Saugt smart besser? Deebot Ozmo T8 AIVI und Bissell Spinwave Roboter im Test

Saugt smart besser? Deebot Ozmo T8 AIVI und Bissell Spinwave Roboter im Test

Jan Johannsen
Hamburg, am 31.05.2021

Roboter, die nicht nur saugen, sondern auch wischen. Klingt wie ein Traum. Wie die Realität aussieht, habe ich mit dem Bissell Spinwave Roboter und dem Ecovacs Deebot Ozmo T8 AIVI ausprobiert.

Beide Saugroboter lassen sich mit einem Wassertank bestücken und wischen Parkett, Linoleum und Fliesen. Dabei stellen sie sich aber unterschiedliche geschickt an. Auch beim Navigieren durch die Wohnung verhalten sie sich nicht gleich.

Bissell Spinwave Roboter

Als erster Kandidat tritt der Spinwave von Bissel an. Vom eher weniger bekannten Hersteller von Staubsaugern ist es der erste Saugroboter mit Wischfunktion. Mehr als kurze Blicke auf die beiliegende Anleitung benötige ich nicht, um ihn in Betrieb zu nehmen. Auspacken, Transportsicherungen entfernen, Standort für die Ladestation finden, Roboter darauf stellen, App (Android/iOS) auf dem Smartphone installieren, den Roboter damit verbinden und ins WLAN bringen. Anschließend warten, bis er voll aufgeladen ist und dann kann er lossaugen. Natürlich nur, wenn die Wohnung entsprechend vorbereitet ist – mehr dazu weiter unten in diesem Artikel.

Saugen ohne Plan

Der Spinwave Roboter hat keinen Orientierungssinn. Stattdessen arbeitet er sich nach einer vorgegebenen Logik – wenn das passiert, dann machst du das – durch die Wohnung und einzelnen Zimmer. Ein Plan oder eine richtige Systematik sind dabei nicht zu erkennen. Stattdessen fährt er bis zu einem Hindernis, dreht sich etwas und beim nächsten Hindernis wiederholt sich das Schauspiel. Nach knapp 80 Minuten meint er, fertig zu sein und kehrt zur Ladestation zurück.

Der Bissel Spinwave passt unters Sofa.
Der Bissel Spinwave passt unters Sofa.

Da, wo er durchgefahren ist, ist der Dreck weg. Staubreste oder Krümel fallen mir nicht auf. Allerdings habe ich bei seinem erratischen Fahrverhalten kein Vertrauen, dass er wirklich überall war. Zuschauen will ich ihm nicht und könnte es auch gar nicht. Sein planloses Agieren macht mich fertig. Das ist, neben der Lautstärke, ein weiterer Grund, ihn nur saugen zu lassen, wenn ich nicht zu Hause bin.

Kleine Türschwellen sind für den Spinwave kein Problem. Ein etwa zwei Zentimeter hoher Teppich ist jedoch eine Barriere, an der er nicht vorbei. Den muss ich weiterhin ohne Roboterhilfe saugen. Insgesamt ist der Bissell aber nicht besonders vorsichtig unterwegs. Er erkennt Hindernisse vor allem über Kontakt. Das tut nicht weh und bei mir ist auch nichts kaputtgegangen. Aber er fährt ständig irgendwo gegen und wirkt dadurch nicht besonders clever. Er tastet sich nach dem Trial-and-Error-Prinzip voran.

Der Schmutzbehälter lässt sich mit einem Handgriff entnehmen.
Der Schmutzbehälter lässt sich mit einem Handgriff entnehmen.

Nasser Staub sammelt sich an

Damit der Spinwave meine Wohnung wischt, muss ich den Schmutzbehälter gegen den Wassertank austauschen. Wasser und Putzmittel kommen natürlich vorher rein. Am Wassertank befinden sich zwei rotierende Moppkissen, die nass gemacht werden und sich drehen, während der Roboter herumfährt.

Schon nach kurzer Zeit zeigt sich das große Problem. Der Spinwave wischt nur und saugt nicht gleichzeitig. Das bedeutet, der Boden muss kurz zuvor gesaugt worden sein. Andernfalls geht es dir wie mir und der Roboter sorgt nicht für Sauberkeit, sondern verteilt feuchte Staubklumpen.

Die anmontierten Wischmoppe benötigen einen sauberen Boden.
Die anmontierten Wischmoppe benötigen einen sauberen Boden.

Der fehlende Orientierungssinn des Spinwave ist beim Wischen weiterhin zu beobachten. Er bewegt sich mit der Sicherheit eines Betrunken, der versucht, nach Hause zu kommen.

Zwischenfazit: Der Bissell Spinwave Roboter saugt selbstständig, aber überzeugt mich nicht wirklich. Die Chance für den Deebot Ozmo T8 AIVI, es besser zu machen.

