
«Heroes of Might and Magic III» angespielt: Jetzt verstehe ich den Hype
Nur noch diese Mine. Nur noch dieses Monster. Nur noch dieses Gebäude. «Heroes of Might and Magic III» ist 27 Jahre alt – und sein gefährlich süchtig machender Spielfluss funktioniert noch immer.
Eigentlich hätte ich längst aufhören müssen. Mein nächster Termin an der Gamescom rückte näher, mein Magen knurrte bereits – und trotzdem klickte ich noch einmal auf «End Turn». Nur noch diese Mine. Nur noch dieses Monster. Nur noch dieses Gebäude. Aus geplanten 15 Minuten wurden so plötzlich 60.
Das ist insofern bemerkenswert, als dass ich mit «Heroes of Might and Magic III» bislang eine ziemlich einseitige Beziehung führte. Ich kenne seinen legendären Ruf, habe über die Jahre unzählige Male davon gehört und bin darum fast so vertraut damit, als hätte ich den Strategieklassiker von 1999 schon selbst gespielt. Habe ich aber nie. Damals war ich eher im «Warcraft II»-Lager unterwegs.
27 Jahre später bekomme ich mit dem Remake endlich meine Chance. Und ganz ohne Nostalgiebonus stelle ich fest: Verdammt, jetzt verstehe ich euch langsam.
Ein Klassiker ohne Nostalgiebonus
Ubisoft baut «Heroes of Might and Magic III» komplett neu in 3D auf. Weltkarte, Städte, Schlachtfelder und Einheiten werden neu gestaltet, die Kamera lässt sich drehen und zoomen. Am eigentlichen Spielprinzip will Ubisoft dagegen erstaunlich wenig verändern. Das Remake soll weiterhin «Heroes III» sein – einfach hübscher und mit einigen modernen Komfortfunktionen.
Für mich ist das die ideale Ausgangslage. Ich kann nicht beurteilen, ob ein Greif genauso aussehen muss wie 1999 oder ob irgendein Baum jetzt an der falschen Stelle steht. Dafür kann ich eine andere Frage beantworten: Funktioniert diese fast drei Jahrzehnte alte Spielformel auch für jemanden, der sie heute zum ersten Mal erlebt?
Meine ersten rund 30 Minuten verbringe ich in der neuen Tutorial-Kampagne. Darin spiele ich Catherine Ironfist, die nach dem Tod ihres Vaters nach Erathia zurückkehrt. Dort läuft einiges schief, also macht sich Catherine daran, ihr Königreich zurückzuerobern. Das Tutorial führt mich behutsam durch die Grundlagen.

Quelle: Ubisoft
Statt wie in «Warcraft» in Echtzeit Basen hochzuziehen und Einheiten über die Karte zu scheuchen, funktioniert «Heroes III» rundenbasiert. Ich bewege Catherine über eine grosse Abenteuerkarte, sammle Ressourcen, besuche Gebäude, sichere Minen und führe eine stetig wachsende Armee mit mir herum. Sind meine Bewegungspunkte aufgebraucht, beende ich den Zug und ein neuer Tag beginnt.
Treffe ich auf feindliche Kreaturen, wechselt das Spiel auf ein separates Hexfeld. Meine Truppen bewegen sich dort der Reihe nach, greifen an oder verteidigen sich, während Catherine sie mit Zaubern unterstützt. Das Remake hilft mir mit einigen neuen Anzeigen: Ich sehe etwa die Zugreihenfolge, kann gegnerische Laufreichweiten einblenden und bekomme vor einem Angriff eine ungefähre Schadensprognose. Für Veteranen Kleinkram, für mich ziemlich hilfreich.

Quelle: Ubisoft
Und dann lässt mich das Spiel los
Nach dem Tutorial starte ich ein freies Szenario. Jetzt verschwinden die Leitplanken – und genau hier beginnt «Heroes III» bei mir zu zünden.
Ich habe eine Stadt, einen Helden, eine kleine Armee und mehrere Ressourcenarten. Also ziehe ich los. Überall entdecke ich Holz, Erz und Gold, Minen, Artefakte, Schatztruhen und neutrale Kreaturen. Parallel baue ich meine Stadt aus. Neue Gebäude verbessern meine Wirtschaft oder ermöglichen mir, stärkere Einheiten zu rekrutieren. Natürlich will ich beides, natürlich reicht mein Zeug nie für alles.
Damit beginnt das eigentliche Spiel im Spiel. Investiere ich meine Ressourcen in meine Wirtschaft oder brauche ich dringend stärkere Truppen? Hole ich mir erst die Mine im Westen oder riskiere ich den Kampf gegen die Kreaturen im Süden, hinter denen ein Artefakt liegt? Keine dieser Entscheidungen ist für sich wahnsinnig kompliziert. Zusammen ergeben sie aber eine Kette kleiner Abwägungen, bei denen jede Antwort bereits die nächste Frage aufwirft.

