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Michelle Brändle
Produkttest

Mit Top-Handschrifterkennung: Remarkable Paper Pure im Test

Das Paper Pure ist ein digitaler Notizblock, der aufs Wesentliche reduziert wurde: keine Farben, keine Hintergrundbeleuchtung und ein Schreibgefühl wie auf Papier. Nur der Abo-Zwang nervt.

Remarkable gehört zu den grossen Playern unter den E-Ink-Marken, ist aber auch teuer. Das Pro-Modell liegt bei 800 Franken (UVP) mit Stylus und Case.

Das Paper Pure wirkt dem wuchtigen Preis entgegen, ist trotzdem zügig unterwegs und mit guter Hardware ausgestattet. Mit dem zusätzlichen Abo sind die Möglichkeiten äusserst umfangreich, aber auch mit nervigen Kosten verbunden. Ob sich diese zusätzlichen Funktionen lohnen?

Schlankes Design und scharfes Display

Das Remarkable Paper Pure besitzt ein schlankes und leichtes Gehäuse mit einer Dicke von sechs Millimetern und einem Gewicht von 360 Gramm. Es verfügt über eine strukturierte Displayoberfläche, die ein Schreibgefühl von Stift auf echtem Papier mimt.

Das Paper Pure ist schmal und leicht.
Das Paper Pure ist schmal und leicht.

Als zentrales Element kommt ein 10,3 Zoll grosses E-Ink-Carta-1300-Panel zum Einsatz. Es liefert eine Auflösung von 1872 × 1404 Pixeln und eine Pixeldichte von 226 ppi. Es ist scharf und kontrastreich, allerdings ohne Hintergrundbeleuchtung. Ich vermisse sie nicht.

Das kontrastreiche E-Ink-Display.
Das kontrastreiche E-Ink-Display.

Hardware läuft zügig

Ein Dual-Core-Prozessor treibt das Gerät an. Welcher genau, gibt Remarkable nicht an. Er beschert dem Gerät eine zügige Reaktionszeit und auf der Touch-Tastatur kann ich so schnell tippen, wie ich es mir beim Smartphone gewohnt bin. Der Arbeitsspeicher beträgt zwei Gigabyte (GB) und es stehen 32 GB Speicherplatz zur Verfügung.

Mit der Akkulaufzeit von 30 Stunden und dem Standbymodus komme ich gut zwei bis drei Wochen durch, bis ich das Gerät wieder aufladen muss.

Mit im Lieferumfang ist auch ein Stylus, der «Marker», mit sechs Ersatzspitzen. Im grösseren Bundle mit Case liegt der hier getestete «Marker Pro» bei. Dieser lässt sich magnetisch am Tablet befestigen und läuft ohne Batterie. Er liegt angenehm in der Hand und wirkt wertig.

Der Stylus macht was er soll.
Der Stylus macht was er soll.

Praktisch am Marker Pro im Vergleich zum regulären Stylus ist, dass ich die Hinterseite des Stifts als Radierer benutzen kann. Dieser fühlt sich bei der Nutzung aber etwas hart an. Deshalb befürchtete ich anfangs, dass ich damit Kratzer aufs Display mache – bisher allerdings nicht. Falls du bereits einen Remarkable-2-Marker hast: Der funktioniert mit dem Paper Pure leider nicht.

Software: reduziert auf das Wesentliche

Remarkable stattet das Gerät mit Remarkable OS aus. Das ist ein angepasstes System, das auf Linux basiert. Importieren lassen sich PDF- und EPUB-Dateien. Für den Export stehen PDF, PNG und SVG zur Auswahl.

Die Oberfläche ist sauber, aufgeräumt und zeigt direkt alle abgespeicherten Dateien an. Sortieren kann ich sie mit Filtern oder ich blende jeweils nur ein Dateiformat ein – Notizbücher, PDFs oder E-Books.

