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Ann-Kathrin Schäfer
Ratgeber

So wirst du die Schnecken in deinem Gemüsebeet los – vielleicht

Gegen Schnecken gibt es fast so viele Mittel wie Schnecken im Garten. Geholfen hat mir am Ende der Denkanstoss eines pensionierten Schneckenforschers.

Wenn du hier eine einfache Anleitung erwartest, wie du Schnecken loswirst, hast du dich getäuscht. Das war mein ursprüngliches Ziel: Ich wollte einen kurzen Ratgebertext darüber schreiben, wie ich die Nacktschnecken in meinem Gemüsebeet loswerde. Aus eigenem Interesse: Ich habe ein Beet mit Schneckenzaun, aber dennoch Schnecken im Beet. Sie mögen das Gemüse und die Erdbeeren darin – und das stört mich.

So einfach ist das aber gar nicht mit der Schneckenabwehr. Trotzdem sind mir einige Anregungen und Warnungen bei der Recherche über den Weg gelaufen, die einen Versuch wert sein könnten.

Bierfallen und Schneckenkorn sind raus

Auf meiner Suche nach der einen Problemlösung hörte ich mich zunächst in der Nachbarschaft um. Jemand erzählte, dass Bierfallen – Gefässe mit Bier, in denen die Schnecken ertrinken, weil sie der Geruch anzieht – nur noch mehr Schädlinge anlocken. Dass ich aber unbedingt Bescheid geben solle, wenn ich eine Lösung gefunden hätte.

Jemand anderes warnte davor, dass in klassischen Schneckenkörnern pures Gift stecke. Tatsächlich: Das darin enthaltene Metaldehyd führt zum qualvollen Tod der Schnecken – und kann in hoher Dosis auch anderen Tieren wie Hunden, Katzen oder Igeln gefährlich werden. Sogar Kleinkinder sollen gefährdet sein. Keine Option also. Ausserdem will ich ja, dass das Gemüse im Beet Bio bleibt.

Neudorff Ferramol Schneckenkorn (Schnecken)
Pestizid

Neudorff Ferramol Schneckenkorn

Schnecken

Dann doch lieber Bio-Schneckenkorn wie dieses hier.

Biozid und Tod in der Tiefkühltruhe

Einen besseren Ruf hat eisenphosphathaltiges Bio-Schneckenkorn, das im ökologischen Landbau erlaubt ist. Sein Wirkstoff wird im Boden abgebaut und ist für andere Tiere nicht gefährlich – wohl aber für die geschützte Weinbergschnecke und den nützlichen Tigerschnegel. Ich streute das Bio-Schneckenkorn in mein umzäuntes Beet. Ganz weg bekam ich die Schnecken damit nicht. Vielleicht hatte ich schon zu viele im Beet?

Ums Absammeln kam ich daher nicht herum. Aber wohin mit den Schnecken? Abseits der Beetumrandung bekämpfe ich sie zwar nicht aktiv, aber vermehren lassen will ich die Population auch nicht. Und über den Zaun werfen wäre doch etwas unsozial. Auf SRF las ich, dass die «humanste Methode» sei, die Schnecken einzufrieren. Also ab in den Plastiksack und 48 Stunden in die Tiefkühltruhe. Einmal und nie wieder, sage ich dazu nur. Das Gefühl von Massenmord lässt mich noch immer nicht ganz los.

Das kostet Überwindung:
Das kostet Überwindung:
In der Tiefkühltruhe schlafen die Schnecken angeblich langsam ein.
In der Tiefkühltruhe schlafen die Schnecken angeblich langsam ein.

Schnipp, schnapp, mir wird übel!

Weg waren die Schnecken durch die Einfrier-Aktion ja immer noch nicht. Nach dem Anblick der weggefressenen Erdbeerpflänzchen versuchte ich es mit der Gartenschere-Methode, die ich bei einem ehemaligen Nachbarn beobachtet hatte. An jedem regnerischen Abend sah ich von meinem Balkon aus, wie er in seinem Garten zwischen seinen Blumen die Tierchen zerschnitt. Ich ahmte nach: Augen zu und durch. Eine schleimige Angelegenheit mit Überresten auf Gartenschere und Gewissensbissen.

Was tat ich da bloss? Die Tiere mit den sanften Fühlern taten mir leid. Mir fiel wieder ein, wie ich als Kind Babyschnecken gefunden und ihnen fürsorglich Blätter als Futter gegeben hatte. Unter einem «20 Minuten»-Artikel wird in einigen Kommentaren das Durchschneiden als wirklich grausam verurteilt. Richtig schrecklich ist aber die Salzmethode, die damals die ganz verruchten Nachbarskinder angewandt hatten.

Mich schaudert’s. Die passende Lektüre habe ich im Museumsshop im Schloss Wildegg entdeckt.
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Mord im Nacktschnecken-Milieu (Deutsch, Elke Schwarzer, 2025)
Ratgeber
EUR20,–

Mord im Nacktschnecken-Milieu

Deutsch, Elke Schwarzer, 2025

Schneckenzaun und Schneckenkragen

«Ausstreuen von Salz oder Kaffee werden in Foren immer wieder mal als Mittel gegen Schnecken erwähnt», heisst es auf der Website von Pro Natura. «Beides ist weder hilfreich gegen Schnecken noch gesund für unsere Umwelt.» Am wirksamsten seien Schneckenzäune oder -kragen rund um die Pflanzen. So einen metallenen Zaun habe ich ja schon – und um jeden Setzling einen Plastikring zu setzen, finde ich doch etwas aufwändig.

