
Halb so teuer wie der Platzhirsch – und im Alltag kaum schlechter: das Veloradar von Sigma
Vom deutschen Hersteller Sigma ist mit dem Reco 81 Link ein sehr solides Veloradar mit Rücklichtfunktionen auf dem Markt. Ich habe den digitalen Rückspiegel getestet und bin zufrieden.
Smarte Rücklichter mit Radar fürs Velo sind seit einigen Jahren im Trend. Sie liefern visuelle und akustische Alarme, um vor Fahrzeugen zu warnen, die sich von hinten nähern. Unterdessen gibt es eine Vielzahl von Herstellern am Markt, die auf Sicherheit setzen.
Vor rund einem Jahrzehnt ursprünglich von Garmin entwickelt, haben in den letzten Jahren Brands wie Bryton, Wahoo, Magicshine, Lezyne oder BBB Cycling ihre Version des Veloradars mit Rücklicht herausgebracht.
Weiterführende Informationen zum Thema findest du hier:
Sigma Reco 81 Link: sehen und gesehen werden
Das Reco 81 Link von Sigma ohne StVZO-Zulassung (Strassenverkehrs-Zulassungs-Ordnung) ist das internationale Schwestermodell des Reco 80 Link, das speziell für den deutschen Markt entwickelt wurde. Das hier beschriebene Modell ist also in Deutschland ohne zusätzliches Rücklicht am Velo nicht zugelassen.
Ebenfalls wichtig zu wissen: Die Vorschriften zur Mindestausstattung mit Velolichtern sind in der Schweiz unter anderem in der «Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge», kurz VTS (hier nachzulesen) definiert.

Features & Funktionen
- Ladeanschluss: USB-C
- Sichtweite: bis 500 Meter
- Abstrahlwinkel: 220 Grad
- Lichtleistung: keine Angaben
- Ladezeit: 3 Std.
- Radarreichweite: bis 160 Meter
- Radarsichtfeld: 60 Grad
- Objekterfassung: maximal 8
- Laufzeit Licht & Radar: maximal 15 Std.
- Laufzeit Radar: maximal 30 Std.
- Gewicht: 100 Gramm inkl. Halterung
- Wasserdichtigkeit: IP67

Quelle: Sigma
Smartphone oder GPS-Velocomputer
Das Reco 81 Link erkennt bis zu acht Fahrzeuge auf eine Entfernung von maximal 160 Metern. Alle Fahrradcomputer mit ANT+ sind mit dem Modell kompatibel. Die Verbindung erfolgt per Bluetooth in der Sigma Ride-App auf deinem Smartphone für Updates und Statusanzeigen. Ich nutze aktuell den Dura von Coros. Dabei laufen sämtliche Funktionen einwandfrei.
Über die Sigma Ride-App kannst du das Radar aber natürlich auch mit deinem Smartphone nutzen.
Sichtbarkeit bei Tag und Nacht
Die oben abgebildeten Modi sind für unterschiedliche Anwendungen gedacht und wirken sich unterschiedlich auf die Akkulaufzeit aus: Die starke Dauerbeleuchtung im High Mode soll für maximale Sichtbarkeit sorgen. Im Radar Only Mode aktiviert sich das Licht nur, wenn sich ein Fahrzeug von hinten nähert – das erhöht die Akkulaufzeit auf bis zu 30 Stunden.
Die Blinkmodi Day, Night und Eco Flash sind für Tageslicht, Nachtfahrten beziehungsweise einen energiesparenden Betrieb ausgelegt, während der Peloton Mode für spezielle Gruppenfahrten entwickelt wurde. Dabei ist die Lichtintensität reduziert, um nachfolgende Mitfahrerinnen und Mitfahrer nicht zu blenden. Die Radarfunktion bleibt währenddessen im Hintergrund aktiv.
Ich bin in den letzten Wochen tagsüber in der Regel im Radar Only Mode gefahren. Hochgerechnet komme ich so in der Praxis auf diese rund 30 Stunden Akkulaufzeit. Deshalb gehe ich davon aus, dass auch die anderen Herstellerangaben diesbezüglich korrekt sind. Einzeln getestet habe ich sie jedoch nicht.
Wenn du bremst, schaltet sich automatisch das Bremslicht ein und informiert den Verkehr hinter dir entsprechend. Bei einem abrupten Stopp warnt das Notbremslicht.
Dank der im Lieferumfang enthaltenen flexiblen Gummieinsätze passt die Twist-Lock-Halterung an runde Sattelstützen ebenso wie an Aero- oder D-Shapes. Eine kleine vierstufige Anzeige an der Seite des Reco 81 Link gibt Auskunft über den aktuellen Akkuladestand.