Puristisch und aufgeräumt. So mag ich das.
Puristisch und aufgeräumt. So mag ich das.

Für die Einrichtung benötige ich ein Smartphone oder einen Computer, weil sie über die Webseite läuft. Anschliessend klappt das fix und ohne Probleme.

Schreiben und arbeiten auch ohne Abo

Das Remarkable Paper Pure macht seinem Namen alle Ehre. Das Display ist Schwarz-Weiss und verhält sich damit wie ein reguläres Notizbuch.

Möchte ich ein neues Notizbuch erstellen, wähle ich zwischen ein paar Dutzend Papiervorlagen aus. Dazu gehören Linien, Punkte und Raster, aber auch vorgefertigte Storyboards, Wochenplaner und Notenblätter.

Vorlagen für Notizen finde ich viele – sogar für meine eigenen Liedkompositionen.
Vorlagen für Notizen finde ich viele – sogar für meine eigenen Liedkompositionen.

Dank sanft angerauter Oberfläche des Displays fühlt sich das Schreiben auf dem Paper Pure angenehm an. Auch bei schnellen Notizen bemerke ich mit dem Stylus keine Latenz. Unter den Schreibwerkzeugen befinden sich unter anderem Bleistift, Kugelschreiber, Pinsel und ein Kalligrafiestift. Sie mimen die analogen Pendants gut, so dass auch das Skizzieren eine Freude ist.

Natürlich muss ich für den Härtetest fleissig skizzieren.
Natürlich muss ich für den Härtetest fleissig skizzieren.

Das Gerät ist selbst mit mehreren Ebenen nicht überfordert – die Obergrenze liegt bei fünf Ebenen. Das reicht für die meisten Anwendungszwecke gut aus. Neben handschriftlichen Notizen kann ich Text auch tippen. Das E-Ink-Tablet hinkt dabei null hinterher. Und falls ich doch lieber alles von Hand schreibe, kann ich den Text anschliessend in Druckbuchstaben umwandeln.

Das klappt erstaunlich gut, sogar wenn ich absichtlich hässlich kritzele. Die Umwandlung zeigt selten Fehler an und übernimmt sogar Aufzählungspunkte. Allerdings benötige ich dafür eine Internetverbindung und manchmal landen Absätze trotzdem auf der gleichen Zeile.

Manchmal schreibe ich unleserlich, ist das ein Problem für die Handschrifterkennung?
Manchmal schreibe ich unleserlich, ist das ein Problem für die Handschrifterkennung?
Offenbar nicht: Die umgewandelte Notiz kann sich sehen lassen.
Offenbar nicht: Die umgewandelte Notiz kann sich sehen lassen.

Mit einem Chrome-Add-on sende ich Online-Artikel und sonstige Webseiten direkt als PDF ans Remarkable. Werbebanner übernimmt das Gerät nicht und auf Wunsch auch keine sonstigen Bilder.

Anschliessend nutze ich diese Dateien wie ein Notizbuch: Ich ergänze die Seiten mit eigenen Gedanken, streiche mit dem Marker wichtige Stellen an und füge neue Notizblätter hinzu. Auch Ebenen lege ich auf die Seiten, um beispielsweise Markierungen und Notizen ein- und auszublenden.

Google Drive verknüpfe ich kostenlos mit dem Remarkable. Die Dateien synchronisiert das Gerät automatisch. Allerdings nur jene, die ich in den letzten 50 Tagen verwendet habe – das ist eine unnötige Einschränkung, die ich ohne Abo habe.

Funktionen mit dem Connect-Abo

Mit einem Connect-Abo von Remarkable stehen mir weitere Funktionen zur Verfügung. Persönlich finde ich die Aboanbindung nervig bei einem Gerät, das sonst schon teuer ist. Die zusätzlichen Funktionen sind aber praktisch und einen Blick wert.

