Grad lassen sich auch voreinstellen, damit du die App nicht brauchst. Die Standardeinstellung liegt bei 100 Grad, du kannst sie aber einfach runterschalten. Dann wärmt der iKettle ohne App auf die gewünschte Temperatur, sobald du den Knopf drückst.

Willst du am Morgen direkt heisses Wasser, kannst du den iKettle zu einer bestimmten Zeit Wasser wärmen lassen. Oder sobald du nach Hause kommst. Die App erkennt, ob du dich in einem zuvor festgelegten Radius rund um deine Wohnung befindest und startet den Wasserkocher. Bei allen Funktionen kannst du zudem einstellen, dass der iKettle das Wasser erst einmal auf 100 Grad aufkocht und dich informiert, sobald es auf die gewünschte Temperatur abgekühlt ist. Die Funktion ist für Säuglingsnahrung geeignet, um sicherzugehen, dass Keime und Bakterien abgetötet sind.

Startbildschirm der App (links) und weiterführende Optionen (rechts).
Startbildschirm der App (links) und weiterführende Optionen (rechts).

Fazit

Es gibt Dinge von denen ich nicht wusste, dass ich sie brauche. Der iKettle 3.0 gehört nicht ganz dazu. Dass ich an ein App gebunden bin, um die ganze Power des Wasserkochers anzapfen zu können, stört mich. Die Temperaturkontrolle hingegen ist fantastisch. Mein nächster Wasserkocher muss zwingend auf das Grad genau Wasser erwärmen können, so wie das der iKettle macht. Das kann aber zum Beispiel dieses (etwas hässliche) Gerät auch, zu einem Bruchteil des Preises. Trotzdem mag ich den iKettle, weil er schlicht aussieht, tadellos funktioniert und alle Features hat, die du dir von einem Wasserkocher wünschst.

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Simon Balissat
Simon Balissat

Teamleader Editorial, Zürich

Als ich vor über 15 Jahren das Hotel Mama verlassen habe, musste ich plötzlich selber für mich kochen. Aus der Not wurde eine Tugend und seither kann ich nicht mehr leben, ohne den Kochlöffel zu schwingen. Ich bin ein regelrechter Food-Junkie, der von Junk-Food bis Sterneküche alles einsaugt. Wortwörtlich: Ich esse nämlich viel zu schnell.

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