

Ist dieser Saugroboter eine echte Alternative zu Dreame oder Roborock?
Der Narwal Flow 2 putzt den Boden mit warmem Wasser – und das so gründlich wie bisher kaum ein Saugroboter. Damit hält der Aussenseiter mit den etablierten Topmodellen mit.
Als Newcomer musst du zuerst einmal Vertrauen aufbauen. Narwal macht das, indem gleich zuoberst im Karton ein A4-Blatt mit allen Kundendienstinformationen für Deutschland und die Schweiz liegt – inklusive Webadresse, Mail und Telefonnummer. In der Schweiz übernimmt diesen Service (und den Import) der Schweizer Haushaltsgerätehersteller Solis. Damit signalisiert Narwal: Wir sind für dich da, wenn etwas nicht funktioniert oder du Fragen hast.
Der Hersteller aus Shenzhen stellt zwar seit sechs Jahren Roboterstaubsauger her, bei uns ist er aber noch kaum in Erscheinung getreten. Das soll sich nun mit neuen Modellen und dem neuen Vertrieb ändern.

Heisswasser-Walze für Hartböden
Der Flow 2 ist das aktuelle Flaggschiff. Seine Spezialität: Er wischt den Boden mit einer grossen Walze, die laufend mit 60 Grad warmem Wasser gereinigt wird. Ideal also für meine Wohnung mit Plattenböden und Parkett. Hier kann der Roboter seine Stärken voll ausspielen: gleichzeitig saugen und feucht aufnehmen.
Dank der grossen Wischfläche und dem warmen Wasser putzt der Roboter meine Hartböden intensiv. Die zur Seite ausfahrbare Walze kommt auch an die Ränder, nur die Ecken erreicht sie nicht richtig. Die Seitenbürste schwingt zwar zur Seite, überzeugt aber in den Ecken ebenfalls nicht ganz.

Das Gesamtresultat gehört aber zu den saubersten bisher – und das in einem anständigen Tempo: Der Roboter braucht im Automatikmodus etwas mehr als eine Minute pro Quadratmeter. Überdurchschnittlich ist dagegen der Wasserverbrauch: Das merke ich daran, wie schnell sich der Frischwassertank leert und der Schmutzwassertank füllt. Nach rund 160 Quadratmetern Bodenfläche muss ich Wasser nachfüllen und den Tank leeren. Ich kann also nur rund zweimal die Wohnung reinigen.
Teppiche habe ich zwar nicht viele, doch die saugt der Roboter intensiv. Einerseits, weil er mit 31 000 Pascal eine starke Saugkraft entwickelt, andererseits, weil er die Bürste mit der Saugereinheit auf den Teppich drückt. Dadurch geht weniger Leistung verloren – und der Mopp hat genug Abstand zum Teppich.
Einziges Manko: Der Roboter kann die Walze nicht abdecken. Das wird bei Hochflorteppichen zum Problem, wenn der Mopp noch feucht ist. Der Roboter erkennt Teppiche aber automatisch und zeichnet sie auf dem Plan ein. Sobald ich eine Reinigung starte, saugt er zuerst alle Teppiche, bevor er den Mopp befeuchtet und sich die Hartböden vornimmt.

So gut wischt der Flow 2 wirklich
Wie gut der Narwal wirklich ist, zeigt ein Experiment. Ich verteile Ketchup auf dem Plattenboden und lasse es antrocknen. Dann schicke ich den Flow 2 im Automatikmodus auf Putzmission.

Das Resultat: Die Software erkennt die starke Verschmutzung und saugt und wischt den Bereich zweimal. Auf den ersten Blick wirkt das nicht perfekt. Zwar ist der Grossteil der Sauce weg – aber ich sehe noch rote Reste. Als ich diese von Hand wegputzen will, merke ich, wie stark sie am Boden kleben. Ich brauche richtig viel Druck und muss ein halbes Dutzend mal drüberschrubben, bis alles weg ist.
Trotzdem bin ich beeindruckt: Ich fahre mit einem weissen Küchentuch rund um die Flecken über den Boden. Alles blitzeblank, keine roten Spuren, keine verteilten Ketchup-Reste. Da hatten andere Roboter deutlich mehr Mühe, alles vom Boden wegzubringen. Und ganz ehrlich: Würde ich von Hand mit dem Mopp wischen, müsste ich ihn bei dieser Menge Ketchup zwei- oder dreimal auswaschen.