Ich bekomme für 4 Euro im Monat oder 40 Euro im Jahr unlimitiert Cloud-Speicher und zusätzliche Templates für Notizen. Möchte ich neben Google Drive noch andere Cloud-Dienste (Dropbox und Onedrive) verknüpfen und vollständig synchronisieren, geht das mit dem Connect-Abo auf der (Webseite)[https://my.remarkable.com/]. Dort verbinde ich mein Gerät auch mit dem Google-Kalender und Microsoft Outlook.

Dank Kalender-Verknüpfung erstelle ich auf einfache Weise Meeting-Notizen. Steht gerade ein Meeting an, öffne ich mit nur einem Klick eine Besprechungsnotiz, die gleich mit Titel und Datum versehen ist. Abgespeichert werden diese Notizen in einem eigenen Ordner, wiederkehrende Besprechungen speichert Remarkable im gleichen Notizbuch.

Auf Knopfdruck erstelle ich Meeting-Notizen mit Datum und Titel.
Auf Knopfdruck erstelle ich Meeting-Notizen mit Datum und Titel.

Eine systemweite Suche nach Inhalten via Stichwort gibt es nur im Abo. Die Inhalte können getippt oder sogar handschriftlich verfasst worden sein, die Suche findet sie. Ebenfalls lassen sich die Notizen im Abo an die Collaboration-Tools Slack und Miro senden. Dort werden Skizzen und Handschrift zur Weiterverarbeitung in digitale Elemente umgewandelt.

Um Dateien zu importieren oder zu exportieren, nutze ich statt der Webseite die Desktop- oder Mobile-App. Die App ist zwar gratis, wenn ich meine Notizen dort überarbeiten und ergänzen möchte, brauche ich aber ein Abo.

Die App ist praktisch, um meine Notizen am PC weiterzubearbeiten – allerdings geht das nur mit Abo.
Die App ist praktisch, um meine Notizen am PC weiterzubearbeiten – allerdings geht das nur mit Abo.

Fazit

Top Hardware mit nervigem Abo

Das Remarkable Paper Pure macht keinerlei Abstriche in der Hardware. Ich erhalte ein scharfes Display, einen schnellen Chip, und die Latenz beim Schreiben und Zeichnen ist nicht spürbar. Als digitales Notizbuch liefert das Paper Pure diverse Möglichkeiten und eine einfache Bedienung. Ich lade mir per Knopfdruck Webseiten als PDFs herunter zum Bearbeiten oder erstelle in Windeseile Notizen, die an meine Kalendereinträge gekoppelt sind.

Der grosse Nachteil liegt im zusätzlichen Abo. Für eine Cloudspeicher-Erweiterung, das Bearbeiten von Notizen in der Remarkable App und verschiedene Drittanbieter-Anbindungen bezahle ich zusätzlich. Das ist schlichtweg nervig.

In der Welt der E-Ink-Tablets bleibtRemarkable trotzdem führend. Ich wüsste keine Alternative, wenn du gerne ein zügiges Tablet für Notizen und Skizzen möchtest, mit dem Fokus auf das Wesentliche. Allerdings haben wir das Gerät aktuell nicht im Sortiment, lediglich das Pro-Modell Das kostet leider das Doppelte.

Pro

  • zügige Hardware
  • Stylus inklusive
  • Fokus auf das Wesentliche
  • hervorragende Handschrifterkennung

Contra

  • wichtige Funktionen (wie die Suche oder App-Bearbeitung) hinter der Abo-Schranke
  • keine integrierte Hintergrundbeleuchtung
Titelbild: Michelle Brändle

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Seit ich einen Stift halten kann, kritzel ich die Welt bunt. Dank iPad kommt auch die digitale Kunst nicht zu kurz. Daher teste ich am liebsten Tablets – für die Grafik und normale. Will ich meine Kreativität mit leichtem Gepäck ausleben, schnappe ich mir die neuesten Smartphones und knippse drauf los. 


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