Mit dem E-Bike ins Büro, Teil 1: Welches Modell ist das richtige?
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Mit dem E-Bike ins Büro, Teil 1: Welches Modell ist das richtige?

Martin Jungfer
Martin Jungfer
Zürich, am 02.04.2022
Bilder: Thomas Kunz

Ich will herausfinden, wie es ist, mit dem E-Bike ins Büro zu pendeln. Meine Strecke: 14 Kilometer. Meine Fragen zum Start: viele.

In meiner bisherigen Berufslaufbahn bin ich etwa zur Hälfte mit dem Auto und zur anderen Hälfte mit dem Zug zu meinem jeweiligen Arbeitsort gelangt. Das Glück, ins Büro laufen zu können, hatte ich noch nicht. Aktuell besteht mein Arbeitsweg aus:

  • 5 Minuten für die Fahrt mit dem Velo zum Bahnhof
  • 14 Minuten für zwei Strecken mit dem Zug
  • 10 Minuten zu Fuss vom Bahnhof Hardbrücke ins Büro
  • 5 Minuten Warten und Umsteigen am Bahnhof

Das ergibt in etwa 34 Minuten von Tür zu Tür. Der Triathlon mit meinen drei Fortbewegungsmitteln hat seine Vorteile. Ich bekomme etwas frische Luft, kann meinen Schrittzähler in die Höhe jagen und im Zug zumindest ein paar Mails lesen oder einen kürzeren Podcast hören.

Wenn du in der S-Bahn fährst, kennst du aber auch die Nachteile. Manchmal ist es eng, nicht immer sind die Mitfahrenden rücksichtsvoll. Und seit Kurzem wird auch wieder ungefiltert in den Grossraum gehustet. Das war früher zwar auch so, seit das Virus zirkuliert, bin ich da aber irgendwie empfindlicher.

Das hat mir den finalen Kick gegeben, einen Versuch zu wagen, die ganze Strecke per Velo zurückzulegen. Aber in der Garage steht nur mein zehnjähriger Drahtesel. Ohne Motor. Ich habe wenig Zweifel, dass er mich 14 Kilometer aushält. Eher bin ich das Problem. Wie würde ich nach 14 Kilometern Strampeln inklusive etwa 100 Höhenmetern im Büro ankommen? Dort wartet ja kein Sauerstoffzelt auf mich, sondern Meetings und Abstimmungen.

Ich bin tatsächlich noch nie mit einem E-Bike gefahren, habe diese Art der Fortbewegung lange abfällig als Rentner-Sport abgetan. Aber ich will meine Vorurteile nicht bis in alle Ewigkeiten mit mir herumtragen.

Da ist es doch ein Glück, dass wir im Sortiment auch E-Bikes haben. Deshalb frage ich bei unserem Category-Manager Nicolas Pulfer an, ob er mir ein E-Bike zur Leihe organisieren kann. Ich will noch nicht für tausende Franken eines kaufen, ohne ausprobiert zu haben, ob es für den zugedachten Zweck taugt. Ich lasse dich an meinem Versuch in den nächsten Wochen teilhaben.

Das passende E-Bike für mich

Ein paar Tage nach der ersten Idee treffe ich Daniel Meyer. Er ist Gründer und CEO von Ego Movement, einem E-Bike-Hersteller aus Zürich. Er stellt mir für acht Wochen eines seiner Bikes zur Verfügung. Welches genau, besprechen wir im Shop in Zürich. Dort warten Tarzan und Jane auf mich, ausserdem Cäsar, Cleopatra und Julia. So hat Daniel die Velos genannt, die er mir im Showroom zeigt und erklärt. Wobei wir uns auf Cäsar und Tarzan konzentrieren. Das sind die Herrenmodelle.

Daniel Meyer ist Gründer, Inhaber und CEO von Ego Movement. Er erklärt mir die verschiedenen Modelle.
Daniel Meyer ist Gründer, Inhaber und CEO von Ego Movement. Er erklärt mir die verschiedenen Modelle.

Meine erste und wichtigste Entscheidung besprechen wir beim Kaffee in der Sitzecke des durchgestylten, aber gemütlichen Showrooms. Soll es ein E-Bike sein, das Tretunterstützung bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Kilometer pro Stunde liefert oder sogar bis 45 Sachen?

Das macht nicht nur technisch einen Unterschied, sondern auch juristisch. Bei der 45er-Variante habe ich als Fahrer neben der Chance auf schnelles Vorankommen auch einige Pflichten. Ich brauche dann ein gelbes Nummernschild mit Versicherungs-Vignette, das Bike muss einen Rückspiegel haben, ich in Besitz eines Fahrausweises sein, und es gilt Helmpflicht. Was für mich aber ohnehin selbstverständlich ist.

