Deine Daten. Deine Wahl.

Wenn du nur das Nötigste wählst, erfassen wir mit Cookies und ähnlichen Technologien Informationen zu deinem Gerät und deinem Nutzungsverhalten auf unserer Website. Diese brauchen wir, um dir bspw. ein sicheres Login und Basisfunktionen wie den Warenkorb zu ermöglichen.

Wenn du allem zustimmst, können wir diese Daten darüber hinaus nutzen, um dir personalisierte Angebote zu zeigen, unsere Webseite zu verbessern und gezielte Werbung auf unseren und anderen Webseiten oder Apps anzuzeigen. Dazu können bestimmte Daten auch an Dritte und Werbepartner weitergegeben werden.

Pia Seidel
Meinung

Ein Koch und eine Architektin feiern Essen im Bett – ich mache nicht mit

Pia Seidel
14.10.2026
Bilder: Pia Seidel

An der Milan Design Week haben ein Koch und eine Architektin ein hübsches Schlafzimmer gebaut, in dem Essen noch nie so verlockend aussah. Ich war hin und weg. Trotzdem: Essen im Bett bleibt für mich eine schlechte Idee, so hübsch das Zimmer auch war.

Fürs Projekt «Room self-service» haben fünf Koch-Design-Duos im Auftrag von Ikea je ein Zimmer samt Menü entworfen. Architektin Charlotte Taylor und Koch Ben Lippett übernahmen ausgerechnet das Schlafzimmer – den einzigen Ort zu Hause, an dem du nichts tun solltest, ausser schlafen. Ihr Zimmer: eine Trattoria, die sich in eine Bettdecke gekuschelt hat. Holz, warme Metalle, goldenes Licht.

Der Blick von aussen, bevor sich das Holz zur Trattoria-Kulisse schliesst.
Der Blick von aussen, bevor sich das Holz zur Trattoria-Kulisse schliesst.
Bett, Bücher, Zeitschriften – das Chaos hat hier System.
Bett, Bücher, Zeitschriften – das Chaos hat hier System.
Eines von mehreren Zimmern, die an der Messe nebeneinander standen.
Eines von mehreren Zimmern, die an der Messe nebeneinander standen.
Nach dem Fototermin mit dem Duo wich die Pasta-Schale einem Tablett.
Nach dem Fototermin mit dem Duo wich die Pasta-Schale einem Tablett.
Spiegelnde Holzflächen lassen den kleinen Raum grösser wirken, als er ist.
Spiegelnde Holzflächen lassen den kleinen Raum grösser wirken, als er ist.
Eingebaute Ablagen lösen ein Problem: Wohin mit Teller, Glas, Besteck im Bett?
Eingebaute Ablagen lösen ein Problem: Wohin mit Teller, Glas, Besteck im Bett?

Auf dem Bett: eine Schale Pasta, gefaltet wie Bettwäsche, in einer Brühe, die laut Lippett vier Stunden kocht. Als ich zum Fotografieren kam, war die Schale schon weg. Zu viele Leute, zu hoch das Risiko für Flecken. Geblieben ist nur die Bühne drumherum.

Die Pasta liegt gefaltet da wie Bettlaken und zeigt, worum's im Projekt geht.
Die Pasta liegt gefaltet da wie Bettlaken und zeigt, worum's im Projekt geht.
Quelle: Ikea

Warum ausgerechnet jetzt darüber nachdenken

Die Tage werden kürzer. Wir hängen wieder mehr im Bett ab. Und die Erkältungssaison startet – mit Tee, Suppe und Taschentüchern auf dem Nachttisch statt in der Küche. Genau jetzt stellt sich die Frage wieder, die Taylor und Lippett romantisieren: Soll das Bett jetzt auch noch zum Essplatz werden?

Schön ist nicht gleich richtig

Schön ist das Zimmer, schön ist die Geste, keine Frage. Lippett bringt's selbst auf den Punkt: «Wir haben noch nie so wenig Zeit mit Kochen verbracht wie heute. Diese Brühe braucht vier Stunden. Wenn man sich also die Zeit für so etwas nimmt – besonders wenn man sie mit jemandem teilt – ist das ein riesiges Geschenk.» Stimmt. Eine Schale lässt sich im Bett auch einfacher balancieren als Teller und Besteck.