Bei einem Test im Herbst hat das die Konkurrenz noch deutlich schlechter gemacht bei grossen Mengen an Dreck.

Mit dem grünen Laser des Dyson-Staubsaugers überprüfe ich nach der Reinigung auch die Kanten und Ecken. Die Kanten sind makellos sauber, in den Ecken liegen noch Krümel. Damit teilt der Narwal das Eckenproblem mit allen anderen Saugern ohne ausfahrbare Bürste. Sie erreichen rund einen Quadratzentimeter in der Ecke nicht.

Software besser als der Durchschnitt
Die Narwal-App ist zwar grafisch etwas langweilig, dafür zweckmässig. Ich finde mich sofort zurecht, auch ohne sie vorher gekannt zu haben. Besonders angenehm: Die häufigsten Putzprogramme stehen als Schnellauswahl im Startscreen. Mit einem Klick starte ich die Gesamtreinigung – oder ich tippe kurz auf die gewünschten Räume und lasse sofort nur diese putzen. Bei vielen anderen Herstellern benötigt das ein oder zwei Klicks mehr.
Die letzte Einstellung lässt sich erneut aufrufen, so dass ich eine manuell definierte Zone gleich nochmals putzen kann. Bei vielen anderen Apps muss ich das jedes Mal neu einstellen.

Bereits bei der Installation hält der Flow 2 mit der Konkurrenz problemlos mit. Die Kartierung dauert neun Minuten – damit gehört er zu den schnellsten Robotern, die ich je getestet habe.
Das Resultat überzeugt: Das System erkennt alle Räume, das Schlafzimmer sogar mit dem richtigen Label. Die Karte bearbeite ich danach schnell und einfach – die offene Küche trenne ich etwa noch vom Wohnzimmer ab. Im sechswöchigen Test navigiert der Roboter ohne Aussetzer, verliert nie die Orientierung und fährt sich nie fest.
Heikel wird es, wenn direkt neben der Absaugstation etwas steht – bei mir ein Futterautomat für die Katze. Narwal besteht darauf, dass der Bereich rund um die Ausfahrt frei bleibt, sonst erscheint immer mal wieder eine Fehlermeldung. Ich schiebe den Automaten 50 Zentimeter weg, seither läuft alles problemlos.
Standby vorbildlich, Klettern mässig
Der Roboter putzt weder besonders leise noch unangenehm laut. Das bestätigt die Messung: 60 Dezibel im Automatikmodus mit Saugen und Wischen – in rund einem Meter Abstand gemessen. Damit liegt der Flow 2 im Durchschnitt.
Überrascht hat mich die Messung des Energieverbrauchs. Natürlich braucht es viel Leistung, um das Reinigungswasser auf 60 Grad zu heizen oder nach der Reinigung die Walze mit 100 Grad heissem Wasser zu waschen und danach mit 60 Grad warmer Luft zu trocknen. Da verbraucht die Basisstation 90 bis 100 Watt.
Aber: Im Standby erreicht der Narwal Flow 2 erstmals in meiner Testreihe überhaupt einen richtig guten Wert – nur 0,8 Wattstunden Verbrauch. Bei der Konkurrenz messe ich das Zwei- bis Dreifache. Der Strompreis ist allerdings so tief, dass das übers Jahr nicht viel ausmacht: Rund zwei Franken zahle ich für den Standby-Strom beim Narwal – mit der Konkurrenz wären es vier bis sechs Franken.
Für ein aktuelles Topmodell kann der Flow 2 nicht besonders hoch klettern. Der Roboter soll laut Hersteller Schwellen bis vier Zentimeter meistern. Er stellt dafür den vorderen Teil des Gehäuses auf und wuchtet sich übers Hindernis, so wie es die ersten Kletter-Roboter von Roborock auch gemacht haben.
Das Resultat ist ähnlich: Der Flow 2 wirkt beim Klettern sehr angestrengt – er schiebt und poltert. Meine Testschwelle mit 28 Millimetern überwindet er problemlos. Bei 41 Millimeter scheitert er. Hast du Schwellen bis drei Zentimeter, ist das kein Problem. Über vier Zentimeter klappt es sicher nicht; alles dazwischen hängt von der Bauweise ab. Einige Konkurrenten schaffen fünf Zentimeter.
Viele Stärken, zwei Schwächen
Im Alltagstest hinterlässt der Narwal einen ausgezeichneten Eindruck – auch dank vieler kleiner Details. So sieht der Reinigungstank zwar auf den ersten Blick wie eine Kartusche aus, ich kann ihn aber selbst befüllen. In der Bürste bleibt kein langes Haar hängen; alle werden eingesaugt und im Staubbeutel entsorgt.

