
Was vom Sommer bleibt? Gelbe T-Shirt-Ränder
Sonnencreme und Schweiss haben den Sommer auf meinen weissen T-Shirts verewigt. Ich sage den Vergilbungen den Kampf an: mit «Fleckenteufel», «Vanish» und einer verzweifelten Schnapsidee.
Der Sommer ist fast vorbei. Doch an meinen T-Shirt-Rändern haften noch immer die letzten Erinnerungen: Sonnencreme, Körperöl und Schweiss. Gerade auf weissen Stoffen stechen die gelblichen Flecken sofort ins Auge. So habe ich mir meine Sommernostalgie nicht vorgestellt.

Ein erster Waschgang bringt nichts. Im Nachhinein bin ich schlauer: Anscheinend macht er Sonnencremeflecken sogar noch schlimmer. Der UV-Filter Avobenzon kann mit Eisenbestandteilen im Wasser reagieren und gelbliche bis orange Verfärbungen verursachen. Deshalb empfehlen Waschexperten, solche Flecken vor dem eigentlichen Waschgang zu behandeln.
Das habe ich versucht. Mit Kernseife, von der Teamkollege Michael schwärmt. Und mit Geschirrspülmittel. Hat alles nichts genützt.
«Du brauchst unbedingt den ‹Fleckenteufel›», rät mir Galaxus-Einkäuferin Andrea Rotzer. Sie ist für Wasch- und Putzmittel sowie Haustiere zuständig und schwärmt von den kleinen Wunderfläschchen von Dr. Beckmann. Eines soll gegen Erde, Gras und sogar spezifisch gegen Hautpflegeprodukte helfen:
Der «Fleckenteufel» schlägt zu – oder eher fehl?
Ich breite das erste T-Shirt aus und beträufle den Kragen beidseitig mit der durchsichtigen Flüssigkeit. Ich feuchte ihn richtig durch, wie es in der Anwendung steht. So lasse ich ihn zehn Minuten einwirken. Das mache ich auch bei den restlichen drei Shirts und werfe sie bei 30 Grad mit Flüssigwaschmittel in die Waschmaschine. Waschpulver und zu hohe Temperaturen sollte ich laut Ratgebern unbedingt vermeiden. Sie fixieren die Flecken noch zusätzlich.

Rund 1,5 Stunden später ziehe ich sie raus – und bin enttäuscht. Ich müsste schon eine Meisterin der Selbsttäuschung sein, um mir einzureden, die Ränder seien tatsächlich weisser geworden.
Und wenn ich nachdopple? Nochmals beträufle ich die Shirtränder mit dem «Fleckenteufel». Das Fläschchen ist bereits leer. Nochmals geht’s in die Waschmaschine. Diesen Shirts geht es an den Kragen!
Spoiler alert: Tut es nicht. Die Krägen sind (aller!)höchstens eine Nuance weniger gelb.
Die Chemie-Offensive
Das nächste (Wunder)mittel muss ran. Diesmal eines mit mehr Wumms. Mir fällt «Vanish Gold Advance für weisseres Weiss und Fleckenentfernung» in die Hand. Mein Öko-Herz schmerzt. Doch immerhin kommt es ohne Chlor aus. Eine Chance soll es bekommen.
Ich fülle einen Eimer mit vier Litern Wasser und kippe einen Löffel «Vanish» rein. Ein Warnhinweis springt mir gleich ins Auge: nur mit Plastikhandschuhen verwenden. Klingt ja vielversprechend.

Ich streife Plastikhandschuhe über und missbrauche den Holzstab meines Pömpels (was halt so zur Stelle ist) als Rührstab. Als das Pulver aufgelöst scheint, tauche ich meine vier vergilbten Shirts ein.

Vier bis sechs Stunden marinieren sie vor sich hin. Zwischendurch rühre ich immer mal wieder um. «Demit nüt ahockt», lache ich schon über meinen eigenen schlechten Scherz. Die Dämpfe scheinen mir in den Kopf gestiegen zu sein.
Doch eins sehe ich nach sechs Stunden ganz klar: Die Flecken. Sie. Sind. Noch. Immer. Da.
Der letzte Verzweiflungs-Cocktail
Manchmal habe ich die Tendenz, zu übertreiben. So kann ich mir im Nachhinein immerhin nicht vorwerfen, ich hätte nicht alles gegeben. Auch bei den Shirts fahre ich schliesslich die harten Bandagen auf.
Jetzt kommt der Endboss zum Zug: «Multi-Flecken Weiss» von «Vanish».
Was ich nun tue, könnte eine Tortenschichtungstaktik in der Konditorenbranche sein. Eigentlich ist es nur eine Schnapsidee zu später Stunde. Ich spraye eine Schicht «Vanish»-Spray auf den Kragen. Dann streue ich «Vanish»-Pulver darüber. Darauf sprühe ich nochmals Spray. Und darauf, als krönender Abschluss, erneut Pulver. Ach ja, und ein Häubchen Spray, als Tüpfchen auf dem i. Mehr ist schliesslich mehr. Voilà:

Das Ganze lasse ich nicht vier Stunden einwirken. Auch nicht sechs Stunden, wie empfohlen. Nein, acht. Ich bin schon eine Rebellin. Von blindem Aktionismus getrieben, schleudere ich die Shirts ein letztes Mal in die Waschmaschine.
Ein weisser Hoffnungsschimmer
Und, was glaubst du? Hat meine letzte Verzweiflungstat genützt? Ich muss zugeben: Nicht mal so schlecht. Die Flecken sind deutlich verblichen. Als Erstes stechen sie nicht mehr ins Auge. Doch von strahlend weissen Shirts kann ich noch immer träumen. Der «Fleckenteufel» und «Vanish Gold Advance» haben versagt. Eine Kombination mit dem Spray «Multi-Flecken Weiss» war halbwegs zufriedenstellend.

Ob ich es doch noch mit Natron, Sauerstoff- oder Chlorbleiche probieren soll, wozu hier geraten wird? Vielleicht hast du mir einen letzten, rettenden Tipp. Abgesehen davon, die Shirts schwarz einzufärben oder zu verbrennen ...
Ich liebe alles, was vier Beine oder Wurzeln hat – besonders meine Tierheimkatzen Jasper und Joy sowie meine Sukkulenten-Sammlung. Am liebsten pirsche ich auf Reportagen mit Polizeihunden und Katzencoiffeurinnen umher oder lasse in Gartenbrockis und Japangärten einfühlsame Geschichten gedeihen.
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