Trotzdem: Nett und hübsch heisst nicht hygienisch. Ich sehe Krümel zwischen den Kissen, Saucenflecken auf dem Leintuch, und mir dreht sich jetzt schon der Magen um. Für guten Schlaf braucht's ein sauberes Zimmer. Keins, in dem ich nachts auf Essensresten liege. Dazu kommt: Liegend essen gibt mir fast immer Sodbrennen, lange bevor ich überhaupt müde bin. Und esse ich im Bett, merkt sich mein Kopf: Hier passiert auch tagsüber was – die Ruhe ist weg. Nicht umsonst gilt in der Schlaftherapie: Das Bett ist nur fürs Schlafen da.

Das Bett als Bühne, nicht als Dauer-Esstisch

Was Taylor und Lippett erdacht haben, ist kein Alltags-Tipp. Es ist ein Gedankenexperiment: Wie viel Fürsorge steckt in einer Mahlzeit, wenn du dir Zeit dafür nimmst? Das Design-Magazin Dezeen schreibt, die beiden hätten ein Schlafzimmer geschaffen, das Essen im Bett als alltägliches Ritual neu denke statt als gelegentlichen Luxus – ein kokonartiger Raum mit Ablagen und beweglichen Möbeln für den Wechsel zwischen Ausruhen und Essen.

Die Materialwahl erinnert bewusst an eine italienische Trattoria.
Die Materialwahl erinnert bewusst an eine italienische Trattoria.
Ein Mörser auf Sartre und Baudelaire: Details wie dieses zeigen viel Sorgfalt.
Ein Mörser auf Sartre und Baudelaire: Details wie dieses zeigen viel Sorgfalt.
Eine Tulpe mittendrin: Kleine Gesten machen den Raum bewohnt.
Eine Tulpe mittendrin: Kleine Gesten machen den Raum bewohnt.
Die geschwungene Wand mit offenen Regalen gibt dem Zimmer seine kokonartige Form.
Die geschwungene Wand mit offenen Regalen gibt dem Zimmer seine kokonartige Form.
Ein Zollstock zwischen den Büchern: Hier baute noch jemand, statt nur zu dekorieren.
Ein Zollstock zwischen den Büchern: Hier baute noch jemand, statt nur zu dekorieren.
Ein Detail mit Zeitstempel: Der Wandkalender zeigt April 2026, den Monat der Milan Design Week.
Ein Detail mit Zeitstempel: Der Wandkalender zeigt April 2026, den Monat der Milan Design Week.

Genau da widerspreche ich: Als einmaliges Ritual, zelebriert mit vier Stunden Brühe und Gesellschaft – gerne. Als Alltag, an irgendeinem Montag mit Tablett auf der Bettdecke – nein.

Chaos mit Wiedererkennungswert

Charlotte Taylors Handschrift ist unverkennbar: Bücher, die eher gestapelt als einsortiert wirken. Zeitschriften, die aufgeschlagen liegen bleiben, als wäre gerade erst jemand aufgestanden. Schon in ihrer Ausstellung «Home from Home» in Kopenhagen hat sie genau das zu ihrem Markenzeichen gemacht.

Auch in Mailand bleibt sie sich treu: Kissen liegen schief, der Schlafanzug liegt achtlos da. Gemütlich, nicht perfekt. Genau so, wie sie es mag.

Wo meine Meinung an ihre Grenzen stösst

Ich habe nur fotografiert, nicht gegessen. Meine Meinung kommt vom Zuschauen, nicht vom eigenen Erleben. Und: Für besondere Anlässe, Krankheitstage oder als bewusst inszenierten Moment zu zweit darf «Bett-Essen» gerne sein. Meine Kritik gilt dem Bett als Dauer-Esstisch, nicht dem Frühstück am Wochenende.

Das eigentliche Credo steckt nicht im Essen, sondern im Innehalten.
Das eigentliche Credo steckt nicht im Essen, sondern im Innehalten.

Wie hältst du es: Croissant-Krümel im Bett – Romantik oder Albtraum? Schreib's in die Kommentare.

Titelbild: Pia Seidel

5 Personen gefällt dieser Artikel


User Avatar
User Avatar

Mit der Begeisterung eines Cheerleaders feiere ich gutes Design und bringe dir alles näher, was mit Möbeln und Inneneinrichtung zu tun hat. Regelmässig kuratiere ich einfache, aber raffinierte Interior-Entdeckungen, spüre Trends auf und interviewe kreative Köpfe zu ihrer Arbeit. 


Meinung

Hier liest du eine subjektive Meinung der Redaktion. Sie entspricht nicht zwingend der Haltung des Unternehmens.

Alle anzeigen

Weitere Beiträge aus dem Magazin

Alle anzeigen

Weitere Beiträge aus dem Magazin

Kommentare

Avatar