Literarisches Pingpong – Kapitel 6
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Literarisches Pingpong – Kapitel 6

Natalie Hemengül
Natalie Hemengül
Zürich, am 31.12.2020
Bilder: Clémence Censi
Ein Krimi, zwei Autorinnen. Kollegin Carolin und ich schreiben eine Kurzgeschichte und wechseln uns dabei Kapitel für Kapitel ab. Diese Woche stösst unser Protagonist auf konkrete Motive und ein teuflisches Bündnis.

Im Intro-Artikel haben euch Carolin und ich die Regeln zu unserer neuen Serie erklärt und euch über Genre, Zeit und zu integrierendes Produkt abstimmen lassen. Deshalb schreiben wir nun jeden Donnerstag abwechselnd an einem Krimi, der in der Gegenwart spielt. Der Clou: Du kannst über Abstimmungen am Ende jedes Kapitels selbst ins Geschehen eingreifen. Als Leser oder Leserin entscheidest du nämlich, welches Produkt aus einer zufälligen Vorauswahl die Autorin in ihrer Fortsetzung sinnvoll unterbringen muss. Quasi als Mini-Challenge aus der Community.

Was bisher geschah

Ephraim ist einsam, seit sein Hund Hannibal bei einem Nagelbombenanschlag getötet wurde. Bei diesem Attentat auf seine Werkstatt kam auch ein hochrangiges Mitglied der PdA ums Leben. Auf Ermittlungsergebnisse von Kommissar Magenta und seiner Safttruppe wartet der Sonnenstorenweber vergeblich. Nach dem Fund einer beängstigenden Botschaft in seinem Briefkasten entwendet er bei seinem Besuch auf dem Polizeipräsidium heimlich ein Antragsformular zur Hausdurchsuchung, welches die Vermutung nahe legt, dass das Malergeschäft «Lack und Eder» etwas mit der Sache zu tun hat. Um sich Klarheit zu verschaffen, beschliesst Ephraim, Eddie aufzusuchen. Einen Jungen, der häufig bei den Eders herumlungert und womöglich ein Gespräch zwischen Angred und Diethard Eder belauscht haben könnte.

Alle bereits erschienenen Kapitel findest du ganz unten in diesem Beitrag zum Nachlesen.

Kapitel 6

Teuflisches Bündnis

Eddie stottert. Es sind nur Satzfragmente und einzelne Wörter, die über seine Lippen kommen. Dennoch reichen diese, um Ephraim jegliche Farbe aus dem Gesicht zu jagen. «M-m-müssen a-a-aufpassen», «B-b-briefk-k-kasten», «Decke», «gross-ss-sse Explosion», «Sch-sch-schüberle». Eddie hat also tatsächlich einem Gespräch der Eders gelauscht. Von der Decke mit der scheusslichen Botschaft in seinem Briefkasten konnten sie gar nichts wissen, schliesslich hat er dieses Detail für sich behalten. Es sei denn, die Eders steckten selbst dahinter. Ephraim blickt auf den verängstigten Eddie, der nervös auf einem Kabelbinder herumkaut. Ephraim bedankt sich und überlässt Eddie wieder den Mülltonnen, zwischen denen er den verpeilten Jungen aufgespürt hat.

Zu Hause versucht Ephraim die Puzzleteile zusammenzusetzen. Da wäre der entwendete Antrag auf Hausdurchsuchung, der die Eders ins Visier nimmt. Dann die Satzfragmente aus einem Gespräch zwischen Angred und Diethard Eder, das Eddie heimlich belauscht hat und in dem auch der örtliche Journalist Joachim Schüberle erwähnt wurde. Hinzu kommt Ephraims Vermutung, dass die Kapitalisten – zu denen Angred und Diethard gehören – es auf die PdA abgesehen haben. Denn am Tag, an dem die Nagelbombe hochging, waren vier Mitglieder der PdA in seiner Werkstatt angemeldet. Drei davon meldeten sich wieder ab. Beim Vierten handelte es sich um Xavier Ambühl, den kantonalen Parteipräsidenten. Er fiel dem Attentat zum Opfer. Entweder hätten mehrere Parteimitglieder umkommen sollen und der Zufall bewahrte die anderen vor ihrem Schicksal oder aber Ambühl war von Anfang an das einzige Ziel. So oder so. Ephraim muss tiefer graben und er weiss auch schon, wo er damit anfängt.

Gerade als Ephraim den Empfangsbereich der «Kaff Aktuell»-Redaktion betritt, fällt sein Blick auf einen Mann, der mit dem Rücken zu ihm steht und sich am Automaten einen Kaffee heraus lässt. Der Mann dreht sich um, grüsst zum Abschied die rothaarige Empfangsdame mit einer zuprostenden Geste und bleibt abrupt stehen, als er Ephraim sieht. Es ist Diethard Eder. «Na so was. Was machst du denn hier?», fragt Diethard sichtlich entgeistert. «Ich möchte eine Kleinanzeige für die Werkstatt aufgeben», lügt Ephraim und versucht, ruhig zu bleiben. «Verstehe. Na dann, man sieht sich.» Diethard zieht mit gesenktem Blick und in einem zackigen Schritttempo an Ephraim vorbei.

