Wir schreiben Geschichte – Kapitel 5
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Wir schreiben Geschichte – Kapitel 5

Carolin Teufelberger
Carolin Teufelberger
Zürich, am 24.12.2020
Bilder: Barbara Schuler, Clémence Censi
Ein Krimi, zwei Autorinnen. Kollegin Natalie und ich schreiben eine Kurzgeschichte und wechseln uns dabei Kapitel für Kapitel ab. Diese Woche geht’s um ein politisches Komplott, das von ganz oben initiiert ist.

Im Intro-Artikel haben euch Natalie und ich die Regeln zu unserer neuen Serie erklärt und euch über Genre, Zeit und zu integrierendes Produkt abstimmen lassen. Deshalb schreiben wir nun jeden Donnerstag abwechselnd an einem Krimi, der in der Gegenwart spielt. Der Clou: Du kannst über Abstimmungen am Ende jedes Kapitels selbst ins Geschehen eingreifen. Als Leser oder Leserin entscheidest du nämlich, welches Produkt aus einer zufälligen Vorauswahl die Autorin in ihrer Fortsetzung sinnvoll unterbringen muss. Quasi als Mini-Challenge aus der Community.

Was bisher geschah

Ephraim ist einsam, seit sein Hund Hannibal bei einem Nagelbombenanschlag getötet wurde. Bei diesem Attentat auf seine Werkstatt kam auch ein hochrangiges Mitglied der PdA ums Leben. Auf Ermittlungsergebnisse von Kommissar Magenta und seiner Safttruppe wartet der Sonnenstorenweber vergeblich. Nach dem Fund einer beängstigenden Botschaft in seinem Briefkasten entwendet er bei seinem Besuch auf dem Polizeipräsidium heimlich ein Antragsformular zur Hausdurchsuchung, welches die Vermutung nahe legt, dass das Malergeschäft «Lack und Eder» etwas mit der Sache zu tun hat. Leider wird Ephraim das erst bewusst, als er sich bereits in der Wohnung über dem Laden befindet. Zusammen mit Angred, der Frau des Ladenbesitzers und einem prominent platzierten Zettel, auf dem der Name eines Journalisten steht.

Alle bereits erschienenen Kapitel findest du ganz unten in diesem Beitrag zum Nachlesen.

Kapitel 5

Vergeltung der Kapitalisten

Bevor sich Ephraim umdreht und antwortet, lässt er den Durchsuchungsbefehl mit einer unauffälligen Handbewegung in seine Jackentasche gleiten. «Ja, ich bin wohl falsch abgebogen, entschuldige. Aber gemütlich habt ihr es hier.» Angred Eder verdreht die Augen und lacht laut über diese offensichtliche Lüge. Sie scheint aber wenigstens nichts Ungewöhnliches bemerkt zu haben. «Joachim Schüberle ist Journalist bei der Zeitung ‘Kaff aktuell’. Der hat so oft hier angerufen, weil wir ja unseren Malerladen vor Kurzem umgebaut und Neueröffnung gefeiert haben. Erst nach dem Nagelbombenanschlag bei dir hat er das Interesse an uns verloren. Wer kann’s ihm verübeln, wenn endlich einmal was passiert hier», sagt sie und zieht die Augenbrauen etwas nach oben, was wahrscheinlich ihren Versuch darstellt, lasziv zu wirken. Seinen Blick auf die Magnettafel hat sie also mitbekommen, das ist aber nicht weiter schlimm. «Achso ja, ich dachte doch, dass mir der Name bekannt vorkommt», sagt Ephraim und ringt sich ein vorsichtiges Lächeln ab.

Zurück zu Hause in der Werkstatt kreisen seine Gedanken. Der Duft seines neuen Fussdeos, das er seit einigen Tagen gegen seine «Hyperhidrosis pedis» benutzt, vermag ihn nur eine Sekunde abzulenken. Nachdem er noch kurz bei Angred aufs Klo ging, hat er sich schnell verabschiedet. Er müsse morgen früh raus, das war die beste Ausrede, die ihm gerade einfiel. Seit er den Durchsungsbefehl gesehen hat, wird er das Gefühl nicht los, dass die Eders etwas mit dem Tod von Hannibal zu tun haben. Aber warum sollten sie das tun? Angred und Diethard sind zwar ein komisches Paar und wahnsinnig anstrengend, aber solch eine Gräueltat traut er den beiden beim besten Willen nicht zu. Er nimmt den Zettel nochmals aus der Jacke, vielleicht hat er sich ja bei der Adresse geirrt. Doch da steht es schwarz auf weiss: Frevelstrasse 99. Hier soll eine Hausdurchsuchung stattfinden.

