WLAN in jedem Stockwerk: Diese fünf Lösungen gibt es

WLAN in jedem Stockwerk: Diese fünf Lösungen gibt es

Martin Jud
Martin Jud
Zürich, am 26.03.2021
Wenn das bestehende WLAN zu schwach ist, um die gesamte Wohnung oder das gesamte Haus abzudecken, dann braucht es eine solide Lösung. Die kann je nach Anwendungsfall unterschiedlich sein, doch gibt es insgesamt nur eine Hand voll Möglichkeiten. Welche das sind, erfährst du hier.

Letzte Woche hat mich mein Bruder gefragt, wie er nach seinem Umzug das Internet am besten vom EG ins UG bekommt. Da das WLAN des Routers vom Internetprovider zu schwach ist, benötigt er eine Lösung. Diese Frage taucht immer wieder auf. Auch unser Head of Content hat sie mir vor einiger Zeit gestellt. Ausserdem bekam ich nach dem letzten Wi-Fi-Speedtest-Artikel zur UPC Giga Connect Box gleich drei Lesermails mit Fragen zur gleichen Thematik.

*UPC Giga Connect Box** im Wi-Fi-Speedtest
ReviewComputing

UPC Giga Connect Box im Wi-Fi-Speedtest

Es gibt ein paar Möglichkeiten, wie das Internet den Weg in die gesamte Bude finden kann. Was es aber nicht gibt, ist die ultimative Lösung, die für jeden passt. Welche Lösung die individuell beste sein dürfte, hängt nicht nur von der gewünschten Geschwindigkeit und der Position der Räume beziehungsweise den abzudeckenden Quadratmetern ab, sondern auch von Dingen wie der Bausubstanz. Decken aus Stahlbeton oder eine Bodenheizung können ein WLAN-Signal stark abschwächen, für Latenzen sorgen oder es gar blockieren. Wer Glück hat und es mit einem einzelnen Router ins Unter- oder Obergeschoss schafft, ist dann meistens dennoch nur im langsameren 2,4-GHz-Frequenzband unterwegs.

Fünf Lösungen für Internet in der gesamten Bude

Zuerst ist wichtig, dass ich mir bewusst werde, wozu ich Internet in den bisher nicht abgedeckten Quadratmetern des Zuhauses nutzen will. Wie viele Geräte sollen gleichzeitig mit wie viel Saft versorgt werden?

Will ich beispielsweise mit einem Smart TV Filme sehen und nebenbei mit zwei Smartphones im Netz surfen, reicht meistens auch wenig Speed. So streamt kein Anbieter seine Serien und Movies mit über 25 Mbit/s in 4K. Je nach Surfverhalten können bei diesem Szenario 50 Mbit/s reichen. Ganz anders schaut es aus, wenn ich auf dem TV Filme in Originalqualität von meinem Plex-Server streamen möchte, denn eine UHD Blu-ray kann je nach Film 80 Megabit und mehr pro Sekunde fordern.

Solltest du mit einem einzelnen Gerät ein schnelles 1-Gigabit-Internet-Abonnement voll ausnutzen wollen, wirst du übrigens nicht darum herumkommen, dieses per LAN-Kabel an den Router anzuhängen. Dann bietet dir das Gigabit-LAN im Optimalfall 940 Mbit/s. Im WLAN-Betrieb schaffen die meisten Router solche Werte nicht mal annähernd im selben Raum, in dem sie stehen. Daher ist es empfehlenswert etwa ein NAS mit aktiver Download-Station oder ein Gamer PC, der die 72 Gigabyte an Installationsdaten von Cyberpunk 2077 in elf Minuten herunterladen soll, direkt per Kabel zu verbinden.

Aber nun zu den fünf Möglichkeiten der Problemlösung. Die letzte ist eher «exotischer» Natur.

Lösung Nr 1: WLAN des bestehenden Routers durch Zweitgerät erweitern

Diese Lösung funktioniert nur, wenn du direkt über oder unter dem jetzigen Router im Ziel-Stockwerk bereits WLAN-Empfang hast. Dann kannst du an dieser Stelle ein Zweitgerät aufstellen und damit zumindest einen Teil deiner Gesamtkapazität in die Zielräume weiterleiten. Im Optimalfall beherrscht dein jetziger Router die Mesh-Technologie und dein Zweitgerät auch. Dadurch wird gewährleistet, dass nicht nur die Reichweite des ersten Routers erweitert, sondern ein dediziertes zweites Netz im Zielstockwerk aufgebaut wird.

Das zweite Gerät kann ein Router, ein Repeater oder ein Access Point sein. Wichtig ist, dass beim Zweitgerät, falls vorhanden, DHCP deaktiviert wird. Optimalerweise beherrscht das zweite Gerät auch bereits Wi-Fi 6 (AX), das allerdings meist erst merkbare Vorteile gegenüber Wi-Fi 5 (AC) bringt, wenn auch möglichst sämtliche Endgeräte im Netzwerk den neuesten Standard beherrschen.