«Dabei ist zu beachten, dass keine Pflanzenteile über den Zaun ragen, weil diese den Schnecken sonst als Brücke dienen», steht bei Pro Natura weiter. Der Zaun müsse tief genug im Boden stecken, damit keine Lücken vorhanden seien. «Sobald Sie die eingesperrten (und aus allfälligen Eiern geschlüpften) Schnecken alle aus der Umzäunung entfernt haben, ist Ihr Gemüse vor Schnecken sicher.» Na, finde mal alle Schnecken und deren Eier, gar nicht so einfach! Aber aussenrum mähen mache ich inzwischen (meistens) gewissenhaft. Mit einem Rasentrimmer kann ich die Halme direkt am Zaun gut kürzen.

Hühner und Laufenten fressen Schneckeneier

Ein weiterer Tipp ist, Fressfeinde der Schnecken wie Igel, Blindschleichen und Eidechsen mit einer naturnahen Gartengestaltung zu fördern. Apropos Fressfeinde: Kürzlich traf ich auf einem Markt eine Person, die von sich behauptete, das Schneckenproblem komplett im Griff zu haben, seit sie Hühner und Laufenten hält. Ich horchte auf. «Ich hatte noch nie so einen aufgeräumten Garten und ich lebe wirklich ländlich», sagte die Standbetreiberin der Zuchtvereinigung für ursprüngliches Nutzgeflügel ZUN.

Das Gute sei, dass ihre gefederten Freundinnen die Schneckeneier fressen, bevor die Schnecken schlüpfen. Im Winter und Frühjahr lässt die Gärtnerin Hühner und Enten daher frei im Garten laufen. «Somit hat sich mein Schneckenproblem gelöst», sagte sie. Sobald aber im Beet Salat wächst, sperre sie es ab. «Die Hühner haben den Salat nämlich genauso gern wie ich.»

Das mit den Hühnern überlege ich mir noch mal. Wird langsam aufwändig, die Idee mit dem Erdbeerenanpflanzen! Bei einer weiteren Onlinerecherche stosse ich auf einen Biologen namens Bernhard Speiser, der in einem «Kassensturz»-Bericht über Schneckenfallen zu Wort kommt. Er untersuchte am Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL, wie Biobäuerinnen Schnecken bekämpfen können.

Das ist mein Mann, denke ich, und bitte ihn in einer Mail um ein Interview. Seine Antwort lässt etwas auf sich warten. Seit er pensioniert sei, nehme er sich heraus, nicht gleich zu antworten, schreibt er mir schliesslich. Allerdings tue er sich mit meiner Fragestellung schwer.

Irgendwie sind sie ja schon faszinierend und auch ein bisschen süss, diese Schnecken.
Irgendwie sind sie ja schon faszinierend und auch ein bisschen süss, diese Schnecken.

Nimm’s mal mit Gemütlichkeit

«Für mich ist der Hobbygarten ein Ort, wo man sich in erster Linie am Wachsen und Gedeihen der Natur freuen kann und erst in zweiter Linie erntet», las ich. «Somit herrscht im Hobbygarten auch keine Notwendigkeit, Schnecken um jeden Preis loszuwerden. Wie Sie sehen, plädiere ich dafür, Schneckenprobleme im Hobbygarten eher entspannt anzugehen.»

«Entspannt» klingt verlockend. Was ich dazu schon mal anmerken kann: Im Gegensatz zu den Erdbeeren ist in meinem Beet trotz Schnecken viel Gemüse gewachsen. Zum Beispiel Erbsen, Gurken, Möhren und Zucchini.

Gute Ernte trotz Schnecken: Die Beet-Mitbewohnerinnen …
Gute Ernte trotz Schnecken: Die Beet-Mitbewohnerinnen …
... fressen ja gar nicht alles weg!
... fressen ja gar nicht alles weg!

Der Schneckenexperte schreibt am Ende seiner Mail: «Ich überlasse es Ihnen, ob Sie den Austausch mit mir weiter vertiefen möchten.» Natürlich möchte ich.

Tatsächlich bringt mir das Gespräch mit Speiser eine ganz neue Sicht auf mein Schneckenproblem. Dir vielleicht auch? Warum Speiser seit der Pensionierung keine Schnecke mehr tötet und was seiner Erfahrung nach trotzdem gegen sie hilft, liest du demnächst hier.

Wie löst du das Schneckenproblem in deinem Beet? Oder lässt du die Schnecken Schnecken sein?

Titelbild: Ann-Kathrin Schäfer

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Eigentlich bin ich Journalistin, in den letzten Jahren aber auch vermehrt als Sandkuchenbäckerin, Familienhund-Trainerin und Bagger-Expertin tätig. Mir geht das Herz auf, wenn meine Kinder vor Freude Tränen lachen und abends selig nebeneinander einschlafen. Dank ihnen finde ich täglich Inspiration zum Schreiben – und kenne nun auch den Unterschied zwischen Radlader, Asphaltfertiger und Planierraupe. 


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