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Hintergrund

Nie mehr beschlagene Sportbrillen dank infrarotabsorbierender Nanobeschichtung?

Solabs Nanotechnology entwickelt infrarotabsorbierende Nanobeschichtungen, die den Sehkomfort verbessern sollen. Das Zauberwort heisst: permanentes Defogging. Ein Besuch beim ETH Spin-off in Zürich.

Auch an diesem Donnerstag Anfang September brennt die Sonne gnadenlos vom stahlblauen Himmel. Kein Wölkchen weit und breit. Wie so oft in den letzten Monaten. Ich sitze schon früh morgens verschwitzt in der Tram auf dem Weg zur ETH Zürich. Dort bin ich mit Dr. Iwan Hächler, Gründer und CEO von Solabs Nanotechnology verabredet.

Das ETH Spin-off hat spezielle infrarotabsorbierende Nanobeschichtungen entwickelt. Die modulare Technologie umfasst drei Kernsegmente, die neben Sportbrillen auch in der Gebäudetechnik und Automobilindustrie zur Anwendung kommen können. Heisst: Beschlagene Brillen und Automobilscheinwerfer gehören bald der Vergangenheit an. Ausserdem wird so der Hitzeschutz für grosse Glasflächen zum Thema. Wenn ich den Zustand meines unterdessen durchnässten T-Shirts anschaue, kommt diese Technologie kein Grad zu früh.

Von links nach rechts: CTO Fabrice Bagnoud, CMO Patric Rupp und CEO Iwan Hächler. Was wohl das Gekritzel auf dem Whiteboard hier im Sitzungszimmer der ETH zu bedeuten hat?
Von links nach rechts: CTO Fabrice Bagnoud, CMO Patric Rupp und CEO Iwan Hächler. Was wohl das Gekritzel auf dem Whiteboard hier im Sitzungszimmer der ETH zu bedeuten hat?

Historischer Standort

Hier am Hauptsitz der ETH im Zürcher Kreis 1 befindet sich das Labor von Solabs. Und hier begegnet mir auf Schritt und Tritt einerseits moderne Robotik und andererseits grosse wissenschaftliche Historie. Vergangenheit und Zukunft nebeneinander.

Die Zukunft in Form von hochkomplexen Robotern darf ich leider nicht fotografieren, obwohl sie hinter grossen Fensterscheiben den Besucherinnen und Besuchern gleich beim Eingang prominent präsentiert werden. Die Büste von Aurel Stodola im Treppenhaus geht da fast unter. Dabei legte der Professor für Maschinenbau am damaligen Eidgenössischen Polytechnikum «die wissenschaftliche Grundlage für die Weiterentwicklung der Dampfturbine und des Verbrennungsmotors. Und wurde so zum weltweit anerkannten Fachmann für die Konstruktion und den Bau von thermischen Turbomaschinen».

Forschung, die die Welt veränderte an der ETH Zürich.
Forschung, die die Welt veränderte an der ETH Zürich.

Solar Defogging statt Antifog

Aufmerksam auf Solabs wurde ich vor einigen Monaten beim Launch neuer Produkte des Schweizer Sportbrillen-Herstellers React. Ein Modell der Wattwiler ist bereits mit der integrierten Solar Defog Technology (SDT) ausgerüstet. Nun stehe ich im Labor des ETH Spin-offs und lasse mir die Nanotechnologie hinter Solabs erklären. Zu diesem Zweck ist die Mehrheit der Geschäftsleitung vor Ort: CEO Iwan Hächler, der technische Leiter Fabrice Bagnoud und Patric Rupp, der das Marketing verantwortet. Finanzchef Florian Hartmann ist auswärts an einem anderen Termin.

Vereinfacht ausgedrückt, absorbiert die patentierte, transparente Beschichtung Infrarotstrahlung, die mehr als die Hälfte der Sonnenenergie ausmacht. So erwärmt sich die Oberfläche zum Beispiel einer Sportbrille leicht, um das Beschlagen möglichst zu verhindern. Je mehr Sonneneinstrahlung, sprich je mehr Wärme, desto besser/schneller funktioniert die Technologie.

Ein Blick ins Labor von Solabs Nanotechnology. Man habe extra vor meinen Besuch noch aufgeräumt, wie Iwan Hächler mit einem Schmunzeln betont.
Ein Blick ins Labor von Solabs Nanotechnology. Man habe extra vor meinen Besuch noch aufgeräumt, wie Iwan Hächler mit einem Schmunzeln betont.

Solabs spricht bewusst von Defogging und nicht von Antifog. Denn auch bei dieser Art der Beschichtung lässt sich ein Beschlagen des Glases nicht unter allen Umweltbedingungen komplett auschliessen. Allerdings geht das «Entschlagen» auf diese Weise deutlich rascher. Je nach Sonneneinwirkung soll dies zwischen zwei bis etwa zehnmal schneller passieren, als bei herkömmlichen Sportbrillen ohne die Solabs-Beschichtung.

Eine Schicht im Inneren des Glases

Eine weitere Eigenheit: Die Beschichtung wird nicht auf das Äussere des Glases aufgebracht, sondern – ähnlich wie bei einem Sandwich – im niedrigen Nanometerbereich in der Mitte des Glases eingearbeitet. Eindrücklich: Ein einzelnes menschliches Haar ist im Durchschnitt zwischen 50 000 und 100 000 Nanometer dünn. Die Solabs-Beschichtung ist damit rund 10 000-mal dünner als ein menschliches Haar. Diese Verarbeitung erlaubt den Herstellern, ihre Gläser beispielsweise mit oleophoben Beschichtungen zu behandeln, ohne die Wirksamkeit des Defogging zu beeinträchtigen.