Hier die drei derzeit am besten bewerteten Repeater unseres Shops mit Wi-Fi 6:

Nighthawk AX8 Mesh Extender (4800Mbit/s, 1200Mbit/s)
274,21
Netgear Nighthawk AX8 Mesh Extender (4800Mbit/s, 1200Mbit/s)
EAX15 WiFi 6 Mesh Extender (1200Mbit/s, 600Mbit/s)
–14%
100,57statt 117,–
Netgear EAX15 WiFi 6 Mesh Extender (1200Mbit/s, 600Mbit/s)

Access Points mit Wi-Fi 6 haben erst wenige Bewertungen im Shop. Vorne mit dabei sind folgende Produkte:

Nebula NWA110AX 3er-Pack (1200Mbit/s, 575Mbit/s)
565,38
Zyxel Nebula NWA110AX 3er-Pack (1200Mbit/s, 575Mbit/s)
Nebula NWA110AX (1200Mbit/s, 575Mbit/s)
–16%
189,–statt 225,–
Zyxel Nebula NWA110AX (1200Mbit/s, 575Mbit/s)
WAX204 WiFi 6 AX1800 Wireless (1200Mbit/s, 600Mbit/s)
130,–
Netgear WAX204 WiFi 6 AX1800 Wireless (1200Mbit/s, 600Mbit/s)

Lösung Nr 2: WLAN des bestehenden Routers durch Mesh-System ersetzen

Die zweite Lösung bringt erheblich mehr Speed. Sie ist überhaupt die zweitschnellste Lösung. Es sei denn, Lösung Nr. 1 führt bereits zu einem Mesh-System, wie es etwa bei Swisscom-Kunden mit der WLAN-Box 2 möglich ist.

Bei der zweiten Lösung verzichtest du auf dein bisheriges WLAN und deaktivierst es. Dann stellst du zwei zusätzliche Geräte in die Wohnung oder ins Haus. Wobei je nach Haus auch mehr als nur zwei Geräte aufgestellt werden müssen. Jedenfalls ist da ein Mesh-Router, der per LAN-Kabel an den Router des Internetproviders gehängt wird. Und sein Gegenspieler, der je nach Hersteller des gekauften Systems ein zweiter Router oder ein Access Point/Satellit ist. Der Gegenspieler wird im neuen Stockwerk da platziert, wo der Empfang zum Erstgerät am stärksten ist, also dort wo der Mesh-Router die beste Signalstärke bietet. Normalerweise ist das der Ort mit der geringsten Distanz.

Dass Mesh-Systeme eine gute Lösung sein können, habe ich bereits in Wi-Fi-Speedtests dargelegt. Unter den wenigen bisher getesteten Systemen hat das Orbi AX6000 die Nase vorne. In meiner Maisonette sind damit bei 140 m² im Schnitt 629,64 Mbit/s möglich.

*Netgear entthront Swisscom:** Orbi AX6000 im Mesh-Wi-Fi-Speedtest
ReviewComputing

Netgear entthront Swisscom: Orbi AX6000 im Mesh-Wi-Fi-Speedtest

Übrigens: Falls dein jetziges WLAN nur knapp nicht für die gesamte Bude reicht, kannst du dir auch einen einzelnen Mesh-fähigen Router kaufen und versuchen, ob dessen Saft für die gesamte Wohnfläche reicht. Die Chance besteht und dank Mesh-Funktion kannst du dennoch jederzeit mit zusätzlichen Geräten aufrüsten.

Die derzeit bestbewerteten drei Wi-Fi-6-Mesh-Startersets (im Zweier- und Dreier-Set erhältlich):

Orbi RBK53 Mesh WiFi Set
–26%
399,99statt 537,–
Netgear Orbi RBK53 Mesh WiFi Set
Deco M4 AC1200 Dualband WLAN Mesh 2-pack
121,95
Tp-Link Deco M4 AC1200 Dualband WLAN Mesh 2-pack

Die derzeit bestbewerteten drei Mesh-Einzel-Router mit Wi-Fi 6:

Deco M4 AC1200 Dualband WLAN Mesh 2-pack
121,95
Tp-Link Deco M4 AC1200 Dualband WLAN Mesh 2-pack

Lösung Nr 3: Kabel ziehen und als Backhaul nutzen

Das Verlegen von LAN-Kabel ist meistens eine aufwendige Lösung, doch auch immer hinsichtlich des Datendurchsatzes die schnellste. Das Wichtigste bei der Verteilung des Netzwerkes ist stets ein starkes Backhaul, also die Leitung zwischen zwei Netzwerkknoten. Bei einem Mesh-System geschieht das beispielsweise meistens über ein drittes WLAN-Band, was eine gute Lösung sein kann, aber halt nicht maximalen Speed bei minimalem Ping bietet. Daher; lass uns Kabeln!

Wer kabelt, sollte im Hinterkopf haben, dass sich nicht jedes Netzwerkgerät damit einbinden lässt. So bieten Satelliten, Access Points und Repeater lange nicht alle die Möglichkeit, das Signal mit einem RJ45-Kabel einzuspeisen.