Ecovacs Deebot Ozmo T8 AIVI

Das AI im Namen des Ozmo T8 macht Hoffnung. Denn es steht für «Artificial Intelligence». Mit dieser künstlichen Intelligenz, einer Kartenfunktion, einem Laser-Sensor und Videostream-Funktion, sind meine Erwartungen an diesen Saugroboter hoch.

Aber auch bei ihm muss ich zuerst die App (Android/iOS) auf mein Smartphone herunterladen. Sie ist dankenswerterweise auf der Kurzanleitung mit einem QR-Code verlinkt, die unter dem aufklappbaren Deckel liegt. Funktioniert alles wie am Schnürchen und direkt, nachdem der Akku voll ist, starte ich den Ecovacs Deebot Ozmo T8 AIVI zu seiner ersten Reinigungsrunde.

Hindernisse sehen statt berühren

Oh, wie schön. Der Deebot Ozmo T8 bewegt sich komplett anders durch die Wohnung. Anstatt Hindernisse durch Kontakt zu bemerken, erkennt er sie mit seinen Sensoren schon vorher und stoppt so meistens kurz vor ihnen ab. Zudem legt er eine Karte an und nutzt sie zur Orientierung. Grob gesagt, fährt er zuerst den äußeren Rahmen ab und füllt danach die Zwischenräume in geordneten Linien auf. Das Ergebnis dieses planvollen Vorgehens: Er ist bereits nach etwa 40 Minuten mit der Reinigung fertig und macht somit nur etwa halb so lange auf einem ähnlichen Niveau Lärm wie der Bissel Spinwave.

Mit den oben herausragenden Sensoren findet sich der Ozmo T8 zurecht.
Mit den oben herausragenden Sensoren findet sich der Ozmo T8 zurecht.

Unterwegs drohen ihm die gleichen Gefahren wie dem Spinwave. Auf den Teppich kommt er nicht und am flachen und breiten Standfuß vom Schaukelstuhl bleibt er ebenfalls hängen. Nach erfolgter Reinigung zeigt er erkannte Gefahrstellen, wie etwa Kabel, an. Die kann ich beseitigen und ihn zur Nachreinigung an die gleiche Stelle schicken. Die Hinderniserkennung funktioniert allerdings nicht zu 100 Prozent. Sprich: Trotz seiner Sensoren, solltest du ihm eine aufgeräumte Arbeitsumgebung schaffen, da er zu Beispiel den Badvorleger gnadenlos vor sich herschiebt oder nicht jedes herumliegende Kabel zuverlässig erkennt.

Die Saugleistung stellt mich zufrieden und durch den Arbeitsnachweis – in Form der Karte in der App – kann ich sehen, wo er überall war. Der Schmutzbehälter lässt sich bequem und mit wenigen Handgriffen leeren, sobald der Ozmo T8 den Weg in seine Ladestation gefunden hat.

Saugen, Wischen und Schrubben

Der Ecovacs Deebot Ozmo T8 AIVI kann nicht nur wischen, sondern auch schrubben. Zum Wischen muss ich nur die auswasch- und wiederverwendbare Matte unter dem Wassertank anbringen. Dieser befindet sich, anders als beim Bissel, immer im Deebot und steht nicht in Konkurrenz zum Schmutzbehälter. Der große Vorteil: Der Ozmo T8 saugt vorne und wischt hinten – alles im selben Durchgang.

Die extra Wischplatte ist dezent.
Die extra Wischplatte ist dezent.

Ich muss den Wasserbehälter nur tauschen, wenn ich will, dass der T8 schrubbt. Hier zieht der Roboter den Wischmob nicht hinter sich her. Stattdessen drückt er die Wischplatte mit schnellen, kleinen Bewegungen auf den Boden. Die per Klett anzubringenden Matten zum Schrubben sind allerdings nur für den einmaligen Gebrauch vorgesehen.

Sie ständig nachzukaufen, lohnt sich nicht. Beim Schrubben sind die gleichen Flecken bestehen geblieben wie beim Wischen. Sprich: Mit meiner Muskelkraft wische ich den Boden sauberer. Der Vorteil der Wischfunktion liegt eher darin, dass sie noch den Staub aufnimmt, der beim Saugen übrig geblieben ist. Und das ist beim Blick auf die Wischmatte mehr als ich bei der Kontrolle des Bodens nach dem Saugen gedacht hätte.

Zwei Einsätze zum Wischen oder Schrubben.
Zwei Einsätze zum Wischen oder Schrubben.

Nervig ist es, nach dem Wischen den Wasserbehälter trocken zu bekommen. Seine Öffnung ist zu klein und schlecht positioniert, um die gesamte Flüssigkeit ausschütten zu können. Das Trocknen dauert, vor allem da der Verschluss nicht von alleine offen bleibt – und ohne den Behälter geht der Ozmo T8 nicht saugen.