Durch die Verarbeitung im Sandwich ergibt sich eine lebenslange Funktion der Beschichtung.
Durch die Verarbeitung im Sandwich ergibt sich eine lebenslange Funktion der Beschichtung.
Quelle: Solabs Nanotechnology

Antifog-Beschichtungen sind hydrophil: Statt lichtbrechender Wassertropfen bildet sich ein dünner, gleichmässiger Film auf dem Glas. Das Problem sind nun die fettabweisenden Beschichtungen (Fingerabdrücke). Diese sind hydrophob. Kurz: Das eine bedeutet wasserliebend, das andere wasserabstossend. Es sind sich zuwiderlaufende Technologien. Habe ich also eine Antifog-Brille, muss ich mit den nervigen Fingerabdrücken auf dem Glas leben und umgekehrt.

Durch die dauerhafte Verarbeitung der Solar Defog Technology (SDT) im Sandwich ist dieses Problem gelöst und macht sie für die Industrie entsprechend interessant. Man sei im Austausch mit grossen, bekannten Marken, wie Iwan Hächler vielsagend anfügt. Um wen es sich dabei konkret handelt, will er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Soviel ist sicher: Die Verhandlungen im Hintergrund laufen und ich bin gespannt, welche Brands in Zukunft auf Solabs-Technologie setzen.

Ein Blick auf das Äussere der Klimakammer im Solabs Labor ...
Ein Blick auf das Äussere der Klimakammer im Solabs Labor ...
... und der Blick ins Innere, wo alle möglichen Umweltbedingungen simuliert werden können.
... und der Blick ins Innere, wo alle möglichen Umweltbedingungen simuliert werden können.

Eine Technologie, drei Anwendungen

Wie bereits erwähnt, umfasst die modulare Technologie drei Segmente. Neben der SDT-Anwendung im Sportsektor kann sie auch bei kleinen (Automobilscheinwerfern) und grossen Glasflächen (Gebäuden) zum Einsatz kommen.

Thermal Antifog Technology

Die thermische Antifog-Technologie, kurz TAF, wurde von Solabs entwickelt, um die Kondensation und das Beschlagen auf kleinen optischen Oberflächen möglichst zu verhindern. Sie funktioniert grundsätzlich nach den gleichen Prinzipien wie SDT, wird durch Infrarotquellen aktiviert und ermöglicht eine beschlagfreie Optik. Im Unterschied zum SDT stammt die benötigte Infrarotstrahlung jedoch nicht von der Sonne, sondern wird gezielt durch einen sehr kleinen Infrarotlaser oder eine LED erzeugt. Diese Technologie kann bei einem optischen Radar (LiDAR), im medizinischen Bereich bei endoskopischen Geräten und in der Automobilindustrie von grossem Nutzen sein.

RF Heat-Shield Technology

Hier ist der Hitzeschutz auf grossen Glasflächen in Gebäuden und Fahrzeugen das Thema. Solare Infrarotstrahlung heizt Innenräume auf und erhöht den Kühlungsbedarf entsprechend. Der Sommer 2026 lässt grüssen. Aktuelle Lösungen nutzen Silberschichten, die die Infrarotstrahlung reflektieren, dabei aber häufig die Hochfrequenzübertragung beeinträchtigen. Das schafft gemäss Iwan Hächler einen Kompromiss zwischen Thermomanagement und Konnektivität: Die Signalqualität für die Mobilfunkkommunikation, das GPS, den schlüssellosen Eintritt und 5G können darunter leiden.

Die Wärmeschutztechnologie von Solabs soll den Wärmeaufbau in Fahrzeugen reduzieren und den Kühlenergiebedarf senken. Durch die gezielte Steuerung der Infrarotstrahlung verbessert sie die Energieeffizienz und trägt zu weniger Emissionen bei. Im Gegensatz zu herkömmlichen Hitzeschutzbeschichtungen bleibt die Technologie für Funkfrequenzen transparent, einschliesslich 5G und gewährleistet die volle Konnektivität.

Der Blick in die Zukunft

Infrarot blockieren. Damit beschreibt CTO Fabrice Bagnoud in kurzen Worten ein Projekt, an dem Solabs aktuell arbeitet und das auf denselben Grundlagen wie oben beschrieben basiert. Mehr kann er zu diesem Zeitpunkt nicht sagen. Klar, diese Weiterentwicklung befindet sich noch in der Entwicklungsphase, soll dereinst aber in der Gesundheitsbranche für Aufsehen sorgen.

Und noch eine weitere Solabs-Forschung: Während es bei den oben erwähnten Technologien im Prinzip immer um das Thema «zu viel Wasser» geht, dreht sich diese Arbeit des ETH Spin-off ums exakte Gegenteil und die Frage: Wie gewinne ich Wasser, wenn es zu wenig davon hat? Aber das ist das Thema für eine andere Geschichte.
Und noch eine weitere Solabs-Forschung: Während es bei den oben erwähnten Technologien im Prinzip immer um das Thema «zu viel Wasser» geht, dreht sich diese Arbeit des ETH Spin-off ums exakte Gegenteil und die Frage: Wie gewinne ich Wasser, wenn es zu wenig davon hat? Aber das ist das Thema für eine andere Geschichte.

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Vom Radiojournalisten zum Produkttester und Geschichtenerzähler. Vom Jogger zum Gravelbike-Novizen und Fitness-Enthusiasten mit Lang- und Kurzhantel. Bin gespannt, wohin die Reise noch führt.


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