In der Ecke sieht er die zwei Farbdosen, die er heute morgen lieblos dorthin geworfen hat. Die eine ist ausgelaufen und bildet am Boden ein verzerrtes rotes Rechteck, fast so wie eine Flagge im Wind. Ephraim zuckt zusammen, seine eigenen Gedanken erschaudern ihn, doch es ergibt plötzlich alles Sinn. Er hat das grosse Ganze nicht beachtet, sondern sich nur auf Hannibal fixiert. Der Siegeszug der Partei der Arbeit und die einhergehende Erstarkung des Sozialismus ist dem Kanton Graubünden seit jeher ein Dorn im Auge. In den Verwaltungen und Behörden, vor allem auch der Polizei sitzen lauter frustrierte Kapitalisten, die die neue Ordnung nicht akzeptieren wollen. Kommissar Magenta ist da ganz vorne mit dabei. Was also, wenn das Attentat behördlich angeordnet war? Ein Versuch, die Partei der Arbeit zu schwächen? Ihm fällt ein, dass am Tag des Anschlags eigentlich drei weitere Parteimitglieder in seiner Werkstatt zur Abholung der Sonnenstoren angemeldet waren, sich diese aber kurzfristig entschuldigen liessen.

Aber warum sollte die Polizei das Haus der Eders durchsuchen? Die Eheleute sind als Ladenbesitzer natürlich auf Konsum angewiesen und daher flammende Kapitalisten, die würden doch nicht von der Kantonspolizei verdächtigt werden. Es sei denn, er wurde bewusst auf eine falsche Spur gelockt. Angred und Diethard sind zwar keine Mörder, aber für die Anliegen der Kapitalisten lassen sie sich nur zu gerne einspannen. Bei jeder Podiumsdiskussion, bei jeder Wahlveranstaltung sind sie dabei, um die KMU von ihrer politischen Idee zu überzeugen. Mithilfe der Eders wollten ihn die Bullen glauben lassen, dass sie in alle Richtungen ermitteln, auch hinein in die eigenen Reihen. Nun fällt ihm auch auf, dass der Durchsuchungsbefehl doch sehr offensichtlich herumlag, sogar für so einen Schlendrian wie Magenta nicht normal. Die Indizien sprechen für seine Theorie, er ist sich nun fast sicher, dass der Nagelbombenangriff ein Komplott war, abgesegnet von den höchsten Stellen des Kantons. Doch er braucht mehr Beweise.

Vielleicht muss er doch zu Eddie. Nicht mehr, weil er Ephraim tatverdächtig erscheint, sondern weil er etwas gesehen und gehört haben könnte. Falls Angred und Diethard tatsächlich in die ganze Angelegenheit eingeweiht waren, dann haben sie sicher auch im Laden darüber gesprochen, als sie sich ungestört fühlten. So wie sie auch beim ehelichen Streit kein Blatt vor den Mund nehmen. Abfällig, wie sich Angred vorhin über Eddie äusserte, liegt es nahe, dass sie und Diethard ihn zwischen den Regalen einfach vergessen haben. Und erst, als Eddie aus Schreck über das Gehörte die ganzen Dosen umgestossen hat, bemerkten sie ihn..

Fortsetzung folgt am 31.12.2020

Stimme jetzt ab

Welches Produkt soll Natalie in den nächsten Teil der Geschichte einbauen?

  • Ein Gartenhaus
    11%
  • Eine Steinhöhle fürs Aquarium
    22%
  • Eine Packung Kabelbinder
    66%

Der Wettbewerb ist inzwischen beendet.

Gartenhaus + Gartenschrank/>
Trittau 6
Karibu Trittau 6
Aquariumeinrichtung/>
Marble Cave 1 (Höhle, Höhle, Versteck)
Amazonas Marble Cave 1 (Höhle, Höhle, Versteck)
5
Kabelbinder/>
Kabelbinder (Kunststoffkabelbinder, 100 mm)
Max Hauri Kabelbinder (Kunststoffkabelbinder, 100 mm)
185

Abstimmen kannst du bis zum 27.12.2020 um 23:59 Uhr. Das Produkt, das zu diesem Zeitpunkt die meisten Votes hat, wird im nächsten Teil in die Geschichte eingebaut. Folge dem Thema «Serie» hier oder uns als Autorinnen, um keine Folge zu verpassen.

Alle bisher erschienenen Teile

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Carolin Teufelberger
Carolin Teufelberger

Editor, Zürich

Meinen Horizont erweitern: So einfach lässt sich mein Leben zusammenfassen. Ich liebe es, neue Menschen, Gedanken und Lebenswelten kennenzulernen,. Journalistische Abenteuer lauern überall; ob beim Reisen, Lesen, Kochen, Filme schauen oder Heimwerken.

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