Saugen per Fernsteuerung

Bist du unterwegs, kannst du den Deebot Ozmo T8 AIVI von unterwegs jederzeit seine Runde starten lassen. Du kannst ihn aber auch gezielt fernsteuern und damit du von unterwegs siehst, wo du gerade entlang fährst, befindet sich vorne eine Kamera im Roboter. Dass sie nicht allen Menschen gefällt, hat Ecovacs eingeplant und eine Abdeckung mit in den Karton gepackt.

Mit Hilfe der Kamera und der Fernsteuerung kannst du den Saugroboter an von dir gewünschte Stellen bewegen oder von unterwegs schauen, ob alles seine Ordnung hat. Über den Lautsprecher des Roboters kannst du sogar mit deinen Haustieren reden oder Besucher erschrecken. Ihre Reaktion kannst du allerdings nur sehen und nicht hören.

Die Steuerung über die App ist träge, aber da der Roboter gemächlich unterwegs ist, ist das kein Problem.

Große Versprechen mit vielen kleinen Haken

Ich merke selber, wie ich mir den Saugroboter schönrede. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass nicht alles perfekt ist. Es gibt genug Ecken oder höher liegende Flächen, an die auch ein sich gut zurechtfindender Roboter wie der Ozmo T8 nicht herankommt. Ich muss also weiterhin einen Staubsauger selbst in die Hand nehmen. Aber für diese Stellen ergeben für mich jetzt endlich die kabellosen Staubsauger einen Sinn, mit denen ich bisher keine Freude hatte, meine komplette Wohnung zu saugen.

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Gefährliche Falle: Da der Roboter die großen Flächen sauber hält, erwische ich mich dabei, aus Bequemlichkeit die übrig geblieben Ecken seltener zu reinigen als ohne Roboterhilfe.

Der Teppich bleibt unbekanntes Terrain für den Saugroboter.
Der Teppich bleibt unbekanntes Terrain für den Saugroboter.

Saugroboter sind kleine Diktatoren und zwingen dich, den Boden aufzuräumen. Kabel müssen ordentlich verstaut sein, Schnürsenkel von Schuhen sollten nicht greifbar sein und Stühle sowie Badvorleger musst du wegräumen, damit sie sich ungehindert bewegen können. Die einziehende Ordnung auf deinem Fußboden kann durchaus ein positiver Nebeneffekt sein. Mich kostet es allerdings immer ein paar Minuten vor und nach der Tour des Saugroboters, für ordentliche Zustände zu sorgen. Zwischen den Küchenstühlen oder unter dem Schreibtischstuhl kommt er einfach nicht durch. Dafür geht fast ähnlich viel Zeit drauf, als wenn ich selber schnell und oberflächlich die Zimmer sauge.

Den Geräuschpegel der Saugroboter darfst du nicht unterschätzen. Nebenbei gemütlich einen Film schauen oder eine Videokonferenz machen, ist nicht drin. Aber wenn du den Boden gut aufgeräumt hast, kannst du ihn über seine App auf Tour schicken, wenn du draußen bist. Wobei er meistens genau dann etwas findet, um dran hängenzubleiben oder seine Bürste zu blockieren. So ein Hilferuf auf dem Handy erzeugt Druck, ihm helfen zu müssen. Den gemütlichen Spaziergang kannst du dann vergessen.

Kein Durchkommen! Die Stühle müssen weg, damit der Roboter saugen kann.
Kein Durchkommen! Die Stühle müssen weg, damit der Roboter saugen kann.

Die regelmäßige Wartung geht zudem über das Ausleeren des Schmutzbehälters hinaus. Den musst du hin und wieder auswaschen. Außerdem gilt es, die Bürste von Haaren zu befreien und den Filter zu reinigen oder bei Bedarf auszutauschen. Das ist alles notwendig, damit die Saugleistung nicht geringer wird. Und dass der Roboter den Staub von seiner Oberseite nicht selber weg bekommt, ist ebenfalls ein kleines Ärgernis.

Fazit: Schlau ist sexy

Staubsaugerroboter nehmen dir nicht die komplette Putzarbeit ab, können aber trotzdem eine Erleichterung sei. Der Bissel Spinwave und der Ecovacs Deebot Ozmo T8 AIVI haben mich gelehrt, dass ich weiterhin meinen Teil zu einer sauberen Wohnung beitragen muss.

Weitere Erkenntnis: Die Wischfunktion ist die damit verbundenen höheren Kosten nur in Ausnahmefällen wert. Dagegen zahle ich inzwischen gerne einen Aufpreis, wenn der Roboter sich selbst gut zurechtfindet. Und deswegen ist in diesem Duell der Deebot Ozmo T8 der klare Sieger – trotz oder gerade wegen seines deutlich höheren Preises.

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Jan Johannsen
Jan Johannsen

Redakteur, Hamburg

Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Galaxus.de.

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