Beim Kauf von LAN-Kabel ist nicht nur die richtige Länge wichtig, sondern vor allem der Datendurchsatz. Mit Blick auf die Zukunft ist es empfehlenswert gleich zu einem Kabel zu greifen, das auch für 10 Gigabit Unterstützung bietet. Bedeutet CAT-Version 6a oder noch besser CAT 7 oder 7a, da diese eine bessere Abschirmung bieten und der Datendurchsatz bei langen Kabeln weniger abnimmt. Wer CAT 8 ins Auge fasst, sollte die Idee wieder verwerfen. CAT 8 bringt zwar nochmal eine Verdoppelung der Betriebsfrequenzen, kann aber nur auf kurze Distanzen eingesetzt werden.

Hier gehts zu unseren Netzwerkkabeln. Solltest du von der Masse an Produkten erschlagen werden, empfehle ich gerne folgendes Kabel:

Ethernet-Patchkabel RJ45 (S/FTP, Kat. 6a, 20m)
Netzwerkkabel/>
digitec Ethernet-Patchkabel RJ45 (S/FTP, Kat. 6a, 20m)
698

Lösung Nr 4: Powerline-Adapter

Mit Powerline-Adaptern kannst du dein Stromnetz als Netzwerkkabel verwenden. Je nach Stromleitung und Sicherungskasten funktioniert das gut und es kommt im Ziel-Stockwerk noch einiges der Gesamtkapazität durch. Oder es funktioniert eher schlecht. In meiner Wohnung erhalte ich durch Powerline-Adapter mit neuestem «G.hn»-Standard im selben Stockwerk des Start-Adapters um die 450 Mbit/s. Im unteren Zielstockwerk kommen allerdings nur noch bis 60 Mbit/s bei den Steckdosen an, die jedoch latenzfrei sind – einen Ping von einer Millisekunde messe ich. Mein Bruder hat übrigens mehr Glück. Er hat sich für eine Powerline-Adapter-Lösung entschieden und erhält in seinem UG um die 250 Mbit/s. Und das, obschon seine Adapter noch nicht den neuen Standard beherrschen.

Wichtig zu wissen: Wie bei einem Mesh-System können auch bei Powerline mehrere Adapter desselben Herstellers kombiniert werden. Weiter gibt es auch Adapter, die am Endpunkt gleich ein WLAN aufbauen. Ansonsten kann Powerline natürlich mit jeglichen Netzwerkgeräten kombiniert werden, die ein Signal über RJ45 entgegennehmen.

Hier die drei bestbewerteten Powerline-Adapter-Startersets unseres Shops:

Magic 1 WiFi mini Multiroom Kit (1200Mbit/s)
198,30
Devolo Magic 1 WiFi mini Multiroom Kit (1200Mbit/s)

Lösung Nr 5: Richtfunk an der Aussenwand des Hauses anbringen

Diese Lösung dürfte in den wenigsten Fällen zur Anwendung kommen, da die Installation aufwendig ist und sie sich nur anwenden lässt, wenn du ausserhalb des Hauses zwei Fenster mit freier Sicht zueinander hast. Du kaufst dir zwei Richtfunk-Antennen und installierst sie an der Aussenwand des Hauses. Dann wird es je nachdem kompliziert, da du die Antennen mittels Kabel ins Innere verbinden musst. Das lässt sich nicht bei jedem Fenster ohne weiteres realisieren, kann jedoch allenfalls mit einem Flachbandkabel durchaus möglich sein. Oder durch zusätzliche Handwerkerarbeiten.

Der Datendurchsatz kann bei Richtfunk hoch liegen. Digitec-User Manu Outdoor schreibt in einer Produktbewertung beim Ubiquiti LBE-5AC-Gen2, dass er bis 650 Mbit/s erhält.

Richtfunkantennen in unserem Shop:

PBE-5AC-Gen2: WLAN Bridge (886Mbit/s)
–13%
117,93statt 136,–
Ubiquiti PBE-5AC-Gen2: WLAN Bridge (886Mbit/s)
LBE-5AC-Gen2: Litebeam AC Gen2 (450Mbit/s)
87,35
Ubiquiti LBE-5AC-Gen2: Litebeam AC Gen2 (450Mbit/s)
Systems AirLancer ON-D9a Outdoor WLAN-Richtfunkantenne
Lancom Systems Systems AirLancer ON-D9a Outdoor WLAN-Richtfunkantenne

Gut, das war es soweit mit den Lösungen. Sollte darunter nichts sein, das dich begeistert, kommt mir noch eine letzte Möglichkeit in den Sinn: Alte Telefonleitungen lassen sich unter gewissen Bedingungen zu einem LAN-Kabel umfunktionieren. Zum Beispiel mit Hilfe von VDSL-Konvertern.

Was ist deine bevorzugte Lösung für Internet bis in die hinterste Ritze?

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Martin Jud
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Editor, Zürich
Der tägliche Kuss der Muse lässt meine Kreativität spriessen. Werde ich mal nicht geküsst, so versuche ich mich mittels Träumen neu zu inspirieren. Denn wer träumt, verschläft nie sein Leben.

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