Wie überleben deine Pflanzen die Ferien?

Wie überleben deine Pflanzen die Ferien?

Carolin Teufelberger
Carolin Teufelberger
Zürich, am 07.07.2021
Erst seit Kurzem blüht es auf meinem Balkon – dank täglicher Hingabe. Doch bald werde ich die Pflanzen eine Woche alleine lassen und muss einen Weg finden, dass Tomate und Sonnenblume nicht wegsterben.

Endlich weg aus dieser Wohnung. Weg aus dieser Mischung aus Wohnen und Arbeiten. Endlich wieder richtig abschalten. Das denke ich mir, während ich die Reisepässe suche und erfreut feststelle, dass sie tatsächlich noch gültig sind. Schon Tage vorher fliegen überall Kleider herum, um die besten herauszusuchen. Danach müssen jegliche Ladekabel in irgendwelchen Schubladen gefunden werden. Und zuletzt wird noch einmal grob die Wohnung geputzt, dass mich nach den Ferien nicht der Schlag trifft.

Eine Sache aber hätte ich fast vergessen: die Pflanzen.

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Eine schwer beladene Tramfahrt, die ich so nicht wiederholen möchte, war nötig, um meinen Balkon zu begrünen. Es wäre daher schade, um all die Mühe und das Geld, wenn die Pflanzen während einer Woche Frankreich alle ins Gras beissen. Ausserdem will ich dieses Jahr endlich meine eigenen Tomaten essen. Letztes Jahr nämlich habe ich verschiedene Sorten aus Samen herangezogen, sie gehegt und gepflegt. Kurz vor Ernte sind dann alle während einer kurzen Abwesenheit verbrannt.

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Ich habe fast geweint.

Letztjährige Fehler vermeiden

Bevor ich mich für eine Bewässerungsmethode entscheide, gibt es ein paar grundlegende Dinge zu tun. Damit meine Kübelpflanzen möglichst wenig Energie und Wasser verbrauchen, schneide ich sie so gut wie möglich zurück. Alles Verblühte und Verwelkte, aber auch lange Triebe, kommen weg. Ausserdem dünge ich die Pflanzen zwei Wochen vor Abreise nicht mehr. Grosses Wachstum bedeutet nämlich hoher Energieverbrauch, den ich während den Ferien nicht decken kann.

Anschliessend stelle ich die etwas empfindlicheren Pflanzen nahe an die Fassade, um sie besser vor der Witterung zu schützen. Mein Balkon ist nämlich von oben frei und deshalb komplett dem Wetter ausgesetzt. Deswegen sind ja auch meine Tomaten verbrannt.

Nur ein winziger Dachvorsprung sorgt für Schutz.
Nur ein winziger Dachvorsprung sorgt für Schutz.

Nun gut. Die Pflanzen sind getrimmt und platziert, jetzt muss nur noch die Erde feucht gehalten werden. Am einfachsten wäre es wohl, meine Nachbarn zu fragen. Der Konjunktiv zeigt, dass dieses Szenario reine Theorie bleiben wird. Erstens hasse ich es, Leute um etwas zu bitten. Zweitens kenne ich meine Nachbarn kaum. In unserem Haus herrscht stiller Konsens darüber, dass man sich zwar schüchtern anlächelt, die Türe aufhält und auch einmal grüsst, aber sonst sein eigenes Ding macht.

Eine andere Idee muss her.

PET-Flasche

Schon beinahe ein Klassiker. Die Bewässerung mit einer umgedrehten PET-Flasche. Dafür musst du bloss ein oder mehrere Löcher in den Deckel bohren – je nachdem, wieviel Wasser die Pflanze braucht. Das heisst bei mir, dass ich bei den Sonnenblumen drei mache, bei den Ringelblumen hingegen nur ein kleines. Eine Wissenschaft ist das nicht. Eher Pi mal Daumen und etwas Ausprobieren. Also muss etwas Zeit vor der Abreise eingeplant werden.

Wenn alles passt, dann kann ich die Pflanzen nun gut zwei Wochen alleine lassen.

Mit einer dicken Nadel klappt das Perforieren hervorragend. Mit einer Ahle, einem spitzen Messer oder einem Schraubenzieher sollte es aber auch gehen.
Mit einer dicken Nadel klappt das Perforieren hervorragend. Mit einer Ahle, einem spitzen Messer oder einem Schraubenzieher sollte es aber auch gehen.