Zusammen mit Daniel entscheide ich mich fürs Erste für ein «schwächeres» Modell. Ich will mich erst einmal herantasten ans motorisierte Velofahren. Ich halte mich dank regelmässiger Jogging-Runden für fit genug, mit wenig Support ans Ziel zu kommen und bin auch nicht auf Rekordzeiten aus.

Der Motor unterstützt mit 350 Watt

Das wäre also geklärt. Jetzt stellt mir Daniel drei Velos vor der Tür parat, die ich jeweils kurz probefahren werde. Zunächst besteige ich den bequemen Ledersattel von Cäsar. Kurz erklärt mir Daniel die in fünf Stufen einstellbare Motorunterstützung links am Lenker. Und dann darf ich meine ersten Meter auf dem kaiserlichen Velo fahren. Mein alter Velohelm, den ich mitgebracht habe, kommt mir reichlich profan vor auf so einem Gefährt. Ich sitze ziemlich aufrecht und komme trotzdem recht flott voran, wenn ich in die Pedale trete. Der Frühlingswind rauscht mir ziemlich um die Ohren, wenn ich im höchsten Gang und mit maximalem Support durch den 350-Watt-Mittelmotor fahre.

Cäsar (54 cm)
E-Bike
EGO Movement Cäsar (54 cm)
1

Apropos Gang. Ich darf noch eine zweite Probefahrt mit einem anderen Cäsar-Modell machen. Bei dem gibt es statt der Kettenschaltung eine automatische Nabenschaltung, die passend zum Druck auf die Pedale den Gang wählt. Das mag ich beim Autofahren, beim Velo kommt es mir irgendwie falsch vor. Dieser Cäsar darf zurück in den Showroom.

Zum Abschluss drehe ich eine Runde mit Tarzan. Es ist eine sportlichere Variante, auf der ich nicht mehr ganz so aufrecht sitze. Das Gefühl ist nah an dem meines alten Trekking-Bikes, das ich heute habe. Dazu hat er etwas mehr Power als der alte Römer – 95 Nm Drehmoment statt 80. Zudem bietet er etwas breitere Reifen und eine 80-mm-Federgabel, von der ich mir etwas mehr Komfort verspreche.

Tarzan (52 cm)
E-Bike
EGO Movement Tarzan (52 cm)
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Beide Modelle – Cäsar wie auch Tarzan – versprechen genug Reichweite für meinen Plan, ins Büro zu pendeln und wieder nach Hause zu kommen. Cäsars Akku hat 504 Wattstunden (Wh), was bis zu 120 Kilometer bedeutet, Tarzan hat eine 672 Wh grosse Batterie für bis zu 140 Kilometer. Wie sich die Reichweiten-Angaben mit der Praxis vertragen, werde ich dann im Alltag herausfinden. Ich bin aber zuversichtlich, dass ich die knapp über 20 Kilogramm schweren Bikes bei leerem Akku alleine mit Muskelkraft bewegen kann.

Die Entscheidung ist gefallen: Tarzan soll mein fahrbarer Untersatz werden. Und nach ein paar Tagen ist es soweit: Mein Modell ist in der Werkstatt in Wallisellen für mich montiert worden. Daniel Meyer und Produktmanager Josh Arn geben mir eine ausführliche Einweisung. Ich erfahre, wie man das E-Bike anschaltet und wie ich bei Bedarf den Akku lade. Das Gefühl, ein E-Bike zu fahren, soll ich selbst erleben, sagt Daniel.

Aufgestiegen und losgefahren: Nach der Einweisung beginnt meine erste E-Bike-Fahrt.
Aufgestiegen und losgefahren: Nach der Einweisung beginnt meine erste E-Bike-Fahrt.

Und dann darf ich tatsächlich zum ersten Mal auf dem E-Bike nach Hause fahren. Jetzt werde ich dann Antworten auf viele Fragen bekommen. Werde ich genauso schnell sein wie mit dem ÖV? Wie sehr werde ich schwitzen? Wie oft werde ich mich verfahren auf unbekannten Wegen in die Stadt?

In Teil 2 berichte ich, wie die erste Fahrt mit meinem E-Bike war und was ich an Anfängerfehlern gemacht habe. Wenn du konkrete Fragen hast, die ich dir beantworten soll oder Hinweise für die Community zum Pendeln per E-Bike – ab damit in die Kommentare. Wenn du keinen Teil meiner E-Bike-Erfahrungen und -Tipps verpassen willst, kannst du mir als Autor folgen.

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Martin Jungfer

Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln. 


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