In der App stelle ich auf Wunsch alles genau ein – etwa die Hinderniserkennung mit Fotos und KI-Interpretation. Die funktioniert ausgezeichnet: Kabel oder Katzenspielzeug erkennt der Roboter und umfährt sie. Danach sehe ich ein Foto der Hindernisse in der App und kann sie wegräumen – wenn ich will.
Die gute Reinigungsleistung der Walze hat einen Nachteil: Sie schluckt viel Wasser. Obwohl der Frischwassertank mit 4,5 Litern ordentlich gross ist, reicht er im Automatikmodus nur für rund 150 bis 200 Quadratmeter. Nach zwei Wohnungsreinigungen muss ich Wasser nachfüllen und den Abwassertank leeren.
Mehr Arbeit als gewohnt macht mir die Auffangschale in der Basisstation. Darin reinigt und trocknet der Roboter die Walze. Bei Narwal sammelt sich im Plastikteil viel Dreck an. Ich muss es alle zwei bis drei Wochen reinigen. Bei der Konkurrenz liegt das Intervall bei vier bis fünf Wochen. Die Schale lässt sich immerhin leicht herausnehmen und abwaschen.

Wie sieht es mit dem Datenschutz aus?
Für viele ist Datenschutz wichtig – vor allem bei Geräten, die den gesamten Privatbereich scannen.
Den Roboter kann ich im Standard-Reinigungsmodus ohne App und WLAN nutzen – allerdings wirklich nur für die Basisreinigung: Saugen und Wischen aller erreichbaren Flächen. Sobald ich Einstellungen vornehmen will, muss ich mich über die App registrieren und den Flow 2 per WLAN verbinden.
Bereits bei der Installation wähle ich, ob Geräteprotokolle bei Fehlern übermittelt werden dürfen, ob ich am Nutzererfahrungsprogramm mitmachen will und – besonders wichtig – ob ich Videostreaming und Livebilder freischalte.

Wichtig: Die Hinderniserkennung läuft lokal auf dem Roboter, die Bilder landen nicht in der Cloud. Lehne ich die Datenschutzrichtlinie für Bilder ab, erscheinen diese nicht einmal in der App.
Damit liegt Narwal auf dem Niveau der meisten anderen Hersteller. Die lokale Bildverarbeitung statt Cloud-Analyse bieten aber nur wenige Konkurrenten.
Fazit
Kann mit den Besten mithalten
Der Narwal Flow 2 hält mit den Topmodellen von Dreame und Roborock mit. Auf Hartböden überzeugt der Saugroboter vor allem mit seiner selbstreinigenden Moppwalze, die mit warmem Wasser Parkett oder Platten wischt. Schade ist, dass eine ausfahrbare Bürste fehlt, welche die Ecken ebenso gründlich reinigt.
Sonst überzeugt das Gerät durchgehend: Die Navigation und Hinderniserkennung funktionieren fehlerfrei, die App ist angenehm einfach sowie übersichtlich aufgebaut und der Standby-Verbrauch so tief wie noch nie in einem Saugroboter-Test.
Pro
- ausgezeichnete Wischleistung
- schnelle Reinigung
- präzise Navigation
- vorbildlich tiefer Standby-Verbrauch
Contra
- hoher Wasserverbrauch bei recht kleinem Tank
- Eckenreinigung mittelmässig

Gadgets sind meine Passion – egal ob man sie für Homeoffice, Haushalt, Smart Home, Sport oder Vergnügen braucht. Oder natürlich auch fürs grosse Hobby neben der Familie, nämlich fürs Angeln.
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