Quelle: Ubisoft
Und genau hier verliere ich jegliches Zeitgefühl. Eigentlich sollte dieser Teil meiner Demo ungefähr eine Viertelstunde dauern. Ich hatte insgesamt 45 Minuten für den Termin eingeplant. Nach dem Tutorial wollte ich also nur kurz schauen, wie sich das freie Spiel anfühlt.
Eine Stunde später sass ich immer noch dort.
Ich hatte gerade ein neues Gebäude errichtet, mit dem ich bessere Kreaturen rekrutieren konnte. Dann entdeckte ich eine Mine. Auf dem Weg dorthin lag eine Schatztruhe. Danach konnte ich meinen Helden aufleveln. Und wenn ich schon so weit gelaufen war, konnte ich eigentlich noch schnell schauen, was hinter diesem Stück unerforschter Karte wartet.
Jetzt verstehe ich, warum «Heroes III» als diese berüchtigte «nur noch eine Runde»-Maschine gilt. Wobei es eigentlich noch perfider ist: Ich will nicht zwingend noch eine Runde spielen. Ich will noch eine Sache erledigen. Das Problem ist bloss, dass dahinter bereits drei neue warten.

Quelle: Ubisoft
Hübsch, aber nicht immer übersichtlich
Ganz makellos ist mein erster Eindruck trotzdem nicht. Die neue 3D-Grafik gefällt mir grundsätzlich gut. Besonders die Städte profitieren davon: Gebäude wachsen sichtbar in die Höhe, kleine Figuren wuseln herum und auch die Kämpfe wirken mit den detaillierten Einheiten und Effekten lebendiger.
Auf der Abenteuerkarte hatte ich dagegen gelegentlich Mühe zu erkennen, was eigentlich vor mir liegt. Manche Ressourcen, Gebäude und Kreaturen verschmelzen stärker mit der Umgebung, als mir lieb ist. Mehrmals musste ich mit der Maus über etwas fahren, bevor mir klar wurde, worauf ich da überhaupt schaue. Gerade bei einem Spiel, in dem ich permanent die Karte nach interessanten Zielen absuche, ist Lesbarkeit keine Kleinigkeit.

Quelle: Ubisoft
Ob die neue Optik dabei etwas vom Charme des Originals verliert, kann und will ich nicht beurteilen. Dafür fehlt mir genau jene nostalgische Verbindung, mit der viele Fans dieses Remake betrachten werden. Interessanter finde ich ohnehin, wie vorsichtig Ubisoft spielerisch modernisiert. Eine Bauwarteschlange erleichtert etwa den Stadtausbau, die zusätzlichen Anzeigen machen Kämpfe verständlicher und die frei bewegliche Kamera verschafft mir bei Bedarf einen besseren Überblick. Der Kern bleibt unangetastet.
Das gilt offenbar auch für den Umfang. Neben dem Hauptspiel sollen beide Erweiterungen «Armageddon’s Blade» und «The Shadow of Death» sowie alle neun Fraktionen enthalten sein. Alte Community-Karten und -Kampagnen sollen sich weitgehend übernehmen lassen, dazu kommen neue Editor-Werkzeuge, Multiplayer für bis zu acht Personen und der klassische Hot-Seat-Modus. Ubisoft versucht also nicht bloss, «Heroes III» hübscher zu machen, sondern möglichst viel von dem mitzunehmen, was das Spiel über Jahrzehnte am Leben gehalten hat.
Jetzt verstehe ich euch
Ob das Remake für Menschen funktioniert, die seit 1999 jede Kreatur und jede Karte kennen, müssen andere beurteilen. Ich kann nach meiner Demo nur sagen, was «Heroes III» mit jemandem macht, der all diese Erinnerungen nicht hat.
Und das ist erstaunlich viel.

Quelle: Luca Fontana
«Heroes of Might and Magic III Remake» soll 2027 für PC, PS5 und Xbox Series X/S erscheinen.
Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.
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