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Produkttest

Nur Legospielen kann er nicht: Der Mova V70 Ultra überzeugt im Test

Der Mova V70 hat zwei ausfahrbare Arme, klettert über Schwellen und nimmt feucht auf. Damit überzeugt er auch meinen Familienhaushalt.

Unsere Familie hat ein Dilemma: Meine Kinder lieben Müsli, meine Frau hasst es. Nicht das Müsli per se, sondern das Massaker, das unsere Kinder beim Essen hinterlassen. Um die Nerven zu schonen und nicht jeden Morgen staubsaugen zu müssen, überlege ich mir, einen Staubsaugerroboter anzuschaffen. Ich bin allerdings skeptisch.

Wir hatten nämlich schon mal einen. Er hiess Marvin, wie der Android aus «The Hitchhiker's Guide to the Galaxy». Genau wie sein Namensvetter erledigte er seinen Job nur widerwillig. Er hatte eine Vorliebe für Kabel jeglicher Art. Möglicherweise hegte er ähnlich starke Suizidgedanken wie Douglas Adams’ Romanfigur. Sein richtiger Name war iRobot Roomba. Mit dem Umzug vor fast zehn Jahren haben wir uns getrennt. Wenn er schon von einer schwellenlosen Wohnung überfordert ist, versuchte ich es erst gar nicht mit einem mehrstöckigen Haus.

Vermisst habe ich den Roomba nie. Ich habe mich aber oft gefragt, ob die neuen Generationen von Dreame, Roborock oder Mova mit unserem eher anspruchsvollen Haushalt zurechtkommen. Mehrere Stockwerke, Schwellen, eine Mischung aus Teppich und Hartboden, dazu zwei Kinder, die jeden Raum in ein Spielzimmer verwandeln. Mal schauen, ob der Mova V70 Ultra Complete diese Herausforderung meistert.

Die Station ist nicht gerade klein.
Die Station ist nicht gerade klein.

Schnell eingerichtet und Karte erstellt

Ohne einen Blick ins Handbuch zu werfen, richte ich den Mova V70 ein. Das geht schnell und ohne Probleme. Viel mehr als ein paar Klebestreifen zu entfernen und die Rampe anzudocken, gibt es nicht zu tun. Anschliessend lade ich die Mova-App herunter und nehme den Roboter in Betrieb. Das Account-Erstellen ist noch das Aufwendigste. Die App ist übersichtlich und führt mich schrittweise an die verschiedenen Einstellungen heran. Was mir sofort gefällt, ist, dass alle wichtigen Schritte visuell erklärt werden. So sehe ich sofort, wo ich das Wasser und wo die Reinigungsflüssigkeit einfüllen muss.

Nach wenigen Minuten ist der Mova startklar. Vor der ersten Reinigung erstellt er selbstständig einen Raumplan. Der 3D-Sensor arbeitet erstaunlich genau. Er fährt wie ein Periskop aus – oder ein, wenn er niedrige Stellen wie ein Sofa erkennt. Er weist auch fast alle Zimmer richtig zu – nur ein Bad markiert er fälschlicherweise als Schlafzimmer. Wobei ich sowieso nicht sicher bin, was für eine Rolle das spielt, ausser für meine Übersicht. Sogar die Bodenart – Holzboden, Fliesen oder Teppich – erkennt er korrekt. Kabel markiert er und macht einen Bogen darum – ausser ich sage ihm, dass er im Cross-Kabel-Stil drüberfahren darf.

Nach der automatischen Kartierung kann ich bei Bedarf Anpassungen vornehmen.
Nach der automatischen Kartierung kann ich bei Bedarf Anpassungen vornehmen.

Mit der Legostadt meiner Kinder ist er allerdings überfordert. Noch bevor er bulldozermässig grössere Schäden anrichten kann, hat er sich bereits an einem Legostein verschluckt. Die Situation entschärfe ich, indem ich in der App den Bereich absperre.

Der Mova kann vieles. Legospielen gehört nicht dazu.
Der Mova kann vieles. Legospielen gehört nicht dazu.

Treppensteigen kann der Mova V70 nicht, darum trage ich ihn von Hand in die anderen Stockwerke. Danach wähle ich in der App eine neue, leere Karte aus und lasse den Roboter weiter kartieren. Zum Schluss füge ich manuell bei den Treppen eine unüberwindbare Schwelle ein, damit der Roboter keinen Unfall baut. Bisher hat er zwar selbstständig rechtzeitig gebremst, aber man weiss nie, ob er doch einige Verhaltensmuster von Marvin geerbt hat. Alle sonstigen Türschwellen hat er bereits korrekt markiert.

