

Von der Töpferscheibe zum Zeichenstift: Wie Joel Adank seine zweite Handschrift fand
Erst formte Joel Adank Teller aus Ton, jetzt zeichnet er Oktopusse auf Strandtücher. Beides beginnt bei ihm gleich: mit der eigenen Hand, lange bevor eine Fabrik übernimmt. Ein Gespräch über zwei Materialien, eine Denkweise – und warum ausgerechnet ein gewobenes Tuch sein liebstes Produkt ist.
Bekannt wurde Joel Adank mit Geschirr. Ruhige Grau-, Beige- und Blautöne, geprägt durch seinen Blick als Food-Fotograf. Inzwischen ist bei seinem Brand Atelier Agave aber etwas Neues dazugekommen: Illustrationen, die auf Badetücher gewoben werden – und innert Wochen ausverkauft waren. Ich treffe den 34-Jährigen in seinem Zürcher Atelier, um zu verstehen, wie diese zwei so unterschiedlichen Materialien zusammengehören.

Du hast schon als Kind gern gezeichnet und bist dann Fotograf geworden. Wie kam es zu diesem Umweg?
Joel Adank: Ich dachte nie, dass ich mit dem Zeichnen mal etwas machen könnte. Am Ende hat einfach eins zum anderen geführt – vom ersten Kochbuch zum Geschirr, dann zu den Illustrationen. Was mir immer wichtig war: ein eigenes Projekt zu haben. Es ist schön, eine alte Leidenschaft wiederzubeleben.
Was ist für dich beim Zeichnen und dem Formen von Ton der grösste Unterschied?
Für mich ist eigentlich beides ein Gesamtkunstwerk. Ich versuche immer, verschiedene Techniken zu lernen, jedes Jahr eine neue. Ich will nicht alles perfekt beherrschen, aber ich will die Formen kreieren können, die ich mir vorstelle. Letztlich ist beides Gestaltung mit den Händen. Die Linien fliessen anders, als wenn man einfach berechnet oder plant.
Und beim Prozess – gibt's Parallelen?
Ja, ähnlich ist: Beim Zeichnen kannst du eine Linie hinzufügen, beim Töpfern kannst du dein Objekt erweitern oder verkleinern. Du kannst spielen, bis es final ist. Bei beidem mache ich oft mehrere Versionen, vergleiche sie und verbinde am Ende die besten Elemente – nur dass beim Zeichnen die Farbe von Anfang an mitspielt, beim Töpfern kommt sie erst später.



War es ein bewusster Entscheid, weg von Grautönen hin zu bunten Motiven zu gehen, oder hat sich das einfach so ergeben?
Es kommt auf die Anwendung an. Am Ende ist ja auch der ganze gedeckte Tisch farbig. Ich komme aus der Food-Fotografie und denke beim Aufdecken immer das Gericht mit – der Teller soll die Leinwand bilden. Nimm den Oktopus auf dem Badetuch: Der grau-blaue Hintergrund sorgt dafür, dass das Pink poppt. Beim Teller ist es genau dieselbe Logik – er ist der graue Hintergrund, das Essen ist das leuchtende Element.
Mein Geschirr soll die Leinwand bilden, das Essen ist das eigentlich farbige Bild.

Gibt's Farben, die du bei Keramik bewusst meidest?
Grün zum Beispiel verwende ich bisher nicht oder nur in einem Ton, der nicht zu nah am Grün von Gemüse ist. Wenn du am Ende Spinat oder Brokkoli im gleichen Grünton anrichtest, sticht es überhaupt nicht mehr hervor, dann geht das Gericht auf dem Teller unter.


Ist das Selbermachen dein Leitmotiv als Gestalter?
Ja, auf jeden Fall. Am Anfang stand die Frage, ob ich das Label kuratiere – also Dinge einkaufe, die es schon gibt – oder wirklich alles selbst gestalte. Ich habe mich klar für Letzteres entschieden. Das hat den Vorteil, dass man automatisch nicht dasselbe macht wie andere. Gerade als kleines, Künstler-geführtes Label muss man sich Mühe geben, ein bisschen anders zu sein.
Was kommt als Nächstes?
Eine Decke, gefertigt in der Türkei. Ob Baumwolle oder Leinen, ist noch offen.
Wie entscheidest du dich am Ende?
Ich muss mit Herzblut dabei sein, mein Produkt schön finden. Aber genauso wichtig ist, die Community einzubeziehen – ich lasse oft auf Instagram abstimmen, wenn ich mich zwischen zwei Varianten nicht entscheiden kann. Das ist auch ein Nachhaltigkeitsgedanke: Ich will nichts produzieren, das am Ende niemand haben will oder bezahlen kann.
Und bei der Decke – schon gefragt?
Noch nicht, ich warte mit Absicht: Es ist Hochsommer, und die neuen Tücher sollen zuerst ihr Spotlight bekommen. Erst wenn das Konzept steht, hole ich Feedback ein – mit echten Mustern, nicht mit KI-generierten Bildern, damit das Produkt authentisch bleibt.

Von welchem Objekt in deiner Kollektion könntest du dich nicht trennen?
Ich glaube, es sind die Tücher. Sie sind mein Herzstück, weil ich mir die Illustration komplett selbst ausgedacht habe. Das ist nicht vergleichbar mit einem Teller, bei dem ich die Glasur eher auswähle als eigenständig gestalte.
Das Gefühl, dass Leute wertschätzen, was ich gezeichnet habe, und dafür bezahlen, ist für mich eines der schönsten überhaupt.


Wie ein Cheerleader befeuere ich gutes Design und bringe dir alles näher, was mit Möbeln und Inneneinrichtung zu tun hat. Regelmässig kuratierte ich einfache und doch raffinierte Interior-Entdeckungen, berichte über Trends und interviewe kreative Köpfe zu ihrer Arbeit.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
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