Das Ding mit der Reizüberflutung und falschem Sicherheitsgefühl
Ich nutze das Radar jeweils mit meinem Gravelbike. Und bin entsprechend oft im Wald, auf Schotterwegen oder sonst abseits vielbefahrener Strassen unterwegs. Wozu braucht's dann überhaupt ein Radar, höre ich dich fragen. Weil es genau dort am meisten Sinn macht. Im dichten Stadtverkehr ist so ein Teil für mich unbrauchbar, da das stete Gepiepe und die visuellen Warnungen zu viel der Reize sind und mich eher ablenken.
Nähert sich jedoch ein einzelnes Fahrzeug, sei es ein PKW, ein Traktor oder ein S-Pedelec, warnt mich das Reco 81 Link zuverlässig davor. Dabei gab es während der Testphase keine Fehlalarme. Allerdings gilt für sämtliche Produkte dieser Kategorie, dass sie nicht unfehlbar sind. Passt beispielsweise ein Fahrzeug seine Geschwindigkeit exakt an dein Tempo an, verliert das Radar dieses möglicherweise, da es keinen Unterschied feststellt. Das ist mir während der Testphase einmal passiert. Ansonsten waren die Anzeigen stets akkurat.
Das Dümmste wäre, sich dank solcher Produkte in falscher Sicherheit zu wiegen. Der gelegentliche Blick über die Schulter ist deshalb bei mir nach wie vor ein fixer Bestandteil jeder Ausfahrt.

Fazit
Sigma Reco 81 Link macht, was es soll
Vergleicht man das Reco 81 Link von Sigma mit der Benchmark, dem neuen Varia RearVue 820 von Garmin, fallen einige Dinge auf. Die wichtigsten Unterschiede betreffen die Radarreichweite und die Sichtbarkeit. Hier schneidet Garmin mit 175 Metern und bis zu zwei Kilometern besser ab. Da Sigma keine Angaben zu den Lumen macht, gehe ich davon aus, dass diese deutlich unter den maximal 100 Lumen des Varia RearVue 820 liegen. So lassen sich dann auch die 500 Meter Sichtbarkeit des Reco 81 Link erklären.
Das Modell von Sigma punktet bei der Akkulaufzeit – und natürlich beim Preis. Da kostet das Reco 81 Link gerade mal die Hälfte des Garmin-Radars. Ansonsten liegt es mit aktuell knapp 150 Franken im Vergleich zu anderen Marken im Mittelfeld.
Wer bereits im Sigma-Ökosystem unterwegs ist und weitere Produkte des Herstellers, wie zum Beispiel Frontlicht und/oder GPS-Velocomputer nutzt, hat mit dem Reco 81 Link eine sehr solide Erweiterung der Sicherheitstechnologie am Start. Aber auch für alle anderen ist dieses Teil dank des alles in allem guten Preis-Leistungsverhältnisses und der Kompatibilität eine prüfenswerte Wahl.
Pro
- gute Akkulaufzeiten
- vernünftiges Preis-Leistungsverhältnis
- Akkuanzeige
- gute Verarbeitung
Contra
- keine Lumenangabe
- Sichtbarkeit
Vom Radiojournalisten zum Produkttester und Geschichtenerzähler. Vom Jogger zum Gravelbike-Novizen und Fitness-Enthusiasten mit Lang- und Kurzhantel. Bin gespannt, wohin die Reise noch führt.
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