Alternativ soll auch ein Tonkegel gut funktionieren. Der kann einfach in den Plastikflaschenhals gesteckt und das Ganze ebenfalls kopfüber in die Erde gesetzt werden. Allerdings hält die Tonkegelmethode die Pflanze nur für ein paar Tage feucht, weshalb sie für mich nicht in Frage kommt.

Die Flasche muss richtig fest in der Erde sitzen, sonst fällt sie raus und erschlägt beinahe jemanden. Ich spreche aus Erfahrung.
Die Flasche muss richtig fest in der Erde sitzen, sonst fällt sie raus und erschlägt beinahe jemanden. Ich spreche aus Erfahrung.

Handtuch oder Küchenpapier

Der Trick ist mir neu. Mit einem Handtuch oder Küchenpapier lässt sich eine Art Wasserleitung bauen. Anscheinend soll es auch mit einem alten T-Shirt, einem Lappen oder sonst was gehen. Wichtig ist nur, dass das Textil aus Baumwolle ist und nicht irgendwelchen synthetischen Fasern.

Ich wähle ein Handtuch, da ich Küchenpapier schon seit Jahren nicht mehr kaufe, und rolle es der Breite nach auf. Dann befülle ich einen Eimer mit Wasser, tränke das Tüechli kurz darin und lege ein Ende rings um die Pflanze auf die Erde. Das andere Ende hänge ich in den Eimer. Der Stoff zieht nun stetig Wasser und gibt es langsam auf die Erde ab. Das System platziere ich an einem schattigeren Standort, damit das ganze Wasser nicht zu schnell verdunstet. So ist die Pflanze zwei Wochen mit Wasser versorgt.

Bei Regen – so wie jetzt – ist das System eher unnötig, aber falls die Sonne irgendwann mal wieder kommt, ist es umso wichtiger.
Bei Regen – so wie jetzt – ist das System eher unnötig, aber falls die Sonne irgendwann mal wieder kommt, ist es umso wichtiger.

Bewässerungssystem

Ich vertraue zwar auf die selbstgebastelten Bewässerungssysteme, trotzdem will erwähnt sein, dass es solche auch zu kaufen gibt. Für den Balkon habe ich schon einmal ein kleines Set getestet, das auch ohne Wasseranschluss läuft. Das funktioniert ziemlich gut, war mir auf Dauer aber einfach ein wenig zu hässlich und sperrig, um es stehen zu lassen. Für lange Ferien ist ein erneuter Auf- und Abbau aber vorstellbar.

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Für den Garten oder grössere Terrassen lohnen sich vollautomatische Systeme. Denn die PET-Flaschen-Bewässerung ist ab etwa 20 Pflanzen nicht mehr skalierbar. Es gibt ganz einfache Systeme, aber auch smarte mit Regenradar, Feuchtesensoren und natürlich App. Was du als notwendig empfindest, ist dir überlassen.

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Zimmerpflanzen

Alle meine Zimmerpflanzen sind unempfindlich, weshalb ich mir keine grossen Sorgen um sie mache. Einmal kräftig Giessen genügt im Normalfall. Dazu stelle ich sie eng zusammen, damit sie sich gegenseitig etwas beschatten und ihr eigenes feuchtes Klima bilden können. Denn die meisten Zimmerpflanzen kommen ursprünglich aus den Tropen, weshalb sie Feuchtigkeit lieben. Falls du etwas anspruchsvollere Pflanzen hast und einmal kräftig Giessen nicht reicht, kannst du genau dieselben Tipps anwenden wie draussen.

Die Pflanzen leisten sich gerne Gesellschaft während deiner Abwesenheit.
Die Pflanzen leisten sich gerne Gesellschaft während deiner Abwesenheit.

Während ich noch die Tomatenstaude präpariere, träume ich schon von einem «Insalata Caprese». Ich bin optimistisch, dass alles klappen wird. Ich kippe noch ein Fenster und schreite die Wohnung für einen letzten Kontrollgang ab.

Adieu, Pflänzchen. Ihr seid jetzt auf euch alleine gestellt.

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Carolin Teufelberger
Carolin Teufelberger

Editor, Zürich

Meinen Horizont erweitern: So einfach lässt sich mein Leben zusammenfassen. Ich liebe es, neue Menschen, Gedanken und Lebenswelten kennenzulernen,. Journalistische Abenteuer lauern überall; ob beim Reisen, Lesen, Kochen, Filme schauen oder Heimwerken.

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