Ein Tausendsassa

Zeit für die erste Reinigung. Über die App kann ich zahlreiche Voreinstellungen vornehmen: Soll er saugen, wischen oder beides zusammen? Wenn ich will, justiere ich auch die Absaugleistung, die Feuchtigkeit der Mopps oder das Fahrmuster. Ich kann auch jeden Raum individuell anpassen, etwa, wenn ich möchte, dass im Bad etwas gründlicher gereinigt wird. Fürs Erste belasse ich es bei der automatischen Methode namens «Clean Genius».

Der Mova V70 kann mit oder ohne Mopps herumfahren.
Der Mova V70 kann mit oder ohne Mopps herumfahren.

Der Mova kann sprechen, wahlweise auf Deutsch. Die Sprachausgabe ist klar und verständlich und gar nicht roboterhaft – was ich lustig gefunden hätte. Das ist auch der Moment, an dem meine Kinder auf den Staubsauger aufmerksam werden. Wie es sich für ein neues Familienmitglied gehört, bekommt er auch gleich einen Namen. Mein Vorschlag «Marvin der Zweite» wird zwar von meiner Frau goutiert, meine Kinder schauen mich nur fragend an. Die Entscheidung fällt schliesslich auf Robi. Damit kann ich leben. Heimlich werde ich ihn Rob nennen, wie Nintendos Spielzeugroboter anno 1983.

Robi besitzt zwei ausfahrbare Arme. Die Bürste streckt sich bis zu 12 Zentimeter zur Seite und einer der beiden Mopps sogar bis 16 Zentimeter weit. Damit sind Ecken kein Problem. Und weil die Arme niedriger sind als der Rest des Roboters, kommt er auch unter Möbel wie Schränke. Für das letzte Stück brauche ich immer noch den Handstaubsauger, aber 90 Prozent der Reinigung deckt er zuverlässig ab.

Mit den beiden ausfahrbaren Armen kommt der Roboter auch an schwierig zu erreichende Stellen.
Mit den beiden ausfahrbaren Armen kommt der Roboter auch an schwierig zu erreichende Stellen.

Dazu gehört auch das feuchte Wischen. Etwas, das ich vom Roomba nicht kannte und dem ich besonders skeptisch gegenüberstand. Abgesehen von eingetrocknetem Schmutz, den ich sogar selbst nur mit sehr energischem Wischen wegbringe, wird er mit allem fertig. Und er ist dabei erstaunlich leise, so dass ich ihn zwei Zimmer weiter kaum höre.

Fast vollautomatisch

Damit die Reinigung unseres Haushalt funktioniert, muss ich allerdings selbst Hand anlegen. Teppiche räume ich weg, damit auch darunter gewischt wird. Spielzeug, Malhefte und was sonst noch alles herumliegt, bringe ich ebenfalls in Sicherheit. Wenn ich schon dabei bin, stelle ich auch die Esstischstühle auf den Tisch – etwas, das ich früher nie gemacht habe. Weil ich dafür bei der Reinigung Zeit spare, mache ich das gerne.

Während ich einkaufe und die Bäder reinige, fährt Robi durch die Wohnung. Die gemeinsame Reinigung passt wunderbar zu meinem arbeitsfreien Tag. Er entleert sich selbstständig, reinigt die Mopps und lädt auf, wenn es nötig ist. Über unsere drei Zentimeter hohen Schwellen klettert er überraschend zackig. Er braucht dafür nur wenige Sekunden. Auf der anderen Seite lässt er sich etwas unelegant herunterfallen. Dabei löst sich manchmal etwas Schmutz aus der Bürste.

Manchmal klettert er auch über Schwellen, über die er problemlos fahren könnte.
Manchmal klettert er auch über Schwellen, über die er problemlos fahren könnte.

Bis alle drei Stockwerke durch sind, ist es meist spät am Nachmittag. Das liegt aber hauptsächlich daran, dass ich nicht immer sofort Zeit habe, den Roboter hochzutragen. Im automatischen Modus verbringt er durchaus mal 20 Minuten in einem Zimmer. Und spätestens nach zwei Stockwerken braucht er ohnehin eine Ladepause.