Dass Diethard Kontakt zum Journalisten Joachim Schüberle hat, weiss Ephraim bereits. Laut Angred lediglich, weil die Zeitung über die Neueröffnung des «Lack und Eder» berichtet hat. Die liegt nun aber schon Wochen zurück. Was also wollte Diethard hier? Die Empfangsdame könnte ihm hier weiterhelfen. Jetzt heisst es wieder über den eigenen Schatten springen, wie neulich bei Angred. «Gibt es wieder einen Artikel über die Malerbude der Eders?», fragt Ephraim unschuldig und zeigt mit dem Daumen hinter sich auf die Türe, hinter der Diethard soeben verschwunden ist. Auf dem Namensschild vor der Empfangsdame steht «Jennifer Bieri». Jennifer kichert und winkt ab. «Nein, die Neueröffnung ist doch Schnee von gestern.» Dann flüstert sie: «Ich darf das gar nicht sagen, aber Diethard ist seit ein paar Monaten stiller Teilhaber des ‘Kaff Aktuell’. Ich hoffe ja wirklich, dass er unser Käseblatt aus der Misere retten kann.» Sie beisst sich schuldbewusst auf die Unterlippe und hält sich anschliessend mit einem gedämpften «Schhhhht» den Zeigefinger vor die Lippen. «Zu wem müssen Sie?», wechselt sie abrupt das Thema, als jemand den Empfangsbereich betritt.

Schüberles Büro wirkt altmodisch und riecht auch so. Der dunkelgrüne Teppichboden hat eindeutig schon bessere Zeiten gesehen. Ganz zu schweigen vom Pult, dessen Lack sich an den meisten Stellen auf und davon gemacht hat. Etwas, das Ephraim jetzt auch gerne tun würde. Aber stattdessen nimmt er auf dem Stuhl gegenüber von Joachim Schüberles Pult platz, während dieser sich noch einen Kaffee rauslässt. Nervosität macht sich in Ephraims Körper breit. Erst jetzt merkt er, dass er sich noch gar nicht richtig überlegt hat, welche Fragen er dem Journalisten stellen möchte. Seine Hände beginnen zu zittern und der Autoschlüssel, den er soeben noch fest umklammert hielt, fällt ihm aus der Hand. Als Ephraim sich bückt, um den Schlüssel aufzuheben, fällt sein Blick auf eine Kartonschachtel unter dem Pult, die bis oben hin mit politischen Flyern gefüllt ist. Damit hat Ephraim nicht gerechnet: Joachim Schüberle will kantonaler Parteipräsident der PdA werden.

Ephraims Gedanken überschlagen sich: Da nun der amtierende Präsident Xavier Ambühl tot ist und sich nicht erneut zur Wahl aufstellen lassen kann, dürfte Schüberle die Wahl sicher sein. Aber irgendetwas passt hier nicht ins Bild. Wieso sollte Diethard Joachims Zeitung unterstützen, wenn die beiden doch in ihren Glaubenssätzen nicht verschiedener sein könnten? Denn vor ziemlich genau drei Jahren gab Joachim Schüberle in seiner Zeitung bekannt, dass er der PdA beitritt und das, obwohl er bis dahin voller Inbrunst für die Gegenseite gekämpft hatte. Der plötzliche Sinneswandel schlug im Dorf hohe Wellen und ist bis heute für viele nicht nachvollziehbar.

Aber was, wenn Joachim Schüberle, der Journalist und Inhaber des «Kaff Aktuell», nie wirklich die Seiten gewechselt hat und mit seinem Parteibeitritt die PdA nicht unterstützt, sondern sie lediglich infiltriert, um sie von innen her zu seinen Gunsten zu schwächen? Diethard Eder könnte das Ganze indirekt als stiller Teilhaber mitfinanzieren. Ein Attentat auf den langjährigen Präsidenten würde Joachim somit den Weg an die Spitze sichern und gleichzeitig seine Auflage steigern. Das wären dann zwei Fliegen mit einer Klappe.

Wenn es wirklich so ist, stellt sich dennoch die Frage: Wer hat die Bombe gebaut und inwiefern ist Kommissar Magenta in die Sache verwickelt? Denn ein Malermeister und Journalist ergeben zusammen noch längst keinen Terroristen…

«Also, was kann ich für Sie tun Ephraim?», fragt Schüberle.

Fortsetzung folgt am 07.01.2021

Stimme jetzt ab

Welches Produkt soll Carolin in den nächsten Teil der Geschichte einbauen?

  • Milchpumpe
    66%
  • Häkelnadel
    25%
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Der Wettbewerb ist inzwischen beendet.

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Abstimmen kannst du bis zum 03.01.2021 um 23:59 Uhr. Das Produkt, das zu diesem Zeitpunkt die meisten Votes hat, wird im nächsten Teil in die Geschichte eingebaut. Folge dem Thema «Serie» hier oder uns als Autorinnen, um keine Folge zu verpassen.

Alle bisher erschienenen Teile

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Natalie Hemengül
Natalie Hemengül

Editor, Zürich

Als Disney-Fan trage ich nonstop die rosarote Brille, verehre Serien aus den 90ern und zähle Meerjungfrauen zu meiner Religion. Wenn ich mal nicht gerade im Glitzerregen tanze, findet man mich auf Pyjama-Partys oder an meinem Schminktisch. PS: Mit Speck fängt man nicht nur Mäuse, sondern auch mich.

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