Neben der wöchentlichen Grossreinigung, die ich manuell starte, habe ich eine automatische hinzugefügt, die sich an den Wochentagen wiederholt. Um 9:30 Uhr, wenn alle ausser Haus oder im Büro sind, verwischt Robi die Spuren des allmorgendlichen Müeslimassakers. Leider wird diese Reinigung nur ausgeführt, wenn ich davor in der App das richtige Stockwerk, respektive die richtige Karte, ausgewählt habe. Hat Robi zuletzt den 2. Stock gereinigt, ignoriert er den Reinigungsauftrag.

Die Reinigung kann ich mit zahlreichen Parametern konfigurieren.
Die Reinigung kann ich mit zahlreichen Parametern konfigurieren.

Negativ fällt mir auch der Akkuverbrauch der App auf. Anfangs schaue ich sicher etwas oft hinein, weil ich neugierig bin, was der Roboter gerade macht. Aber dass mein Akku am Abend deswegen fast leer ist, sollte nicht sein.

Reinigung des Roboters

Die Station des Mova V70 kommt – wie der Roboter – ohne Beutel aus. Sobald er sich entleert, trocknet ein hörbares Gebläse den Behälter, damit kein Schimmel und keine unangenehmen Gerüche entstehen. Ist der Behälter voll, meldet es mir die App. Dann öffne ich die Klappe, nehme den Behälter raus und kippe den Schmutz in den Abfalleimer. Es gibt keine Sauerei und keinen komplizierten Verschluss. Da bin ich von meinem Miele-Akkusauger anderes gewohnt. Dort darf ich nach dem Entleeren gleich wieder Staubsaugen.

So lob ich mir das: Der Staubbehälter ist einfach zu entleeren und detaillierte Reinigungstipps stehen direkt drauf.
So lob ich mir das: Der Staubbehälter ist einfach zu entleeren und detaillierte Reinigungstipps stehen direkt drauf.

Die Mopps reinigt und trocknet Robi ebenfalls selbstständig. Wasser- und Schmutzbehälter kann ich mit einem Griff herausnehmen und entleeren, respektive auffüllen. Es könnte kaum einfacher sein. Es gibt sogar zwei Fächer für Reinigungsmittel. Zum Beispiel gegen Tiergerüche oder für die Parkettpflege.

Der Mova V70 kommt erstaunlich lange ohne Wartung aus. Die händische Reinigung, wie Filter waschen oder Haare entfernen beim Behälter oder dem Roboter, reicht einmal pro Monat.

Dank Licht findet sich der Roboter auch in dunklen Räumen zurecht.
Dank Licht findet sich der Roboter auch in dunklen Räumen zurecht.

Fazit

Willkommen in der Familie Robi

Ich dachte, Staubsaugerroboter seien dumm, reinigen nur notdürftig und kosten ein Vermögen. Über letzteres lässt sich streiten, die ersten beiden Punkte treffen definitiv nicht zu – zumindest auf den Mova Ultra V70. Wenn du wie ich nur die erste oder gar keine Staubsaugerroboter-Generation kennst, wird dich dieser Staubsaugerroboter verblüffen.

Der Mova V70 saugt und wischt gründlich. Er erkennt praktisch alle Hindernisse wie Kabel oder Spielzeug. Er kommt mit seinen ausfahrbaren Armen fast überall hin. Schwellen überwindet er flott. Und wenn ich will, kann ich die Reinigung individuell anpassen und planen.

Mit 1000 Franken oder Euro ist er allerdings kein Schnäppchen. Dass er aber selbst mit unserem mehrstöckigen Haus mit Kindern zurechtkommt, ist keine Selbstverständlichkeit. Mich hat dieser Staubsaugerroboter jedenfalls überzeugt – jetzt müsste er nur noch Treppensteigen können…

Pro

  • saugt und wischt gründlich
  • reinigt sich grösstenteils selbst
  • kann über Schwellen klettern
  • kommt mit ausfahrbaren Armen in Ecken
  • einfach einzurichten und zu bedienen

Contra

  • teuer
Mova V70 Ultra Complete (40000 Pa, Wischpads (rotierend))
Staubsauger Roboter
−22%
EUR1382,91 statt EUR1769,01

Mova V70 Ultra Complete

40000 Pa, Wischpads (rotierend)

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Als Kind durfte ich keine Konsolen haben. Erst mit dem 486er-Familien-PC eröffnete sich mir die magische Welt der Games. Entsprechend stark überkompensiere ich heute. Nur der Mangel an Zeit und Geld hält mich davon ab, jedes Spiel auszuprobieren, das es gibt und mein Regal mit seltenen Retro-Konsolen zu schmücken. 


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